Prof. Dr. -Ing. habil. Karl Heinz Tempelhof wird am Sonntag 80 Jahre alt. Der Burger wird einer Reihe von Ihlestädtern und darüber hinaus gut bekannt sein. Beruflich war er bis Anfang der 90er Jahre in wissenschaftlich verantwortlichen Stellen der Magdeburger Universität tätig. Seine Leidenschaft ist Schreiben von Geschichten. In der nächsten Woche stellt er den Band 3 seiner biografisch geprägten Romanfolge vor.

Burg l Das 80. Lebensjahr zu erreichen ist Anfang dieses neuen Jahrtausends nichts außergewöhnliches. Sogar die Meldung, dass im Jerichower Land ein nächster Senior den 100. Geburtstag feiern kann, ist kein Aufreger mehr. Trotzdem ist die Vollendung von acht Lebensjahrzehnten wert, ausgiebig auf den zurückgelegten Weg zu blicken. Besonders, wenn er so facetten- und ereignisreich verlief, wie der von Dr. Tempelhof.

Wer ihn auf der Straße der Kreisstadt mit Ehefrau Regina begegnet, wird ihn stets akkurat gekleidet mit Anzug und Krawatte sehen, jedermann freundlich grüßend und für eine Unterhaltung nach dem Wie und Wohin bereit. Unschwer heraus zu hören, dass er einen feinsinnigen Humor pflegt und Ross und Reiter nennt, wenn Kritisches über Weltpolitik, Wissenschaft, Bildung und Kommunales zu nennen ist. Erstaunlich keineswegs, da er sein Leben lang sich in einer Endloskette von wissenschaftlich hoch dotierten Funktionen immer wieder aufs Neue zu beweisen hatte.

Irgendwie hatte die Volksstimme vor dem Gespräch zu dem Beitrag erwartet, das ihr ein Professor alter Schule, also im Maße reserviert, wenn auch auskunftsfreudig, aber leicht belehrend durchblickend, gegenüber sitzt. Nichts von alle dem. Sogar ohne Krawatte saß er uns in seinem Arbeitszimmer gegenüber. Zwar nicht hemdsärmlig, zudem erfrischend locker.

Dr. Karl-Heinz Tempelhof: "So wie ich heute bin, was ich geworden bin und wie ich mein Leben bestritten habe, habe ich meiner Mutter zu verdanken. Für mich ist sie unvergessen und die Persönlichkeit, die mir sehr viele Ratschläge für das Leben mitgegeben hat. Von ihr habe ich gelernt, mich durchzubeißen. Sie war prägend für mich. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar!" Ein Foto an der Wand ist heute ein wenig Ausdruck dessen, was der Sohn Liebe zur Mutter bezeichnet.

Einfach sei der Alltag nach dem Krieg nicht für sie, den kleinen Karl- Heinz und seine Schwester Annerose gewesen. Erst in Krüssau wohnhaft, wo der Sohn eingeschult und bis zur 4. Klasse unterrichtet wurde, bis es den Umzug nach Burg gab. "Der war notwendig, da meine Mutti eine Stelle als Hilfslackererin in der Burger Küchenfabrik bekommen hatte. Mit der Arbeit hat sie sich kaputt gemacht", ist Dr. Tempelhof noch heute überzeugt.

Das heutige Gymnasium Burg, damals Geschwister-Scholl-Oberschule, war 1953 Endstation seiner schulischen Ausbildung. Was folgte, war ein Studium samt folgenden Berufsleben, das summiert drei enge gefasste Schreibmaschinenseiten füllt.

"Mein Vater war Automechaniker, hatte sogar eine Autowerkstatt und Taxibetrieb, ging aber in der 30er Jahre pleite. Was ihm zugute kam, dass sein Reparaturbetrieb mit der Marke Opel verbandelt war. Vater fand ab 1937 eine Arbeit als Vorarbeiter in der Lkw-Herstellung, übrigens im benachbarten Brandenburg. Was ihn ausschließlich interessierte war die Motorenfertigung. Irgendwie blieb seine Vorliebe an mir hängen. Ich wollte in den Maschinenbau, was mir ab 1953 mit meinem über fünfjährigen Studium an der Technischen Hochschule Dresden gelang. Nicht konzentriert auf Maschinenbau, sondern speziell auf die Fertigungstechnik", erzählt Dr. Tempelhof. Wenn er auf die damalige Dresdner Studienzeit kommt, vergisst er einen Namen nicht: Prof. Dr. Alfred Richter. "Mein hoch geschätzter Doktorvater, bei dem ich wissenschaftlicher Assistent im Fachgebiet Spanende Formung sein konnte."

Was dann alles an Kenndaten in der Vita Tempelhof folgte, lässt sich aus Platzgründen an dieser Stelle nicht auflisten. Ab den 70er Jahren die Auszeichnung Verdienter Techniker des Volkes, Erster Prorektor der Technischen Hochschule Magdeburg, Berufung zum Mitglied des wissenschaftlichen Rates "Grundlagen der Technologie der metallverarbeitenden Industrie" und Jahre später für die ministerielle Forschungsaufgabe "Automatische bedienarme Produktion in der Klein- und Mittelserienfertigung, zum Beauftragten der Koordinierung der Forschung der Hochschulen und Universitäten mit dem Schwermaschinenbaukombinat "Ernst Thälmann", usw, usf. Es gesellten sich Dienstreisen unter anderem nach Moskau, Hannover und in die USA dazu. Zudem begleitete er im Laufe der Zeit 34 Doktoranden zum Dr.-Ing., begutachtete 16 Habilitationen und "entwickelte" drei Doktoren zu Professoren. Prof. Dr. Karl-Heinz Tempelhof trägt für 137 wissenschaftliche Veröffentlichungen die Verantwortung, sei es in Buchform oder als Beitrag für Fachzeitschriften.

"Im April 1992 schied ich aus dem Hochschullehrerdienst aus. Ich tat das freiwillig, da ich mich im Resultat der Wiedervereinigung mit dem ungestümen Reformen der Hochschulpolitik nicht mehr einverstanden fühlte", gesteht der Professor im Ruhestand rundheraus.

Deshalb macht es sich aber Karl-Heinz Tempelhof bis heute auf dem Seniorensessel nicht bequem. Ihn kam zustatten, was ihm Anfang der 50er Jahre begann zu begeistern. Das Schreiben. Zuerst für den Lokalteil der Volksstimme. Sorgsam wie eine Reliquie hebt er einen Zeitungsbeitrag vom 17. Januar 1952 auf. Zu lesen ist über eine Jugendtheaterveranstaltung. "Die Zusammenarbeit mit der Kreisredaktion setzte ich bis 1958 fort. Der damalige Leiter dürfte älteren Burgern vom Namen noch bekannt sein, Fritz Berger alias Fritze Gründlich."

Eine Überraschung erlebte Karl-Heinz Tempelhof, als er von der Arbeitsgemeinschaft junger Autoren, angesiedelt auf der Ebene des Bezirks Magdeburg, eine Einladung bekam. "Zu verdanken hatte ich das wohl Brigitte Reimann, die ich kannte und mit dessen größerer Bruder Ludwig ich in eine Abi-Klasse ging", vermutet Dr. Tempelhof und gesteht, dass seine geschriebenen Kurzgeschichten "nicht groß gelandet sind". Eine Ursache, dass er während des Studiums das literarische Suchen und Finden nach Stil und Themen gelassen hat. Außerdem fruchtete der Rat seiner Mutter: "Lass das Schreiben, mach lieber dein Studium rund."

In den 90er Jahre entdeckte er diese Neigung für sich neu. Er machte sich daran, ein biografisches Werk zu schaffen. Die ersten beiden Bände sind erschienen, der 3. Band wird am 5. Mai im Saal der Sparkasse von ihm vorgestellt, der die Zeit von 1955 bis 1959 zum Inhalt hat. Der vierte ist in Arbeit. "Ich hoffe, dass es mir gelingt, den letzten Band zu vollenden. Er soll 2016 fertig sein und wird bis zur politischen Wende handeln", kündigt Dr. Tempelhof an. Die Romanreihe nennt ihn und seine Familie zwar nie mit Namen, aber sie trägt deutlich biografische Züge, handelt von ferner und naher Vergangenheit der Kreisstadt und ihres Umlandes.

Sein bisheriges Leben könnte nicht so ausgefüllt sein, wenn er, wie Tempelhof es bezeichnet, keine verständnisvolle Ehegattin gehabt hätte. "Meiner Regina habe ich viel zu verdanken. Durch meine reichhaltige und zeitraubende Arbeit musste sie manche Entbehrung hinnehmen." Stolz ist er auch auf Sohn Andreas, der freiberuflich für den MDR arbeitet und seine ersten journalistische Sporen bei der Lokalredaktion Burg verdient hatte, und Tochter Sina, die bei der Lebenshilfe tätig ist.

"Dass keiner denkt, für Burg sei ich nie unterwegs gewesen. Fakt ist, dass ich mich unter anderem mit meinen Schulfreund Klaus Möbius dafür eingesetzt habe, dass Burg einen sanierte und wieder hergestellte Rolandfigur erhält. Zu bewundern bekanntlich auf dem Rolandplatz", will Prof. Dr. Karl-Heinz Tempelhof unbedingt hinzufügen.

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