Für eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe durch bessere Bezahlung demonstrierten gestern auch Mitarbeiter von Burger Kitas und Horten in Magdeburg. Trotz des Warnstreiks blieben aber alle Burger Einrichtungen geöffnet.

Von Steffen Reichel

Burg l Gestern hatten die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) neben Beschäftigten aus den drei kommunalen Kitas der Stadt Magdeburg und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhäuser sowie des allgemeinen Sozialen Dienstes der Landeshauptstadt auch die Erzieherinnen der elf kommunalen Kitas der Stadt Burg zum Warnstreik aufgerufen, verbunden mit einem Protestzug durch die Magdeburger Innenstadt. "Wir hatten 120 Teilnehmer, davon 20 aus Burg", berichtete anschließend Annett Kannenberg-Bode, ver.di-Bezirksgeschäftsführerin.

"Käte Duncker" mit acht Kolleginnen dabei

Aus Burg waren vor allem Erzieherinnen aus der Kita "Käte Duncker" dabei. "Von unseren Kolleginnen sind acht dem Aufruf der Gewerkschaft zum Warnstreik gefolgt und nach Magdeburg gefahren", so Kita-Leiterin Manuela Kiwatt. Aus den anderen Kitas haben sich im Höchstfall zwei Erzieherinnen am Warnstreik beteiligt, so aus den Einrichtungen "Regenbogen", "Spatzenwinkel" und Schartau. Auch der Albert-Einstein-Hort war in Magdeburg vertreten. Es gab aber auch Kitas, aus denen keine Mitarbeiterin in Magdeburg dabei war.

Anders als bei früheren Warnstreiks waren sich die Mitarbeiter der Burger kommunalen Kitas im Vorfeld darüber einig gewesen, dass die Einrichtungen am Streiktag geöffnet bleiben sollen. Deshalb hatte man so zeitig wie möglich mit den Eltern Kontakt aufgenommen. Gewerkschaftsmitglied Manuela Kiwatt: "Wir haben den Eltern erklärt, dass ein Warnstreik geplant ist und warum. Das Anliegen traf bei den meisten Eltern auf Verständnis, was wir auch daran gemerkt haben, dass am Streiktag etwa die Hälfte der ,Käte-Duncker`-Kinder zu Hause betreut wurde. So war es möglich, dass acht Kolleginnen nach Magdeburg fahren und die etwa 100 Kinder, die am Donnerstag in der Einrichtung waren, ganz normal betreut werden konnten."

Dass nur 20 der 120 Mitarbeiter der Burger kommunalen Kitas und Horte an dem Warnstreik teilgenommen haben, könnte daran liegen, dass sich viele Erzieherinnen in einer Zwickmühle sehen. Sie schätzen es, dass sich die Stadt Burg bisher zu ihren kommunalen Einrichtungen bekennt und mit anderen Kita-Trägern nur sehr begrenzt zusammenarbeitet. Denn eine höhere Eingruppierung der Erzieherinnen, wie es die Gewerkschaft fordert, würde der Stadt Burg, deren finanziellen Spielräume ohnehin sehr begrenzt sind, nicht unerhebliche Mehrkosten verursachen und die Diskussion im Stadtrat über eine Ausgliederung der Kitas erneut anheizen.

Anforderungen im Beruf steigen ständig

Andererseits, so hat die Volksstimme im Gespräch mit Burger Erzieherinnen erfahren, stehen sie komplett hinter den Forderungen von ver.di und GEW, verlangen, dass ihr Beruf mehr Anerkennung findet, auch finanziell.

Die Anforderungen an die Beschäftigten in den Sozial- und Erziehungsberufen würden ständig steigen. Die Gewerkschaften verlangen darum eine höhere Eingruppierung der Erzieher von derzeit Stufe 6 (seit 1991 gültig) auf Stufe 10, was einer Gehaltssteigerung von etwa zehn Prozent entsprechen würde. Die Erzieherinnen sollen einkommensmäßig Technikern oder Meistern im öffentlichen Dienst gleichgestellt werden.

Den Warnstreik gestern in Magdeburg und Burg hatten für ver.di die Bezirksgeschäftsführerin Annett Kannenberg-Bode und die Gewerkschaftssekretärin Karin Flügel organisiert. "Wir hatten mit 100 Streikenden gerechnet und sind mit der Teilnahme zufrieden", so Kannenberg-Bode. Sie hofft nun auf ein Entgegenkommen der Arbeitgeber beim nächsten Verhandlungstermin, ansonsten sollen den Streikaktionen, die es auch schon in Halle, Dessau und Wenigerode gegeben hat, fortgesetzt werden.