Im Jerichower Land kommen im Monat aktuell 52 neue Flüchtlinge aus Krisengebieten an. Der Kreis muss sie laut Gesetz aufnehmen, für ihre Unterbringung und Integration sorgen. Betroffen sind die beiden größeren Städte Burg und Genthin. In einen Wohnblock an der Burger Schützenstraße, der derzeit saniert wird, sollen aber keine Flüchtlinge einquartiert werden, sagt der Kreis.

Burg l Der deutliche Anstieg der Flüchtlingszahlen, die nach Deutschland kommen, stellen auch den Kreis Jerichower Land vor "neue Herausforderungen". Davon geht Landrat Steffen Burchhardt (SPD) aus. Der Kreis muss Platz schaffen, um Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge aufzunehmen, unterzubringen und zu integrieren. 52 Flüchtlinge kommen derzeit pro Monat ins Jerichower land. Das ist deutlich mehr als noch Ende vorigen Jahres kalkuliert.

Während in Genthin über 100 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge untergebracht wurden, stehen in Burg derzeit eine große Gemeinschaftsunterkunft und ein Wohnblock am Paddenpfuhl zur Verfügung. Vereinzelt haben syrische Kriegsflüchtlinge selbstständig Wohnungen gefunden. Das können sie, sobald ihr Status als Kriegsflüchtling anerkannt ist, bestätigt Landrat Burchhardt.

Derzeit arbeitet die Kreisverwaltung an einem Konzept, wie man die Aufnahme, Unterbringung und Integration der Flüchtlinge und Asylsuchenden künftig stemmen will. Anfang Mai soll ein Entwurf dazu in den ersten Kreistagsausschuss eingebracht werden, kündigte Burchhardt an. Letztlich muss der Kreistag grünes Licht dafür geben, wie es im Jerichower Land gehen soll.

Der Landrat hat das Thema zur Chefsache gemacht. Eine Stabsstelle ist ihm direkt unterstellt. Das Thema ist hochsensibel - für die Menschen, die hierher kommen und was die Akzeptanz in der heimischen Bevölkerung betrifft.

Burchhardt sieht keine Überflutung des Kreises mit Ausländern. Ganze 1,5 Prozent der Bevölkerung im Kreis sind Ausländer. Unter den aktuell 174 Asylbewerbern und 110 abgelehnten Asylbewerbern sind 149 syrische Kriegsflüchtlinge.

Nach seinen Vorstellungen sollen Burg und Genthin diese Menschen aufnehmen. In ländlichen Gebieten sei das nicht gedacht. Gemeinschaftsunterkünfte wie in Burg sollen weiter ein wichtiges Element dabei sein, vor allem für Erstankömmlinge. "Wir denken darüber nach, auch eine Gemeinschaftsunterkunft in Genthin aufzumachen."

Und wie steht es um den Bezug von Wohnblöcken, etwa in Burg? "Mit dem Wohnblock am Paddenpfuhl steht uns aktuell ein Objekt zur Verfügung, dass noch mehr Menschen Unterkunft bieten kann. Wir haben da Verträge. Das wird gehen."

Einen Wohnblock an der Burger Schützenstraße hat der Kreis nicht als Flüchtlingsunterkunft auf der Rechnung. "Ich kenne das Gerücht, gleiches auch zur alten Schule in Gerwisch. Da ist nichts dran. Ich war nie zu einer Begehung in dem Block. Noch ist er uns angeboten worden", betonte Burchhardt. Er räumt ein, dass der Kreis eine Abfrage unter Wohnungsanbietern gemacht hat, um Kosten und Bedingungen für Wohnraum auszuloten. Für die Zukunft, schon in einem dreiviertel Jahr. Burchhardt sicherte zu, ausschließlich mit seriösen Vertragspartnern Vereinbarungen über die Anmietung von Wohnungen für Flüchtlinge abschließen zu wollen.

Laut Gesetz ist der Kreis verpflichtet, sich um die Aufnahme und Unterbringung von Asylbewerbern zu kümmern. Gleiches gilt für die Integration dieser Menschen. Das kostet viel Geld.

Wieviel es genau ist und noch werden kann, hat noch niemand berechnet. Es steckt in zu vielen Einzelposten im Haushalt, sagt Burchhardt. Der Kreis geht aber in jedem Fall in Vorleistung. "Das Land hat versprochen, dass wir nicht auf den Kosten sitzenbleiben werden", erklärte Burchhardt. "Ich bin optimistisch, dass wir Kostenersatz bekommen werden, wieviel ist offen."