Angefangen hat alles mit einem Hundefell aus dem Theaterfundus in Magdeburg - und einem einzigen Kindergarten. Zehn Jahre später verteilt Thomas Jaeger im maßgeschneiderten Osterhasen-Kostüm seine Schokohasen an mehr als 1700 Kinder.

Burg l Streicheleinheiten - davon gab es am Mittwochmorgen jede Menge für Thomas Jaeger. "Weil er so kuschlig ist", urteilen die Kinder der Schartauer Kita Elbspatzen. Mehr als 50 Hände fahren dem zwei Meter großen Osterhasen dabei über das braune Fell. Selbst der kleine Anton, der sich erst hinter seiner Erzieherin Ilona Zinnicke versteckt, verliert schnell seine Scheu. Und nimmt seinen Schokohasen persönlich aus der großen Kiepe entgegen.

Antons Schokohase ist einer von 1700, die Thomas Jaeger in diesem Jahr rund um das Osterfest an die Kinder der Region verteilt. 14 Kindergärten, ein Seniorenheim und das große Osterfest in Blumenthal stehen auf seiner "Osterhasentour 2015". Angefangen hat diese Tradition mit 20 Schoko-Überraschungen und einer Kindertagesstätte. Es war vor genau zehn Jahren, als die Mitglieder des Burger Motorradclubs Free Biker sich überlegt haben, die Kinder zu überraschen. Darunter Thomas Jaeger - der sich sofort für die Rolle als Osterhase bereit erklärte. "Weihnachtsmänner gibt es ja schon so viele", begründet der 47-Jährige seine Hasen-Entscheidung.

"Weihnachtsmänner gibt es ja schon viele."

Als Mitglied der Freien Wählergemeinschaft Burg sammelte er 2005 im Kreis seiner politischen Kollegen sowie der Motorradclub-Mitglieder Spenden für die Oster-Süßigkeiten. Und die Kinder der Burger Kindertagesstätte Lummerland freuten sich über den hohen Besuch. Damals noch im Hundefell-Kostüm aus dem Magdeburger Theaterfundus - und Hasenohren. Das Gesicht von Thomas Jaeger, der im richtigen Leben Polizeibeamter ist, war noch gut zu erkennen. Das ist heute nicht mehr der Fall.

Nachdem im zweiten Jahr ein Kostüm aus dem Leipziger Theater geliehen werden musste, trägt Jaeger seit 2008 ein maßgeschneidertes Hasenfell mit Riesen-Kopf - extra aus Holland angeliefert. Und das fast zu spät. Nur wenige Tage vor dem Osterfest flatterte das Kostüm bei Jaegers - nach einem Jahr Wartezeit - ein. "Ich wusste gleich nach dem ersten Mal, dass ich das jetzt jedes Jahr machen will", sagt Jaeger.

Jedes Jahr nimmt der Polizist extra Urlaub für seine sorgfältig geplante "Osterhasentour". Immer an seiner Seite: Sylvia Jaeger. "Es ist super, die Ehefrau vom Osterhasen zu sein - außer, dass man vor lauter Schokohasen im Schlafzimmer gerade nicht treten kann." Tausende Schoko-Überraschungen müssen frühzeitig bestellt und Sponsoren gesucht werden. Dazu gehören seit einigen Jahren Peter Pollozek, Markus Kurze, die Burger Hunde- und Naturfreunde sowie die Volksbank Jerichower Land.

"Das ist einmalig, wie die Kinder sich freuen."

Und nimmt das Kostüm von den zahlreichen Streicheleinheiten mal wieder Schaden, unterstützen die Mitarbeiter im Magdeburger Theaterfundus. Dort müssen regelmäßig Löcher im Fell geflickt, dicke Hasenwangen wieder aufgefüllt und lange Ohren gestützt werden.

Doch wofür der ganze Aufwand? "Das Gefühl kann man nicht beschreiben, das muss man erlebt haben, wie die Kinder sich freuen, wenn sie die Ohren abpellen und die Schokolade entdecken."

Thomas Jaeger hat sofort so manch ergreifenden Moment vor Augen. "Einmal hat ein Junge geweint, weil er keine Schokolade mit nach Hause bringen darf und sich so gefreut, als ich ihm erklärt habe, dass er sie gleich naschen kann." Tränen habe es auch beim letzten Besuch im Seniorenheim gegeben. "Da hat ein Heimbewohner vor Rührung geheult wie ein Schlosshund", erinnert sich Jaeger. Und ist froh, dass in diesem Moment niemand die Tränen in seinen Augen unter dem Hasenkopf sehen konnte.

Wer den Osterhasen live erleben möchte, hat dazu morgen beim Osterfest auf dem Gelände des Nabu in Blumenthal die Chance.

 

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