Kinder müssen auf das Leben mit all seinen guten und schlechten Seiten vorbereitet werden. Diese Aufgabe übernehmen Eltern, Erzieher und Lehrer. Es gibt noch ein weiteres Angebot, Prävention gegen Gewalt und Missbrauch zu betreiben. Gestern machte das "Kinder- und Jugend Sicherheitsteam" in Möckern Station.

Möckern l Auf dem Spielplatz der Möckeraner Kindertagesstätte "Birkenhain" steht ein Auto, eine junge Frau sitzt darin, will das Kind zum Mitfahren bewegen. Davor schreit ein vielleicht fünfjähriges Mädchen: "Lass mich in Ruhe!" Dann rennt es weg und bittet einen großen blonden Mann in der Nähe um Hilfe.

An dieser Stelle endet die Szene, in der Kindern klar gemacht wird, wie sich sich zur Wehr setzen sollen, wenn sie von ihnen unheimlichen Erwachsenen angesprochen werden. Es gibt drei "beste Verteidigungen" für Kinder", erklärt der große blonde Mann: Die erste beste Verteidigung für Kinder ist wegrennen. Die zweite beste Verteidigung ist schreien. Als drittbeste Verteidigung darf dann auch gegen das Knie des unheimlichen Fremden getreten werden. Auch, wenn es in den Kursen eigentlich darum geht, Gewalt zu vermeiden.

5000 Kinder im Jahr besuchen die Kurse

Der große blonde Mann ist Andreas Heilemann. Er hat vor neun Jahren das "KiJu"-Team ins Leben gerufen und besucht seitdem Kindertagesstätten, Grundschulen und inzwischen auch weiterführende Schulen in ganz Sachsen-Anhalt und angrenzenden Bundesländern. Gut 5000 Kindern vermittelt er solche Präventionsmaßnahmen.

Dabei wird stets kindgerecht und altersspezifisch vorgegangen, erklärt Heilemann. Es gelte, keine Horrorszenarien aufzubauen. "Wir wollen die Kinder nicht verängstigen, sondern positiv bestärken", sagt der Fachwirt für Gesundheit und Sozialwesen. Deswegen wird auch nicht vom "bösen Onkel" gewarnt, sondern über den "Mitschnacker" gesprochen, den Mann, der sich da auf einmal dazugesellt und mitreden will. In der Kita Möckern kommen die Kinder erst einmal im Sportraum zusammen. Gemeinsam wird über das Thema geredet. Bilder mit Szenen zum Thema werden ausgemalt, Geschichten vorgelesen, in denen es um den "Mitschnacker" geht. Vor wenigen Tagen in der Grundschule Möckern wurden die Kursinhalte anders vermittelt, als nun im Kindergarten.

Es gelte jedoch stets, die "Selbstwirksamkeitserwartung" des Kindes zu steigern. Sprich: Das Kind soll einschätzen können, wie es in sich in gewissen Situationen richtig einschätzen kann.

"Die Gewalt unter Kindern nimmt zu, Mobbing ist schon früh ein Thema, und durch die sozialen Medien wie `Whats App` oder ,Instagram` sind Kinder heutzutage schon früh erreichbar", weiß Heilemann. Es gelte daher, schon vom Vorschulalter soziale Kompetenzen zu vermitteln, Ängste abzubauen und zu helfen, dass Kinder die Gefährdungen der heutigen Zeit meistern können.

Auch für Zehntklässler Kurse im Programm

Inzwischen hat das Team um Andreas Heilemann Kurse für alle Klassenstufen im Programm: Vorschülern wird das richtige Verhalten auf dem Schulhof und auf dem Schulweg nähergebracht, Präventionskurse zu Mobbing, Sucht und Internetkriminalität richten sich längst auch an die Klassenstufe 10.

Den Vorteil des Teams gegenüber der elterlichen Erziehung sieht Heilemann in seiner Rolle als Außenstehende: "Nur fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen nehmen sich alle Ratschläge und Mahnungen von Eltern und Erziehern an. Weil wir extern sind, wird uns als Experten von den Kindern hier mehr Glauben geschenkt." Deshalb sind bei den Kursen auch die Eltern und Erzieher außen vor.

Kontakt: Kinder und Jugend Sicherheits Team KiJu-Team; www.kiju-team.de

 

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