Burg/Biederitz l Kita-Gebühren müssen bezahlbar bleiben! So lautet der Titel einer bundesweiten Internet-Petition (www.openpetition.de). Für Sachsen-Anhalt gibt es mehr als 3000 Unterzeichner. Ihr Argument: Eltern haben Angst die Gebühren nicht mehr bezahlen zu können. Oder: Was nützen uns mehr und gut ausgebildete Erzieherinnen und hochmoderne Einrichtungen, wenn bald keine Kinder mehr in diesen Einrichtungen zu finden sind.

Tatsächlich müssen Eltern für einen Kindergartenplatz in den Einrichtungen der Stadt Genthin mit 171 Euro für eine Achtstunden-Betreuung fast das gesamte Kindergeld (184 Euro) auf den Tisch blättern. Nirgendwo im Jerichower Land ist ein Kindergartenplatz so teuer wie in Genthin. In der Stadt gibt es nur noch private Träger wie DRK oder Johanniter. In den Ortsteilen Parchen, Mützel oder Tucheim werden die Einrichtungen kommunal verwaltet. Den preiswertesten Kindergartenplatz bekommen Eltern für ihr Kind in Jerichow. Hier bezahlt Papi monatlich nur 120 Euro - also jährlich 612 Euro weniger als in Genthin. Dabei liegen zwischen den Kindergärten in Roßdorf oder Kade (beide Stadt Jerichow) und Genthin keine zehn Kilometer.

Die Gebühren legen allerdings nicht mehr die Träger der Einrichtungen fest, sondern sind Beschlüsse der Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte.

Wie unterschiedlich die Preise in den Gemeinden sind, soll ein anderes Beispiel verdeutlichen. Familie Müller aus Biederitz hat drei Kinder, Paul geht nachmittags in den Hort, Paula in den Kindergarten und Paulinchen in die Krippe. Für alle drei Kinder zahlt Familie Müller monatlich 311 Euro. Familie Meier aus Genthin mit drei Kindern im selben Alter zahlt für die gleichen Betreuungszeiten monatlich 363, also 52 Euro mehr. Das macht im Jahr 624 Euro (die Geschwisterkind-Regelung ist in dieser Beispielrechnung nicht berücksichtigt). "In unsere Kita-Kalkulation flossen unter anderem Kosten für Personal und Energie ein. Eine Rolle spielt beispielsweise auch das Alter der Erzieherinnen", erklärt Biederitz` Gemeindebürgermeister Kay Gericke. Er sagte auch: "Die Gebühren sozial zu gestalten hatte ein deutliche Mehrheit im Gemeinderat." In den Orten der Gemeinde gibt es eine Träger-Mischung, einige Häuser verwaltet die Kommune, private Betreiber sind die Volkssolidarität sowie das Europäische Bildungswerk.

Seit 2012 profitieren die Eltern im Jerichower Land von einer sogenannten Geschwisterkind-Regelung. Nach dem neuen Gesetz werden alle Kinder einer Familie ermäßigt, wenn sie gleichzeitig in einer Kindertageseinrichtung betreut werden. Diese Ermäßigung entfällt allerdings sofort mit dem Schulanfang des ersten Kindes einer Zwei-Kind-Familie sowie für das zweite in der Kita verbleibende Kind. Bei einer Drei-Kind-Familie werden die zwei in der Kita betreuten Kinder weiterhin ermäßigt, aber das Hort-Kind muss den vollen Beitrag bezahlen.

"Die Gebühren sind mit der Einführung des neuen Kinderförderungsgesetzes Ende 2012 nicht so enorm gestiegen wie seinerzeit befürchtet", sagte Jugendamtsleiter Dr. Ralph Focke kürzlich im Jugendhilfeausschuss des Kreistages. "Bei einigen Beispielen sind die Gebühren sogar gesenkt worden."

Jedes Kind in Sachsen-Anhalt hat einen Rechtsanspruch auf einen ganztägigen Platz in einer Tageseinrichtung, unabhängig vom sozialen Status der Eltern. Ein Ganztagsplatz in einer Krippe oder Kindertageseinrichtung umfasst einen Anspruch auf bis zu zehn Betreuungsstunden pro Tag beziehungsweise bis zu 50 Betreuungsstunden pro Woche. Eltern können aber auch weniger Betreuungsstunden wählen. Entsprechend niedriger fallen die Gebühren aus. Für Schulkinder umfasst ein ganztägiger Hortplatz sechs Betreuungsstunden je Schultag. In den Ferien gilt der Betreuungsanspruch bis zu 10 Stunden pro Tag oder 50 Stunden pro Woche. Kinder wechseln mit drei Jahren vom Krippenbereich in den Kindergarten.

Jugendamtsleiter Focke zufolge ist aktuell ein Förderprogramm aufgelegt worden: "Zur Schaffung neuer Betreuungsplätze für Kinder bis zu drei Jahren beziehungsweise für den Erhalt bisheriger Plätze." Träger konnten bis vor kurzem entsprechende Bau- oder Sanierungsprojekte einreichen. Dem Landkreis seien eine halbe Million Euro in Aussicht gestellt worden. Focke: "Der Eigenanteil der Träger liegt bei lediglich zehn Prozent der Gesamtkosten, die Maßnahmen müssen 2017 abgeschlossen sein."