Wolfgang Rust aus Hohenwarthe hat drei Lieblingssätze: Ich bin doch jetzt Rentner. Ich habe doch Zeit. Ich kann mich darum kümmern. Wie zum Beispiel um eine sichere Überquerung der viel befahrenen Ortsdurchfahrt von Lostau.

Hohenwarthe l Als es mit dem gewünschten Lostauer Zebrastreifen im Vorjahr nicht richtig voranging, der berechtigte Wunsch vor allem der älteren Menschen des Seniorenheims in den Amtsstuben zu verstauben schien, initiiert Rust eine große Unterschriftenaktion. "Mal sehen, was passiert, wenn die Bürger aktiviert werden", sagte Rust damals. "Mal sehen, was Bürgerwille gegen Bürokratie vermag." Mehr als 700 Unterschriften kamen zusammen. Inzwischen liegt die Zusage für eine Lösung in Lostau vor.

Wolfgang Rust weiß selbst, dass er so manchem damals auf die Nerven gegangen war. Er drängte, fragte immer wieder nach, kontaktierte Kreis- und Gemeindeverwaltung, stellte unangenehme Fragen und ließ auch vernehmen: "Wenn das nicht vorangeht, male ich mal nachts weiße Streifen auf den Asphalt."

"So bin ich eben", sagt Rust. "Ich habe meine Ecken. Ich bin nicht glatt wie viele andere." Rust sagt, er geht mit offenen Augen durch die Welt, und wenn er mit seinem normalen Menschenverstand bemerkt, dass etwas nicht so ist, wie es sein müsste oder besser wäre, dann regt sich in ihm Aktivität. Das war in seinem ganzen Leben so, blickt der studierte Diplomingenieur zurück.

Schon während der Armeezeit, in der er Disziplin kennenlernte. Das ist für Rust ein wichtiger Wesenszug. Das Organisieren und Fädenknüpfen, das Nutzen von Beziehungen lernte er im Magdeburger Förderanlagenbau, wo er nach dem Studium als Verwaltungsmitarbeiter tätig war. Ihm unterstand der zu DDR-Zeiten hoch angesehene Sozialbereich. Von der Kantinenverpflegung bis zum Ferienlager, von der Wohnungssuche bis zum Betriebsvergnügen - alles lag in seiner Hand. Ihm gelang es, sich Freiräume zu schaffen, andere als die üblichen Wege zu gehen. Und er wagte deshalb nicht selten auch allein einen Schritt vor den anderen.

Wolfgang Rust ist ein naturverbundener Mensch. Die Liebe zu Wald und Wasser prägte schon seine Kindheit, als die Familie Ende der 50er Jahre von Magdeburg ans Hohenwarther Elbufer zog. Er erinnert sich, wie er mit seinem Vater das geschulterte Paddelboot vom Haus am Uferhang zur Elbe schleppte. Eine Weltumsegelung wird immer ein Jugendtraum bleiben. Doch immerhin verbrachte er mit seiner Familie viele Jahre lang auf einem 20er Jollenkreuzer die jährlichen vier Wochen Urlaub auf der Müritz.

Das sind schöne Erinnerungen an herrlich verbrachte Freizeit mitten in der Natur. Touristische Erlebnisse hat aber auch Hohenwarthe zu bieten. Wolfgang Rust hat hier sein nächstes "Kampfziel" ausgemacht: die Trogbrücke. Er selbst hatte dieses Meisterwerk technischer und architektonischer Baukunst als den Eiffelturm des Jerichower Landes bezeichnet. Ganz exakt ist der Vergleich nicht, denn das eiserne Wahrzeichen von Paris besuchen jährlich rund sieben Millionen Touristen. Doch, so sagt Rust, die Trogbrücke, die längste Kanalbrücke Europas, passieren pro Jahr immerhin auch rund 200 000 Radler und Wanderer, die auf dem Elberadweg unterwegs sind. Und was finden sie dort an der über 20 Jahre alten technischen Sensation? Außer ein paar Infotafeln, einer Aussichtsplattform und einem grandiosen Blick über die Elblandschaft eigentlich nichts. Nicht einmal eine Toilette. Während sich die mit Bussen anreisenden Besucher zunächst in die Büsche schlagen, hat Rust eine Servicestation für Radler mit angeschlossener Gastronomie im Kopf. Der große Schiffsanleger gehört in Trognähe und auch der Info-Punkt. Rust: "Ich bin doch Rentner, ich kann mich doch kümmern."

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