Die kleine Kirche von Hohenwarthe ist in weiße Folie gehüllt. Ihr Inneres wird von Schädlingen befreit.

Hohenwarthe l Das Gebäude erinnert an die medienwirksam präsentierten Events von Verpackungskünstler Christo. Doch neben dem künstlerischen Aspekt ist in Hohenwarther ein zweckmäßiges Ziel viel wichtiger. Das Dachgebälk des Gotteshauses und alles, was sonst aus Holz ist, ist von Holzwürmern (zum Beispiel dem Holzbock) befallen. Denen rücken nun Schädlingsbekämpfer aus Sachsen zu Leibe.

Marco Müller umkreist mit einem mobilen Messgeräte das verpackte Gebäude. Ist die Folie auch wirklich dicht? Im Inneren ist der Begasungsvorgang bereits gestartet worden. Große Lüfter verwirbeln das so genannte Sulfuryldifluorid, ein farb- und geruchloses, giftiges Gas, das der Bekämpfung von Holzschädlingen dient.

Lange Messkabel führen von der Kirche aus ins Nebengebäude. Dort kann der Bekämpfungsvorgang verfolgt werden. "Das kann ich auch mit meinem Handy tun", sagt Marco Müller. So müsse er nicht immer vor Ort sein.

Am Vortage ist die kleine Kirche vom Team der Dresdner Schädlingsbekämpfer verpackt worden. Das war eine komplizierte Angelegenheit, weil scharfer Wind das Hochufer der Elbe heraufwehte. Um das Gebäude "hinreichend gasdicht" zu bekommen, wie der Fachmann sagt, sind rund 1000 Quadratmeter Folie, mehr als drei Kilometer Klebeband und ein ganzer Tag Arbeit notwendig gewesen.

Schon Tage zuvor hatten das Körbelitzer Tischlerduo Wagner zusammen mit Hohenwarther Helfern die uralten, befallenen Holzbohlen des Dachbodens entfernt und abtransportiert. Der Boden soll erneuert werden. Das neue Holz liegt bereits oben und ist teilweise schon verbaut worden.

"Genau so ist es richtig", sagt Marco Müller. Es könne ja sein, dass das neue Holz schon befallen ist. Deshalb wird es jetzt mit behandelt. Außerdem ist im Chorraum der kleinen Kirche das Gestühl der Kirche von Hohenziatz aufgetürmt. Auch diesen Holz hat eine Bekämpfung nötig.

Sind das Dachgestühl, der hölzerne Dachboden und das gesamte Holz der Kirche befallen, ist eine Bekämpfung unausweichlich. Jede Holzwurmlarve holt jährlich etwa eine Tasse Holzmehl aus dem Gebälk. Und tausende Larven sitzen drin, weiß der junge Mann. Und mit einen selbstsicheren Lächeln fügt er an: "Wenn wir weg sind, sind alle tot". Dazu sei es unter anderem nötig, die Kirche ein wenig zu erwärmen. Bei Kälte verharren die Larven in einer Art Starre. Wird es wärmer, wachen sie auf und beginnen zu atmen.

Drei Tage bleibt die Kirche eingepackt. Ab morgen wird die Folie entfernt und die Kirche gelüftet. Bis dahin bleibt das Gelände abgesperrt. Das Gas ist auch für Menschen hochgiftig, eignet sich aber eben zur Schädlingsbekämpfung in Gebäuden, weil es Textilien, Papier, Leder, Metall oder Gemälde nicht angreift.

 

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