Mit Handpuppentheaterstücken versucht die Polizei, in Sachsen-Anhalts Grundschulen den Kindern schon früh das richtige Verhalten im Straßenverkehr zu vermitteln. Jetzt waren die Polizisten mit ihren unterhaltsamen Puppenspielertricks in der Grundschule im Schloss Möckern.

Möckern l Alles fängt ganz klassisch an: Am Anfang steht die Frage "Seid Ihr alle da?" und zurück kommt ein schallend lautes "Jaaaah!" Doch dann kommt nicht irgendein Kasperletheater, sondern immens wichtige Verkehrserziehung für Grundschüler. Mit kindgerechten Mitteln versucht die Polizei des Landes Sachsen-Anhalt, den Kindern die wichtigsten Regeln zum Verhalten im Straßenverkehr zu vermitteln. Dazu gibt es verschiedene Programme, ein weiteres dient der Kriminalprävention.

Eigens dazu wurde vor zwei Jahrzehnten das Puppentheater der Landespolizei gegründet. Das einzige polizeiliche Theater im Bundesland ist der Polizeidirektion Süd in Halle zugeordnet. 500 Grundschulen zwischen Arendsee und Zerbst werden von den Polizisten regelmäßig besucht. Zum Vergleich: Sachsen hat zehn solcher Puppentheater.

Erst links, dann rechts und dann noch mal links gucken

Aus vier Mitgliedern besteht das Ensemble. Kerstin Wilhelm ist dabei die einzige ausgebildete Puppenspielerin im Ensemble. Sie hat sich bei der Polizei auf die Stelle im Jahr 1999 beworben. Ihre drei Mitstreiter - Vincent Woska, Susanne Ledig und Maik Lehmann wählten zuerst die Polizeidienst-Laufbahn, bevor sie sich auf die handpuppengesteuerte Präventionsarbeit spezialisierten. Die Theaterstücke denken sich die vier Puppenspieler nicht selber aus, dazu gibt es eigens eine Dramaturgin. Im Repertoire des Ensembles ist noch ein Stück über ein Ampelmännchen und eines mit deutlichem Bezug zur Winterzeit.

In Möckern wird an diesem Vormittag das Stück von Fizzipuzzli, dem Verkehrsteufel aufgeführt. Der junge Vertreter aus der Unterwelt soll beweisen, wie böse er ist. Zunächst scheint ihm dies auch zu gelingen, nachdem er ein Menschenkind dazu bringt, auf die Straße zu laufen, ohne vorher nach rechts oder links zu schauen. Doch am Ende des Stückes hat der kleine Teufel selbst eine Menge dazu gelernt: Erst links, dann rechts und noch einmal links schauen ist angesagt. Die Kinder in der Möckeraner Schloss-Aula sind mit Eifer dabei, fiebern mit und beteiligen sich lauthals. Das Angebot richtet sich in Möckern an die Klassenstufen 1 bis 3.

Die Hallenser Polizisten und ihre handgefertigten Handpuppen sind nicht zum ersten Mal in der Schule im Schloss Möckern. Einige Kinder können sich auch noch ganz genau daran erinnern, worum es beim letzten Mal ging: "Pauls Geburtstag" hieß das Stück.

Regionalbereichsbeamte haben vermittelt

Dass der Einsatzwagen dieses ganz besonderen Einsatzkommandos vor der Möckeraner Grundschule vorgefahren ist, ist den beiden Möckeraner Regionalbereichsbeamten Karin Stoyke und Thomas Häntsch zu verdanken. Sie meldeten für die Grundschule Möckern Bedarf an. Sie hoffen, das Puppentheater in Zukunft auch an die anderen Grundschulen in der Einheitsgemeinde bringen zu können.

"Bedarf ist überall", wissen die vier puppenspielenden Polizisten natürlich. Jeder Schulweg führt irgendwo an Hauptverkehrsadern entlang. Das ist auch in Möckern so. Nur wenige Meter vor dem Schulgebäude führt die Bundesstraße vorbei. Mit Hilfe eines Energieversorgungsbetriebes ist direkt am Übergang zur Grundschule ein Geschwindigkeitsmessgerät aufgestellt worden. Doch das Gerät geht nicht darauf ein, dass an dieser Stelle nur an wenigen Stunden im Vormittag Tempo 30 gilt - und unverständlicherweise nicht auch in den Stunden, wenn die Kinder nach der Schule wieder den Heimweg antreten. Das Gerät vermittelt dem Autofahrer auch nicht, wie üblich, mit grinsendem oder grummelndem Symbol, ob die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit denn nun zu hoch ist oder im Bereich des Erlaubten liegt.

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