Sie kommen aus Afghanistan, Syrien, Bosnien-Herzegowina, Indien, Ägypten, Tschetschenien und Vietnam. 15 Flüchtlingskinder besuchen derzeit die "Pestalozzi"-Grundschule in Burg.

Burg l Allein diese Woche sind zwei neue vietnamesische Schüler dazugekommen. Im kommenden Schuljahr sollen es vier sein. Das stellt die Grundschule, die sich im Einzugsgebiet der Flüchtlingsunterkunft befindet, vor neue Aufgaben bezüglich der Integration. "Wenn die Kinder zu uns kommen, haben sie meist keinerlei Deutschkenntnisse. Deswegen ist eine altersgerechte Einschulung oft nicht möglich. Dazu kommt, dass einige Kinder mitten im Schuljahr zu uns kommen", erzählt Schulleiterin Simone Henes. Aus diesem Grund werden sie vorerst zurückgestuft, bis sie die Sprache weitestgehend beherrschen. Um dieses Ziel möglichst schnell zu erreichen, sieht der Landkreis Jerichower Land entsprechende Förderstunden vor. Die Anzahl der Stunden wird dabei in Abhängigkeit von der Zahl ausländischer Schüler bestimmt. So sind für fünf Schüler beispielsweise zwei Deutschstunden pro Woche vorgesehen. "Das ist sehr wenig", bemängelt Henes. Doch diese zwei Stunden können an der "Pestalozzi"-Schule in diesem Schuljahr ohnehin nicht geleistet werden. Grund sei ein Lehrermangel durch Krankheitsfälle, sagt Henes. "Für solche Fälle wünsche ich mir, dass Sachsen-Anhalt einen Lehrerpool anlegt, der wie eine Feuerwehr funktioniert und Lehrkräfte bei Ausfall zur Verfügung stellt, die sich dann um die Förderung kümmern."

Da dies bislang nicht der Fall ist, müssen die Kinder auf die Förderstunden verzichten und nehmen ganz regulär am Unterricht teil. "So können sie sich immerhin vieles von ihren Mitschülern abschauen", so Henes. Denn die Gemeinschaft in der Klasse spiele eine große Rolle bei der Integration. "Wichtig ist, dass die Kinder unsere Sprache jeden Tag hören und sprechen. Wir arbeiten dabei stark nach dem Prinzip: Vom Bild zum Wort." Spezielle Lautbilder hängen dafür an den Wänden und helfen bei der richtigen Aussprache. Doch auch einige Eltern der Flüchtlingskinder, die die deutsche Sprache beherrschen, engagieren sich und agieren in der Schule als Dolmetscher.

Größere Probleme bei der Integration gebe es deswegen bislang nicht. "Die Kinder kommen sehr regelmäßig und pflichtbewusst zur Schule und werden von ihren Mitschülern akzeptiert und unterstützt. Ich sehe das als Bereicherung für unsere Schule", fasst Henes zusammen. Lediglich bei der Schulgrundausstattung gebe es Mängel. "Die Eltern erhalten im Schuljahr nur 70 Euro pro Kind für Schulmaterialien. Mindestens 100 Euro wären angemessen, um alle Schüler auf denselben Stand zu bringen", fordert die Schulleiterin.

Am 1. Juni 2015 wird der Landkreis voraussichtlich eine Evaluation der bisherigen "Maßnahmen zur besonderen sprachlichen Förderung zum Erlernen der deutschen Sprache" vornehmen. Dann wird sich zeigen, wo weiterer Handlungsbedarf besteht.