Rund 200 wahlberechtigte Möckeraner haben am Donnerstag in der Stadthalle Möckern die Gelegenheit genutzt, die beiden Bewerber für das Stadtbürgermeisteramt besser kennenzulernen. Bei dem Wahlforum standen die Kandidaten Frank von Holly und Bernd Wünschmann Rede und Antwort.

Möckern l Zwei Bewerber gibt es für die Stadtbürgermeisterwahl am 22. März in der Einheitsgemeinde Möckern. Amtsinhaber Frank von Holly (CDU) will dort weitermachen, wo er in den zurückliegenden sechseinhalb Jahren angekommen ist und hat sich "Kontinuität durch Erfahrung" auf die Fahne geschrieben. Der Kandidat der Wählergemeinschaft Fläming - Loburgs Ortsbürgermeister Bernd Wünschmann - glaubt, dass die Stadt Erneuerung braucht. So steht es auf dem Werbeflyer, der am Donnerstagabend auch in der Stadthalle zu greifen war.

Gut 200 Bürger interessierten sich für die Vorstellungsrunde, zu der die Stadtverwaltung verpflichtet ist. 400 der bereitgestellten Stühle im großen Saal blieben allerdings unbesetzt. Unter den Anwesenden waren viele Ortschaftsratsmitglieder und Stadträte.

Der leitende Redakteur der Volksstimme im Jerichower Land, Andreas Mangiras, moderierte an dem Abend und hatte die Veranstaltung in drei Themenkomplexe geteilt, nach denen auch die Bürger ihre Fragen loswerden durften. Nach einer Vorstellungsrunde ging es um die Themenbereiche "Soziales und Demogafie", "Finanzen und Wirtschaft" und "Zustand und Perspektiven der Einheitsgemeinde".

Zahlreiche Bürgerfragen richteten sich konkret an einen der Bewerber oder drehten sich um spezielle Probleme, wie den Umgang der Verwaltung mit Sitzungsprotokollen bei Ortschaftsratssitzungen, die Beteiligung der Stadtelternvertretung oder Ansiedlungsprobleme von Firmen in den Gewerbegebieten.

Nicht selten zeigte sich, dass beide Kandidaten grundsätzlich ähnliche Ansichten vertreten, etwa bei der Kritik an der vom Land beabsichtigten Schließung der Loburger Sekundarschule oder der Ansicht, dass in der Region inzwischen ausreichend viele Windkraftanlagen stehen. Für die Fragen standen beiden Kandidaten je zwei Minuten Redezeit zu.

Frage: Was sind Ihre Visionen für die kommenden sieben Jahre?

Frank von Holly: "Ich möchte fortführen, was wir in vergangenen Jahren geschafft haben. Dazu zählt das Angleichen der Lebensverhältnisse. Noch bestehende Unterschiede in Dörfern müssen wir beseitigen. Ein Schwerpunkt liegt bei Straßen, Kindergärten und Schulen. Meine Hoffnung liegt auf Firmen, die sich hier ansiedeln. Ich hoffe auch, dass die Bürger dazu beitragen, dass die Kitas gefüllt sind, denn das ist die Voraussetzung für volle Schulen und soziales Leben in der Stadt. Auf der wenig befahrenen Kreisstraße Friedensau - Pabsdorf wünsche ich mir dicke rote Striche, statt eines teuren Radweges. Manchmal reichen neue Ideen."

Bernd Wünschmann: "MeinZiel ist es, die Einwohnerzahl in Möckern zu erhöhen, Familien Sicherheit zu geben, in punkto Kindergärten, Schulen und Freizeitangeboten. Die Eltern möchte ich mehr in die in Problemlösungen einbeziehen. In Gesprächen mit Gewerbetreibenden möchte ich mehr Arbeitsplätze schaffen, um so auch die Kaufkraft zu erhöhen. Dazu ist aber auch eine bessere Internet-Breitbandanbindung nötig."

"Nach einer gewissen Zeit sollten gewisse Veränderungen eintreten, neue Ideen und neuer Schwung. Die Kontinuität zur Stärkung der Einheitsgemeinde Möckern muss von statten gehen."

Bernd Wünschmann

Frage: In welcher Verfassung sehen Sie die Einheitsgemeinde Möckern. Gibt es ein Wir-Gefühl? Wie trägt der Bürgermeister dazu bei?

Frank von Holly: "Vor 14 Jahren gab es die erste Eingemeindung, inzwischen sind es 26. Bis auf einen Fall kamen die Orte freiwillig. Wir sind gut vorwärts gekommen. Aber noch stecken manche im `Gestern` und im `Ich`. `Wir` sagt man beim Feiern leichter als beim Streiten. Es ist noch ein weiter Weg zum Ganzen. Dazu müssen wir alle beitragen. Finanziell ist die Stadt solide aufgestellt. Wir können weiter investieren. Unsere Größe ist unsere Stärke, weil sie Vielfalt gewährleistet. Die Feuerwehren sind schon jetzt Vorbild."

Bernd Wünschmann: "Die Stadt ist noch in der Entstehungsphase. Schade, dass Schopsdorf nicht mehr dabei ist. Hier sind Fehler gemacht worden. Mit mehr Fingerspitzengefühl wäre Schopsdorf noch da. Das dortige Gewerbegebiet würde Möckern gut tun. Derzeit haben wir in der Einheitsgemeinde einen Zustand des "sich Achtens", des Wartens und der Verunsicherung. Das Gebilde bekommt man nicht so schnell unter einen Hut. Zu unterschiedlich sind die Charaktere und zu selbstständig waren die Orte. Es muss ein Umdenken geschehen, um ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Das geht nur, wenn die Orte aufeinander zugehen und man nicht Menschen vor den Kopf stößt. Die Orte müssen das Gefühl haben, gleichwertig betrachtet zu werden. Ich wünsche mir von den Bürgern mehr Engagement bei freiwilligen Aufgaben."

Frage: Wie schätzen Sie das Verhältnis Bürgermeister und Stadtrat und die Arbeit des Stadtrates ein? Welche Erwartungen haben Sie an Stadtrat und die Fraktionen?

Bernd Wünschmann: "Mein Respekt für die unermüdliche Einsatzbereitschaft des jetzigen Amtinhabers, immer und überall dabei zu sein. Das ist gut so und soll auch so bleiben. Jedoch sollte nicht der Bürgermeister jede Entscheidung treffen, dafür gibt es die Verwaltung und entsprechendes Personal. Entscheidungen könnten schneller getroffen werden, wenn sie verteilt würden. Der Bürgermeister muss nicht in allen Ausschüssen den Vorsitz haben. Ein gut funktionierender Stadtrat ist ein Muss. Mich stört der Parteienzwang. Ich hoffe, dass der Stadtrat dem künftigen Bürgermeister fair gegenübertritt, zum Wohl der Stadt."

Frank von Holly: "Es muss im Stadtrat um die Sache gehen. Grundsäzlich machen wir eine gute Arbeit und haben viele Erfolge, an denen auch Verwaltung und Bürger ihren Anteil haben. Es gibt einige wenige Differenzen, die über die Presse besonders wahrgenommen werden. Beispiel Entschädigungssatzung. Das ist aber nachrangig im Verhältnis zu den Problemen, die wir als Stadt haben. Bedauerlich ist die zunehmende Polarisierung im Stadtrat: Es sollte wieder mehr um die Sache gehen, da sind wir alle gefordert, der Stadtrat, die Verwaltung und auch ich. Ich persönlich möchte weiterhin überall ansprechbar sein. Ich hatte früher Bürgermeistersprechstunden, aber keiner kam. Die Leute wollten mich sonntags sprechen, und da will ich auch weiterhin für jedermann erreichbar sein."

"Ich glaube, ich habe es in den letzten sechseinhalb Jahren ziemlich gut erledigt. Wenn die Wähler der selben Ansicht sind, kann ich weitermachen."

Frank von Holly

Frage: Ab 2019 sollen Orte mit unter 300 Einwohnern keinen Ortschaftsrat mehr haben. Wie wollen Sie diesen Orten Mitwirkung anbieten?

Frank von Holly: "Wir brauchen Ortschaftsräte, egal wie groß Orte sind. Sie sind der wesentliche Kontakt zu Verwaltung und Bürgermeister. Sie merken, was vor Ort passiert. Das schafft ein einzelner Ortsvorsteher nicht. Ich vertraue darauf, das Land da noch zu überzeugen. Dazu müssen die Bürger auch lautstark werden. Ich hoffe, es gelingt uns, eine Struktur zu schaffen, die mehrere Ansprechpartner in einem Ort erzeugt."

Bernd Wünschmann: "Wenn die Landesregierung so weiter macht, sehe ich keine Chance für Orte unter 300 Einwohner. Ich wünsche mir, dass es nicht so kommt. Gerade Ortschaftsräte und Ortsbürgermeister geben den Bürgern das Gefühl der Selbstständigkeit. Mit dem Verschwinden der Ortschaftsräte und Ortsbürgermeister verschwindet auch das ehrenamtliche Engagement in den Orten. Es ist wichtig, dass wir uns das nicht gefallen lassen. Ich glaube, es wird nicht die letzte Gebietsreform gewesen sein."

Frage: Wie schätzen sie die Leistungsfähigkeit der Einheitsgemeinde ein. Was kommt auf die Bürger zu?

Frank von Holly: "Trotz des Defizites ist unsere Haushaltslage eigentlich gut. Wir geben nur aus, was wir auch wirklich haben. Wenn wir uns mehr wünschen, zum Beispiel Sauberkeit, dann kostet das auch mehr Personal und Aufwand. Das bedeutet letztlich auch mehr Steuern und Abgaben. Ich habe nicht vor, unnötig weitere Mehrleistungen zu erbringen und damit auch nicht mehr Mehrbelastung."

Bernd Wünschmann: "Da stimme ich zu. Die Belastungen sind schon jetzt hoch. Ich bin aber auch kein Freund vom Totsparen. Wir müssen deshalb versuchen, mit wenig viel erreichen. Etwa durch mehr Leistungen im Ehrenamt. In Loburg haben wir mit einigen älteren Herren zum Beispiel einen Fußweg vom Seniorenheim ins Stadtzentrum gebaut."

Frage: Wo sehen sie Investitionsbedarf in der kommunalen Infrastruktur?

Bernd Wünschmann: "Wir haben noch viel zu tun, etwa bei Straßen und Kindergärten. Wir müssen weitere Fördergelder bekommen und den dazu nötigen Eigenanteil stemmen. Auch bei Kreisstraßen ist noch Bedarf, auch wenn sie nicht in unserem Zuständigkeitsbereich liegen. Bei Schulen sind wir auf einem guten Weg. Dringenden Redebedarf gibt es noch bei der Frage der Sekundarschulen in der Stadt. Für eine bessere Internetversorgung in unserer Region müssen wir zur Not Geld in die Hand nehmen, um staatliche Förderprogramme nutzen zu können, sonst kommt kein Gewerbe hierher. "

Frank von Holly: "Wir müssen uns um desolate Straßen kümmern. Wo wir nicht zuständig sind, müssen wir die Baulastträger animieren, mitzumachen. Die Grundschule Grabow ist die letzte in noch nicht zeitgemäßem Zustand. Wenn wir unsere sozialen Einrichtungen erhalten wollen, müssen wir die Angebote nutzen. Wir müssen immer überlegen, was muss in welchem Unfang getan werden, geht es auch mit weniger Umfang oder können es andere besser? Kann eine Straße schmaler gebaut werden? Das erspart auch Anwohnern Ausbaubeiträge. Internet können private Dienstleister schneller realisieren."

Frage: Wie stehen sie zu Windparks?

Frank von Holly: "Das Problem an der Windkraft ist, Maß halten bei der Zahl der Anlagen. Unsere Region hat einen ausreichenden Beitrag geleistet. Wir müssen Naturfrevel vermeiden. Es muss auch windkraftfreie Landschaftsbereiche geben."

Bernd Wünschmann: "Ich möchte keinen neuen Windpark und bin gegen erneuerbare Energien um jeden Preis. Ich finde es krank, wenn wir Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland legen. Wir haben genügend Windparks in unserer Region. Das mit den Milanhorsten ist eine Schweinerei."

Wie steht es um die Zukunft der Ortsfeuerwehren?

Frank von Holly: "Unsere Wehren arbeiten hervorragend zusammen. Wir können nur weiterhin das Ehrenamt stützen. Ortswehren werden nicht geschlossen, solange Kameraden da sind."

Bernd Wünschmann: "Feuerwehren kann man nicht abschaffen. Die Stadt muss für weitere Kameraden werben und bei Neueinstellungen in Verwaltung oder Bauamt der Stadt von dem Bewerber auch ein Engagement in der Feuerwehr einfordern."

Frage: Stichwort Polizeireform. Wie schätzen Sie die Sicherheitslage ein?

Bernd Wünschmann: "Wir sind über die Reform nicht glücklich. Wir haben zu wenig Beamte, das ist so nicht tragbar. Die Polizei braucht zu lange, um da zu sein."

Frank von Holly: "Das Hauptproblem ist die gefühlte Sicherheit. Wenn die Reform so eingehalten wird, wie versprochen, mit Streifendiensten rund um die Uhr an jedem Tag, ist das mehr Sicherheit als zuvor, als Reviere teils nicht besetzt waren. Ein größeres Problem ist die Rechtsverfolgung, weil die Staatsanwaltschaft nicht hinterherkommmt."

Frage: Warum sollten die Wähler Sie wählen?

Bernd Wünschmann: "Nach einer gewissen Zeit sollten gewisse Veränderungen eintreten, neue Ideen und neuer Schwung. Die Kontinuität zur Stärkung der Einheitsgemeinde Möckern muss vonstatten gehen. Dafür trete ich an."

Frank von Holly: "Ich glaube, ich habe es in den letzten sechseinhalb Jahren ziemlich gut erledigt. Wenn die Wähler der selben Ansicht sind, kann ich weitermachen."

   

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