Über 200 Soldaten aus dem Burger Logistikbataillon 171 "Sachsen-Anhalt" werden in den nächsten Wochen und Monaten wieder ins Ausland gehen. Redakteur Tobias Dachenhausen sprach mit Kommandeur Karl-Wilhelm Wenz (42) über die dortigen Aufgaben sowie Risiken und zieht nach einem Jahr in Burg kurz Bilanz.

Volksstimme: Herr Wenz, Sie werden im Juni einer von 120 Soldaten sein, die nach Mazar-e-Sharif (Afghanistan) gehen werden. Ist bei ihrem dritten Auslandseinsatz Angst dabei?

Karl-Wilhelm Wenz: Ich werde nicht in eine Art Angststarre verfallen, aber man hat Respekt vor der Sache. Bei mir geht das nach Kosovo und Kabul schon in Richtung Routine. Ich gehe mit der Situation abgeklärter um, als junge Soldaten, die ihren ersten Auslandseinsatz absolvieren.

Waren Sie im Ausland jemals einer Gefahrensituation ausgesetzt?

In Kabul gibt es immer eine latente Bedrohung. Menschenleere Straßen oder sonstige Anzeichen für komisches Verhalten gibt es dort nicht. Jedes Fahrzeug könnte eine Sprengfalle sein. Als ich dort war, wurde ein amerikanischer Bus in die Luft gesprengt.

Welche Aufgaben kommen auf das Logistikbataillon jetzt in Mazar-e-Sharif zu?

Wir stellen dort den Stab Unterstützungsverband. Wir sorgen unter anderem für die Verpflegung der Soldaten und für die Betriebsstoffe der Fahrzeuge. Zum anderen schützen wir die Ausbilder der Afghanen, wenn sie das Lager verlassen oder unterstützen vor Ort, wenn diesen tatsächlich etwas passiert.

Wie reagiert die Familie, wenn Sie ins Ausland gehen?

Es ist immer eine Herausforderung. Einmal musste ich gehen, als meine Frau schwanger war, zur Geburt des Kindes war ich allerdings zurück. Sie wird sich aber auch jetzt wieder Sorgen machen.

Doch chronologisch: Am 17. April werden zunächst 80 Soldaten verabschiedet, die in den Kosovo und 15, die in die Türkei gehen. Welche Situationen werden diese dort vorfinden?

Die Sicherheitslage im Kosovo ist stabil. Zwischenfälle gibt es höchstens im nördlichen Bereich. Der Großteil der Soldaten wird in den ruhigeren Bereich verlegen, dennoch ist es dort natürlich nicht völlig ungefährlich. Die logistischen Kräfte können bei möglichen Demonstrationen eingesetzt werden. Bei Versorgungsfahrten kann es passieren, dass Lkw blockiert werden, da müssen sie sich dann durchsetzen. Für die Soldaten ist es wichtig, die Eskalationsstufen zu beherrschen, aber dafür wurden sie speziell zwei Wochen geschult.

Und in der Türkei?

Hier haben wir eine völlig andere Situation. Die Türkei ist ein Nato-Land. Wir fahren dort auf Einladung des Landes hin, um die Raketenabwehr zu verbessern. Die Türken haben eigene Sicherheitskräfte, die dort auch funktionieren. Wenn eine Straße blockiert wird, kümmern sich die dortigen Polizisten drum. Hier geht es vor allem um die interkulturelle Kompetenz.

Wann kehren die Soldaten zurück?

Grundsätzlich werden die Soldaten in allen Einsatzgebieten vier Monate bleiben. Anders als bei der Verabschiedung, die für die Soldaten, die nach Afghanistan gehen am 13. Juni sein wird, gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen gemeinsamen Rückkehrerappell am 30. November für alle.

Seit einem Jahr sind Sie jetzt Kommandeur des Logistikbataillons 171. Beim Amtsantritt haben Sie gesagt, sie wollen Menschen und Region besser kennenlernen. Ist das geglückt?

Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen. Die Soldaten und die Behörden haben es mir sehr leicht gemacht. Da ich Wochenendpendler bin, lerne ich die Stadt immer dann etwas besser kennen, wenn wir offizielle Besuche haben. Sonst bleibt dafür leider nur sehr wenig Zeit. Dennoch habe ich beim Tag der offenen Tür gesehen, wie das Bataillon in der Region eingebunden ist und die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Partnergemeinden läuft einwandfrei.

Welche Herausforderungen muss man sich am Standort Burg in Zukunft stellen?

Mit dem Logistikbataillon haben wir ein sehr einsatzerfahrenes Bataillon. Wir müssen vor allem aufpassen, dass diese Belastung nicht zu hoch wird. Das betrifft allerdings alle und nicht nur den Standort Burg. Wir haben hier eine gute Infrastruktur und das Umfeld passt. Die Herausforderungen werden sicher nicht weniger, kleinere Einsatzgebiete wie Mali und Irak könnten hinzukommen, aber das werden wir auch meistern.

Wird 2016 wieder ein Einsatzjahr?

Nächstes Jahr sieht es so aus, als würden wir wieder die normalen Ausbildungsabläufe absolvieren können. Dann wartet eine große Bataillonsübung Ende des Jahres. Ob dann doch andere Aufträge auf uns zukommen, kann ich noch nicht sagen.

Mit welchem Ziel gehen Sie in die nächsten Monate?

Es ist schön die Entwicklung der Soldaten zu sehen, aber es gibt auch immer Verbesserungspotenzial. Es ist zwar ein langfristiger Prozess, aber ich will mit meinem Bataillon an der Spitze der Nato stehen und nicht hinterherschwimmen. Wir liegen sicher im oberen Drittel, aber wir arbeiten weiter. Denn: Wer nicht mehr versucht besser zu werden, hört auf gut zu sein.

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