Deutschlandweit sind die Fahrlehrer des Kraftfahrausbildungszentrums Burg die ersten und bisher auch die einzigen, die in der Fahrerkabine des 20 Tonnen schweren geschützten Trucks Soldaten ausbilden.

Dörnitz l In der Fahrerkabine beginnt es heftig zu ruckeln. Chris Hoffmeister steuert den 20 Tonnen schweren Vierachser über das Feld. Die Fahrspur hat er längst verlassen. Vorsichtig arbeitet der Bundeswehrsoldat sich vor. 450 Pferdestärken helfen ihm dabei.

Heutiges Tagesziel: Die Gleise auf einem steilen Bahnübergang queren. Hoffmeisters Blick springt von einem der insgesamt acht Außenspiegel zum nächsten. Rechts. Links. Rechts. Versperrt ein großer Stein den Weg, reagiert Hoffmeister schnell. Es ist sein dritter Tag auf dem gepanzerten Iveco Trakker.

80 Kilogramm Sicherheit

Das fast elf Meter lange Transportfahrzeug der Bundeswehr soll demnächst immer öfter im Ausland zum Einsatz kommen. Deswegen ist auch Dimitri Giss zehn Tage lang mit den Fahrlehrern auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow unterwegs. Am Ende steht der Schein für die Klasse G. G wie geschützte Fahrzeuge. Den Schein braucht Giss, um bei seinem anstehenden Einsatz im Kosovo so einen Transporter fahren zu dürfen.

Der 31-Jährige soll heute zum ersten Mal mit dem zirka vier Meter hohem Lkw unter einer Behelfsbrücke auf dem Truppenübungsplatz durch. Doch hinter seiner Fahrerkabine ragt ein hoher Kran hervor. Der kann wichtig werden, wenn zum Beispiel der Vierachser mit allem beladen ist, was die Bundeswehrsoldaten für die Abwehr gegen chemische Kampfmittel brauchen - und schnell abgeladen werden muss.

Ganz langsam nähert sich Soldat Giss gerade der Unterführung. "Und stopp!" Fahrlehrer Sebastian Hügelmann springt vom Wagen. Mit einem lauten Knall fällt die Beifahrertür zurück ins Schloss. 80 Kilogramm wiegt allein die sechs Zentimeter dicke Scheibe. "Zu wenig Luft nach oben", meldet Hügelmann über das Funkgerät. "Rückwärts marsch." Der Fahrlehrer sichert nach hinten ab. Trotz Rückfahrkamera ist Giss` Blick eingeschränkt.

Über ihm nähert sich Chris Hoffmeister derweil dem Hindernis Bahngleise. Zwei Trakker haben die Burger derzeit zum Üben. Weitere sollen folgen. "Denk an die Schildkröte", sagt Fahrlehrerin Sandra Dahlmann. Hoffmeister drückt einen Knopf, schaltet dann von der Automatik auf manuelles Getriebe um. "Mit der Einstellung haben wir ein höheres Drehmoment und können uns besser an einem Hindernis hochhangeln", erklärt die Fahrlehrerin. Mit dem zweiten Gang geht es steil bergauf, das Fahrzeug arbeitet sich im gediegenen Tempo die Schienen hoch. "Anhalten", ruft die Fahrlehrerin. Der Transporter stoppt. Neigt sich leicht nach rechts. Das Besondere: Die Kraft kann sich auf den vier Achsen individuell verteilen. Einzelne Räder können blockiert und unterschiedlich schnell gedreht werden. Ein Grund, warum so ein Lkw mehr als 600 000 Euro kostet.

Eine Luke für den Notfall

Über Funk kommuniziert Sandra Dahlmann mit ihrem Kollegen Hügelmann, der draußen absichert. "Wir haben nur eine Bodenfreiheit von 30 Zentimetern. Wenn wir den Abhang hinunter fahren und einen großen Stein mitnehmen, kann einiges kaputt gehen", erklärt die 27-Jährige. "Sieht gut aus", krächzt es aus dem Funkgerät.

Chris Hoffmeister fährt den Abhang hinunter. Das Fahrzeug neigt sich nach links. Der Blick aus dem Führerhaus geht direkt in Richtung Himmel. Würde das Fahrzeug umkippen, sind die Wände stabil genug, versichert Fahrlehrer Hügelmann. Über dem Kopf von Chris Hoffmeister kann in so einem Notfall auch die große Luke mit der Hand geöffnet werden. In Schrittgeschwindigkeit neigt sich das Fahrzeug wieder nach rechts. Konzentriert stellt der 29-Jährige den Iveco auf einem Feldweg ab. "Gut gemacht", lobt Fahrlehrerin Sandra Dahlmann.

Bilder