Der erste Entwurf eines neuen Flächennutzungsplanes (FNP) für die Ortschaft Gerwisch ist vor einigen Tagen im Ortschaftsrat debattiert worden.

Gerwisch l Bevor der Regionalplaner Nils Funke auf die ersten Planungen eingehen und sich gemeinsam mit den Räten über die auf dem großen Tisch ausgelegten großen bunten Karten beugen kann, erinnert Ortsbürgermeisterin Karla Michalski an die Entstehung des ersten FNP vor mehr als 20 Jahren.

Ganz davon abgesehen, dass eine solche strukturelle Vorplanung von Gewerbeflächen, Wohnbauarealen, Mischgebieten, Sondernutzungsflächen und Grünbereichen absolutes Neuland nach der Wende war, war auch die materielle Basis für die Erstellung bescheiden. Karla Michalski weiß noch ganz genau, dass jener 27. Januar im Jahre 1992 ein kalter Tag war.

Mit der Schreibmaschine ins Regierungspräsidium

Gemeinsam mit Günter Schulze hatte sie sich auf den Weg ins Magdeburger Regierungspräsidium gemacht. Mitgeführt wurde eine Breitwagenschreibmaschine. Die hatte man in Magdeburg nicht, obwohl sie zum Schreiben des Planes unbedingt notwendig war. Das erfolgte dann dort auch und die Gerwischer Abordnung konnte sich, den Plan sorgsam verpackt, mit der Schreibmaschine einige Stunden später wieder auf den Heimweg begeben.

Nils Funke nimmt die Historie auf und sagt, dass heute andere Anforderungen an einen FNP gestellt würden. Vor allem was die Wohnbauflächen angeht, müsse eine Bedarfsprognose vorangestellt werden. Diese hatte der Regionalplaner bereits vor einem Jahr für alle Ortschaften der Gemeinde Biederitz erstellt. Demnach wird es in Gerwisch im Jahre 2025 noch rund 2382 Einwohner geben. Ende Februar waren es 2597. Obwohl die Anzahl der Einwohner sinkt, wird es auch in Gerwisch einen etwas ansteigenden Bedarf an Wohnraum geben, weil die Anzahl der Haushalte wachsen wird. Kinder bilden ihren eigenen Hausstand, die Eltern bleiben im alten Haus wohnen.

In Bebauungsplänen sind 50 Bauplätze vorhanden

Aus dieser anzunehmenden Entwicklung macht Funke einen Bedarf an 59 Wohnungen bis zum Jahre 2025 aus. Da der Bedarf vornehmlich auf Einfamilienhäuser gerichtet ist, müsste Gerwisch in etwa 60 Bauplätze zur Verfügung haben oder stellen. Das sei eine machbare Zahl, konstatierte der Regionalplaner. Im Bereich Seedorf seien 36 Baugrundstücke möglich. Insgesamt sind in existierenden Bebauungsplänen knapp 50 Baugrundstücke ausgewiesen. Hinzu kommen könnten 26 Bauplätze als Verdichtung im innerörtlichen Bereich.

Nach außen wird sich Gerwisch nicht viel weiter ausdehnen können, weil große Flächen als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen sind.

Für jetzt noch vorhandene Gewerbeflächen (z.B. Metall- aufbereitung) rät der Planer bei möglicher Aufgabe dieses Gewerbes, das Areal als Sonderbaufläche für Fotovoltaik vorzusehen. Die zu vermutende Belastung des Bodens würde ein Ausweisung als Wohnbaufläche verbieten.