Jerichow | Nach europäischem Recht sind die Überflutungsauen zwischen Hohenwarthe und Werben gefährdete und zu schützende Lebensräume. Seit zwei Jahren befindet sich das Naturschutzgebiet "Elbaue Jerichow" in der Planung. Bereits der erste Entwurf sorgte für allerhand Unruhe, vor allem bei den Fischern und Anglern. Ihnen drohten wesentliche Einschränkungen. Das konnten sie aus dem Entwurf vom Jahresbeginn 2013 lesen, eine überarbeitete Fassung sollte im Sommer folgen. Doch daraus wurde bis jetzt nichts.

"In Folge des Elbehochwassers und dessen Auswirkungen auf die Betroffenen ruhte das Verfahren seit Sommer 2013", erklärt Gabriele Städter vom Landesverwaltungsamt, der zuständigen Behörde.

Im Dezember vergangenen Jahres begannen nun "vorgelagerte Gespräche mit den ersten Landesverbänden", sagt Städter. Weitere umfangreiche Abstimmungen mit den Nutzergruppen seien in Planung. Doch das eigentliche öffentliche Beteiligungsverfahren wird nicht vor 2017 folgen. Obwohl die von der EU gesetzte Frist für die Ausweisung der Natura 2000-Gebiete längst überschritten ist. Mit Natura 2000 ist ein europaweit zusammenhängendes ökologisches Netz von Gebieten gemeint, in denen die erforderlichen Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt getroffen werden soll.

Große Einschnitte für Landwirtschaft

Die EU formuliert als klares Ziel "die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt in der Europäischen Union". Wo das passieren soll, legen die sogenannte Fauna-Flora-Habitat- und die Vogelschutzrichtlinie fest. Das kann für die Landwirte, die derzeit vorgesehene Naturschutzflächen noch landwirtschaftlich nutzen, große Einschnitte bedeuten. Begrenzte Nutzungszeiten, Düngungsverbot - nur zwei der Folgen, die ein neues Naturschutzgebiet mit sich bringen kann. 13 427 Hektar umfasst das Gebiet der geschützten Elbaue Jerichow nach aktuellem Stand. Laut Bundesamt für Naturschutz gilt es dort 40 Vogel- und 25 Zugvögelarten zu schützen.

Vergangenen Juli "entschied die Landesregierung per Kabinettsbeschluss, alle Natura 2000-Gebiete Sachsen-Anhalts über eine flächendeckend geltende Landesverordnung zu sichern", erläutert Städter vom Landesverwaltungsamt. Somit wird das Verfahren einschließlich der "Elbaue Jerichow" von der Oberen Naturschutzbehörde geführt. In dem Entwurf sollen die Abstimmungsergebnisse aus dem ersten Auslegungsverfahren einfließen.

Hunderte Stellungnahmen sind 2013 nach der Auslegung des Entwurfes bei der Behörde eingegangen. Unter anderem fordert die Gemeinde Elbe-Parey in ihrer Stellungnahme, Verbote für landwirtschaftliche Unternehmen herauszunehmen und weist auf die zu befürchtenden Einschränkungen für die Schiffswerft Derben hin.