Um das Erinnern geht es in Bettina Rohrschneiders Ausstellung "Zeitsplitter", die am Sonnabendnachmittag auf Schloss Leitzkau eröffnet wurde. Die moderne Malerei mit ihren kräftigen Farben und Formen setzt spannende Kontraste zum historischen Ambiente der Galerie.

Leitzkau l Ein dunkelhaariges Mädchen, das so gerne blond gewesen wäre, schaut neugierig in die Kamera des Fotografen. Ihr Mund deutet ein Lächeln an, ihre Hände umfassen artig Bauklötzer und Matroschka. Alle Kinder seien im Kindergarten so fotografiert worden, erzählte Bettina Rohrschneider. Trotzdem weckte die Aufnahme in ihr so viele Erinnerungen, dass sie das Foto für ihre Serie "Zeitsplitter" auswählte.

"Kindertage" nannte sie das Bild. Ihrem fünfjährigen Alter Ego malte sie die blonden Haare, die sie sich damals so sehr gewünscht hatte. Von den Haaren gibt es einen fließenden Übergang. Der Betrachter der "Kindertage" scheint in den Kopf des Mädchens gucken zu können, wo sich Verknüpfung um Verknüpfung bildet. Die Freude des Kindes ist greifbar, immer mehr Zusammenhänge in der Welt verstehen zu können.

Der inhaltliche Kontrast zum Bild daneben könnte nicht größer sein. Frage an Frage reiht sich auf der Haut des Selbstporträts: "Muss ich alles verstehen? Muss ich immer freundlich sein? Warum kann ich nicht warten?" Ihr erwachsenes Ich blickt dem Betrachter nicht mehr so offen und selbstverständlich entgegen wie das kleine Mädchen. Das Fragende und Verletzliche hier rückt in den Mittelpunkt.

Rund ein halbes Jahr hatte Bettina Rohrschneider alias Moni Lisa Zeit, ihre Serie "Zeitsplitter" zu malen. Eine Geburtstagsvernissage anlässlich ihres 50. Geburtstages wollte die Magdeburgerin gestalten. Ein Dreivierteljahr vorher war der Entschluss dazu gereift. Sie griff zu ihren Fotoalben und nahm die Aufnahmen als Vorlagen, die in ihr die stärksten Emotionen auslösten.

Sie malte ihr Porträt und erzählte in kräftigen Formen und Farben die Geschichte dazu. Zwölf Bilder wurden es, weil sie jährlich einen Kalender herausgibt, für den es zwölf Motive bedarf. "Lassen sie sich ein, sie werden es nicht bereuen", sagte Dana Brüske in ihrer Laudatio. Sie hatte die Künstlerin vor einem Jahr kennen- und seitdem sehr schätzen gelernt. Die "Zeitsplitter" strahlten den Witz und Charme ihrer Malerin aus, laden zu "optischen Spaziergängen" ein.

Gitarrist Bernd Fallenberg begleitete die Vernissage musikalisch. Viola Handke vom Förderkreis hatte Bettina Rohrschneider mit einem Blumenstrauß in Leitzkau begrüßt.

Nach den vielen Frauenporträts will sich Bettina Rohrschneider in ihrem nächsten Zyklus den Männern widmen, aber darüber noch nicht zu viel verraten. Vielleicht entstehe aus ihrem Projekt "Jeden Tag ein Bild", das auf Facebook zu verfolgen ist, die nächste Ausstellung.

"Zeitsplitter" ist die erste Ausstellung in der Galerie des Schlosses Hobeck in diesem Jahr. Bettina Rohrschneider war als Besucherin einer Ausstellung nach Leitzkau gekommen. Dabei war der Kontakt zum Förderkreis Kultur und Denkmalpflege entstanden. Ihre Ausstellung ist Anfang des Jahres zuerst in Magdeburg gezeigt worden. In Leitzkau ist sie noch bis Sonntag, 7. Juni, zu sehen.

Die Galerie ist von Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 14 Uhr geöffnet, freitags von 8 bis 16 Uhr und am Wochenende jeweils zwischen 13 und 16 Uhr.

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