Am 12. Juni 1865 wurde in Gommern der Männer-Turn-Verein ins Leben gerufen. Die Abteilung Turnen gibt es im SV Eintracht Gommern heute noch. Dieses Jahr wird das 150-jährige Bestehen des Sportvereins groß gefeiert. Zum Gründungstag findet ein Sportlerball in der Festscheune statt. Bis dahin stellt die Volksstimme in loser Reihenfolge den Sportverein, seine Geschichte und Abteilungen vor.

Gommern l Von den schwierigen Anfangsbedingungen haben sich die Frauen in Gommern, die regelmäßig Sport treiben wollten, nie abschrecken lassen. 1962 sind es ein paar Frauen gewesen, die sich unter der Leitung von Edith Jeuthe, tatkräftig unterstützt von Brigitte Bauerschäfer, zu regelmäßigen Gymnastikstunden trafen. Innerhalb eines Jahres wuchs die Gruppe, die sich in ihrer Anfangszeit "Gymnastikgruppe Hausfrauen" nannte, auf 18 Mitglieder an. 1965, Brigitte Bauerschäfer leitete die Gruppe inzwischen, schlossen sich die Frauen der BSG Aktivist Gommern an.

Der Zuspruch war groß, aber die Herausforderungen nicht weniger. Es mussten Übungsleiterinnen gewonnen und Trainingsstätten gefunden werden. Sogar im Keller des Kindergartens breiteten die Frauen ihre Matten an Übungsabenden aus.

"Vor allem Brigitte Bauerschäfer und ihren Mitstreitern wie Irmgard Bosse und Ilse Schmidt, beide ehemalige Turnerinnen in unserem Verein, sowie Liesl Lingsch, Gerda Krieger, Brita Hallmann, Ingeborg Tornau und Käthe Schloßmacher ist es zu verdanken, dass die Übungsabende regelmäßig, wenn auch unter erschwerten Bedingungen durchgeführt werden konnten", blickte SV Eintracht Gommern-Geschäftsführer Gerald Wildner zurück.

Die Übungsleiterinnen versuchten alles unter einen Hut zu bekommen: Das große Altersspektrum der an Gymnastik interessierten Frauen und die Nachfrage nach den neuesten Trends.

Angebote wie Yoganastik, Aerobic und Mutter-Kind-Turnen wurden in das Programm aufgenommen.

Ab 1975 war Gymnastik eine selbstständige Sektion innerhalb der BSG Aktivist. Der Zuspruch wuchs weiter. 1986 waren in der Sektion Gymnastik bereits 137 Sportlerinnen organisiert.

Die erste große Erleichterung für die Gymnastikfrauen brachte 1974 die Eröffnung der neuen Sporthalle im Sportforum. Der Montagabend war fortan fest für sie vorgesehen.

"Dass der Bezirksfachverband Turnen 1986 das `Fest des Turnens und der Gymnastik` nach Gommern vergab, war auch ein Dankeschön für die fleißige Arbeit in den zurückliegenden 25 Jahren anzusehen", blickte Gerald Wildner zurück.

Trotz neuer Sporthalle reichten die Trainigskapazitäten schon Mitte der 1980er Jahre nicht mehr aus. Yoganastik wurde mit 74 Teilnehmerinnen in der Bäderabteilung des Landambulatoriums angeboten, im Rentnertreff machten bei den Übungen regelmäßig 19 Frauen mit. Zudem trafen sich in der Halle am Bahnhof 22 Sportfreundinnen zur Gymnastik. Für Rentnerinnen gab es zusätzlich altersgerechte Gymnastik.

Bei all den Anforderungen an die Übungsleiterinnen kam in den Gruppen aber nie die Geselligkeit zu kurz. Die Frauen brachen zu gemeinsamen Radwanderungen und Schwimmveranstaltungen auf oder veranstalteten Faschingsfeiern, Grill- oder Tanzabende.

Aus der Abteilung Gymnastik löste sich zum 1. Januar 2001 die Abteilung Aerobic heraus. "Das war folgerichtig", sagte Gerald Wildner rückblickend. Aufgrund des großen Altersunterschieds der Mitglieder seien die Jüngeren unterfordert und die Älteren überfordert gewesen.

Die neue Abteilung Aerobic zählte anfangs 61 Frauen, inzwischen sind es über 90. Dorothea Schippan übernahm von Beginn an die Leitung. Die Verantwortung bei den Gymnastikfrauen hatte damals Gudrun Jankiewicz inne. Heute leitet Gisela Müller die Abteilung mit 110 Mitgliedern.

Sie kann sich dabei auf ihre gut ausgebildeten Übungsleiterinnen Irmgard Bosse, Ingrid Hennig, Sylvia Tetzlaff, Hannelore Probst, Roswitha Wustrau, Ursula Domanski und Brita Hallmann verlassen. Die Gymnastikfrauen betreiben ihren Sport als Freizeitaktivität ohne Wettkampfbetrieb.

Außerhalb des Übungsbetriebes treffen sich die Mitglieder zu Radtouren, Jubiläen und Weihnachtsfeiern und sind beispielsweise als Helfer beim Gommeraner Seenlauf eine wichtige Stütze.

Zwar ebenfalls ohne Wettkampfbetrieb, aber dennoch mit viel Ausdauer gehen die Aerobic-Frauen ihrem Sport nach. "Bei unserem Training geht es um ein ausgewogenes, gesundheitsorientiertes Herz-Kreislauf-Training, die Verbesserung der allgemeinen Beweglichkeit sowie die Förderung von Kraft und Kraft-Ausdauer der wichtigsten Muskelgruppen", erklärte Abteilungsleiterin Dorothea Schippan. "Unser Motto lautet `Fit und gesund - gesund und fit`."

Zu den Trainingsinhalten wie Dance, Dance-Aerobic, Stepp-Aerobic und Bodyworkout (Ganzkörpertraining mit unterschiedlichen Geräten wie Kurzhanteln, Theraband oder Pezziball) ist neu Drums Alive dazugekommen. "Bälle, Beats und Bewegung - diese drei Elemente ergeben zusammen eine neue wilde Trendsportart, die viel Spaß und gute Laune erzeugt", setzte Dorothea Schippan hinzu. Für ihre Trainingsstunden hat der Deutsche Sportbund das Qualitätssiegel "Sport pro Gesundheit" verliehen. "Wir freuen uns jederzeit auf neue sportbegeisterte Mitglieder", betonte die Abteilungsleiterin. Bei Schnupperstunden zum Kennenlernen und Eingewöhnen können die Frauen herausfinden, ob und welche Aerobic das richtige für sie ist, bevor sie Mitglied der Abteilung werden. Einsteigerkurse helfen ihnen, mit ihren Leistungen aufzuschließen.

Wer Lust auf Aerobic bekommen hat, schaut montags zwischen 20 und 21.30 Uhr in der alten Sporthalle am Sportforum (Nordhäuser Straße) einfach mal vorbei.

Mit der jährlichen Tagesfahrt, Rad- und Walkingtouren und Kegelabenden beweisen die Aerobic-Frauen, dass sie unternehmungslustig und mit ihrer Begeisterung zu tanzen, eine Freude für jeden DJ sind.

Auch in der Abteilung Gymnastik, die das persönliche Wohlbefinden und die Gesundheit jedes Mitglieds in den Vordergrund stellt, sind neue Sportfreunde stets willkommen.

   

Bilder