Umgestürzte Bäume, Dachsteine auf der Fahrbahn, Straßensperrungen, Stromausfälle und hunderte Feuerwehreinsätze: Sturmtief Niklas bescherte den Blaulicht-Besatzungen im Landkreis stundenlange Dauereinsätze.

Burg/Genthin/Möckern l 150 Unwetter-Einsätze absolvierten die Feuerwehren des Jerichower Landes in den vergangenen Unwetter-Stunden. Kreisbrandmeister Walter Metscher: "Glücklicherweise sind keine Personen zu Schaden gekommen." Laut seinen Aufzeichnungen wütete der Sturm am heftigsten entlang einer Achse von Gommern über Genthin in Richtung Jerichow: "Allerdings hatten auch die Wehren in Gerwisch, Biederitz und Möser ordentlich zu tun."

Bereits am Montag löste der Sturm einen Flächenbrand am Waldrand zwischen Reesen und Burg aus. Ursache war Metscher zufolge ein Funkenflug, den aneinanderschlagende Freileitungen ausgelöst hatten. Dort in der Nähe sorgten herumfliegende Spargelplanen für Aufregung: "Wir haben die Spargelfirma verständigt, die sich dann um die Sicherung der Planen gekümmert hat", sagte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Der Sturm beeinträchtigte auch den Verkehr in Heyrothsberge: Eine Böe war so stark, dass gestern die Ampelanlage verdreht wurde.

Für Ausfälle im Bahnverkehr sorgte ein Baum auf der Oberleitung in der Nähe von Bergzow.

Hauptthema der Feuerwehren im Einsatz waren entwurzten Bäume und abgeknickte Äste auf den Fahrbahnen. Walter Metscher: "Das waren etliche Motorkettensägen im Dauereinsatz." Dies erschwerte den Biederitzer Feuerwehrleuten die Arbeit enorm: Erst kürzlich haben Diebe dort die Kettensägen mitgehen lassen.

Genthins Stadtwehrleiter Achim Schmechtig vergleicht die Nacht zu Mittwoch mit dem legendären Orkan "Kyrill" aus dem Jahr 2007. Er zählte gut 20 Einsätze in seinem Bereich für mehr als 30 Angehörige der Wehren in Genthin, Altenplathow, Parchen und Schopsdorf. Brisant wurde es gegen Abend, als der Sturm 80 Quadratmeter Dachfläche eines SWG-Wohnblocks an der Kepplerstraße verwirbelte. Schmechtig: "Wir haben das Gelände abgesperrt und die Anwohner informiert." Die Sperrung soll bis Donnerstag Mittag bestehen bleiben.

Zu den Einsätzen mit Kettensägen gehört ein Fall aus der Karower Straße in Genthin. Hier drohte ein Baum auf ein Einfamilienhaus zu stürzen: "Insgesamt mussten wir auf dem Grundstück vier Bäume fällen und beseitigen", sagte Schmechtig zur Volksstimme.

Als schwierigsten Einsatz bezeichnete Burgs Wehrleiter Wolfram Stukenberg die Gefahr an dem Dach eines Hauses an der Blumenthaler Straße: "Erste Maßnahme war das Absperren des Geländes." Zu den 22 Einsätzen seiner Wehr gehörte das Beseitigen eines Baumes an der Wasserstraße: "Der Stamm hat einen Durchmesser von einem Meter."

Für Kreisbrandmeister Metscher geht dieser 1. April 2015 als einer der aktivsten Einsatztage in die Statistik dieses Jahrzehnts ein: "Wir haben wiederum eine großartige Einsatzbereitschaft erlebt. Einige Kameraden waren im mehrstündigen Dauereinsatz." Allerdings musste Metscher gestern auch Kritik einstecken. Er sagte: "Es gab Beschwerden, weil einige Leute meinen, dass die Feuerwehr nicht schnell genug vor Ort war." Denen entgegnete Metscher: "Auch Feuerwehrleute können mit ihrer Technik nicht an mehreren Orten gleichzeitig im Einsatz sein."

 

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