Vom Ortsbürgermeister über die Mitglieder des Stadtrates bis zu den Ortswehrleitern erhalten viele Ehrenamtliche ab sofort eine höhere Entschädigung. Deutliche Kritik an der Entscheidung des Stadtrates übt der Leitzkauer Ortswehrleiter Sven Krause.

Leitzkau l Sven Krause gehört als Ortswehrleiter zu den ehrenamtlichen Funktionsträgern, denen die Stadt Gommern künftig eine höhere Entschädigung überweist. Am Mittwochabend beschloss der Stadtrat die geänderte Entschädigungssatzung bei vier Enthaltungen mit großer Mehrheit. Eigentlich schneide er sich ins eigene Fleisch, wenn er sich gegen eine Erhöhung der Zahlungen ausspreche. "Aber wir sprechen von Geld, das aufgrund der Haushaltslage in der Stadt gar nicht da ist", sagte Sven Krause. Das sollten die Ortschafts- und Stadträte, die die Entschädigungssatzung beraten und beschlossen haben, am besten wissen.

Dass die erhöhten Entschädigungszahlungen schon im Haushaltsplan 2015 berücksichtigt waren, obwohl die neue Satzung noch nicht bestätigt war, ist ein Umstand, der für den Leitzkauer schwer nachzuvollziehen ist.

Zum Hintergrund: Bevor der Stadtrat die Fortschreibung des Haushaltskonsolidierungskonzeptes und den Haushaltsplan am Mittwoch beschlossen hatte, war über die Entschädigungssatzung (wie über alle anderen Sachverhalte, die das Konzept oder den Plan beeinflussen) abgestimmt worden. Wäre die Änderung der Entschädigungssatzung, die sich auf rund 20 000 Euro beläuft, nicht im Haushaltsplan 2015 eingestellt worden, hätte sie noch nicht gezahlt werden können.

"Im Privaten gilt auch: Geld, das ich nicht habe, kann ich nicht ausgeben."

Und noch ein anderer Umstand lässt Sven Krause den Kopf schütteln: Das Land regte die höheren Entschädigungszahlungen an, obwohl es den Kommunen zugleich immer weniger Geld zur Verfügung stellt. "Das widerspricht sich."

Außerdem gelte im Privaten doch auch: Geld, das ich nicht habe, kann ich auch nicht ausgeben, betonte Sven Krause. Ihn beschäftigte nicht zuletzt die Erhöhung der Entschädigungssatzung auf der einen Seite und die Erhöhung der Gewerbesteuer auf der anderen.

"Die Unternehmer schaffen Arbeitsplätze und es sind die, die Vereine und Feuerwehren mit ihren Spenden unterstützen." Sven Krause nannte ein Beispiel, wie eine Firma aus einem Nachbarort eine wichtige Ausgabe für die Leitzkauer Ortsfeuerwehr übernahm, für die in der Stadtkasse kein Geld war.

"Geld macht das Ehrenamt nicht attraktiver", sagte Sven Krause. Die Leitzkauer Feuerwehrleute würden ihren Dienst auch versehen, wenn es kein Einsatzgeld geben würde. "Das war früher ja auch so." Die Zeit, die man für sein Ehrenamt investiere, könne man mit Geld nicht bezahlt bekommen. Entweder man übernehme so eine Aufgabe freiwillig und erfülle sie gerne oder man mache es eben nicht. "Aber durch Geldzuwendungen wird es nicht attraktiver."

"Wieviel Geld will man dafür zahlen, einen Toten zu bergen?"

Das beweise schon, dass die Mitgliederzahlen in den Feuerwehren durch die Zahlung des Einsatzgeldes nicht angestiegen seien. Dass eine Feuerwehr funktioniere, sei Aufgabe der Wehrleitung. "Ich war mir vorher bewusst, bevor ich Ortswehrleiter geworden bin, was diese Aufgabe von mir verlangt." Jeder, der so eine Position übernehme, wisse, was auf ihn zukomme und sei - im Falle der Wehrleiter - dafür geschult worden.

In der Leitzkauer Feuerwehr sieht es derzeit gut aus. Die Gründung der (seit dem sehr aktiven) Kinder- und Jugendfeuerwehr hat sich positiv ausgewirkt. Frauen konnten für die Wehr gewonnen werden. Wichtig sei, so Sven Krause, einen Mittelweg zu finden, eine intensive Arbeit und Miteinander in der Feuerwehr anzubieten, zugleich die Kameraden aber auch nicht (zeitlich) zu überfordern.

Überhaupt nichts kann der Leitzkauer Ortswehrleiter mit dem Nedlitzer Vorschlag anfangen, das Einsatzgeld nach einfachen und schweren Einsätzen zu gliedern. "Wie viel Geld will man dafür zahlen, dass Feuerwehrleute einen Toten bergen müssen?", fragte er zurück. "Das kann man nicht mit Geld aufwiegen." Er verwies auf die Mechanismen in den Feuerwehren. Manch einer könne diese schwere Aufgabe eher erledigen als ein anderer. Nach diesen Einsätzen wird das Geschehen aufgearbeitet, für jeden Kameraden so, wie es für ihn am besten ist.