Vor 25 Jahren, am 6. Mai 1990, fanden in der DDR zum ersten und letzten Mal Kommunalwahlen nach demokratischen Grundsätzen statt. Sie waren auch im Kreis Burg der Startschuss für eine Neuordnung auf kommunaler Ebene, weg vom Zentralismus, hin zur Selbstverwaltung.

Burg l Erst ein Jahr zuvor, am 7. Mai 1989, hatten in der DDR Kommunalwahlen mit Einheitslisten stattgefunden. Damals war der Physiker Gerhard Ritz für den Kulturbund Mitglied der Burger Stadtverordnetenversammlung geworden. Ein Jahr später stellte sich Ritz dann als Bürgermeisterkandidat der CDU erneut zur Wahl, diesmal entsprach der Urnengang demokratischen Grundsätzen.

Was die Kreisstadt Burg betraf, war die Kommunalwahl 1990 eine Wahl mit Hindernissen. Die Volksstimme schrieb von einer "DDR-weit bekannten Stimmzettelpanne". Was war passiert? Wegen unvollständiger Stimmzettel für den Wahlkreis 1 der Stadt Burg, ein CDU- und ein PDS-Kandidat fehlten, musste die Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in diesem Wahlkreis für ungültig erklärt und eine Wiederholung der Wahl im Wahlkreis 1 durchgeführt werden, die vom 10. bis 12. Mai stattfand.

Es dauerte dann noch bis zum 17. Mai, ehe die Volksstimme-Leser erfuhren, wie in der Kreisstadt abgestimmt wurde und dass die CDU Wahlsieger geworden ist.

Der Bürgermeisterkandidat der Union, Gerhard Ritz, wurde in der Folge von der neuen Stadtverordnetenversammlung mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Bürgermeister Peter Wittmann gewählt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. Ritz versprach nach der Wahl, ein Bürgermeister für alle Burger sein zu wollen.

25 Jahre später erinnert sich Ritz, der bis März 1991 Bürgermeister blieb, an eine "aufregende Zeit des Aufbaus" und an die hervorragende Unterstützung der Partner aus Gummersbach und Tuttlingen. "Ein großes Problem für die Kommune war bis Ende 1990 zum Beispiel der Mangel an Wohnungen. Auch, dass die Zahl der Mitarbeiter der Stadt von 75 auf 800 gewachsen ist, als uns die Kindereinrichtungen zugeordnet wurden", erinnert sich Ritz.

Während Ritz nur ein knappes Jahr Bürgermeister blieb, kamen nach den Kommunalwahlen 1990 in den beiden anderen Städten des damaligen Kreises Burg, Gommern und Möckern, zwei Bürgermeister ins Amt, die dann viele Jahre die Geschicke ihrer Kommunen lenkten und sich damit hohes Ansehen erwarben: Klaus Petersen (SPD) in Gommern und Dr. Udo Rönnecke (CDU) in Möckern. Wie auch Ritz waren sie politische Seiteneinsteiger.

Klaus Petersen arbeitete als Konstrukteur, als ihn 1990 die SPD in Gommern zu ihrem Bürgermeisterkandidat machte. "Wenn man etwas verändern will, muss man auch bereit sein, Verantwortung zu übernehmen", war damals die Devise von Petersen. Sein erster Schritt in diese Richtung war, sich Anfang 1990 der SPD anzuschließen, die er sich als "junge und unbelastete Partei" ausgesucht hatte. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung von Gommern bekam dann die SPD die Mehrheit und Petersen wurde zunächst ehrenamtlicher, dann im Dezember 1990 hauptamtlicher Bürgermeister und blieb 16 Jahre im Amt.

Auch in Möckern ging es 1990 vor allem um die Reorganisation der Stadtverwaltung, erinnert sich Dr. Udo Rönnecke, der sogar 18 Jahre im Amt war. Bei den Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 hatte die CDU in Möckern die meisten Stimmen geholt und im Stadtparlament sich dann mit der FDP zusammengetan. Wie alle Kommunen hatte, so Rönnecke, der bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister Tierarzt war, auch Möckern damals beim Aufbau der kommunalen Selbstverwaltung Unterstützung von Helfern aus der Partnerstadt in der Bundesrepublik. "Satzungen mussten erarbeitet werden, es ging um die Wasserver- und Abwasserentsorgung oder die weitere Zusammenarbeit mit den umliegenden Ortschaften", so Rönnecke zu den Aufgaben eines Bürgermeisters im Jahr 1990.

Am 6. Mai 1990 war natürlich auch in den 45 Landgemeinden des damaligen Kreises Burg gewählt worden. Dort erzielten eine Wählervereinigung und eine Partei, die in den Städten kaum eine Rolle spielten, hohe Stimmenanteile: Bauernverband und Demokratische Bauernpartei (DBD). Spitzenergebnisse erzielte der Bauernverband bei den Gemeinderatswahlen in Büden (58 Prozent), Detershagen (56 Prozent), Küsel (72 Prozent), Pietzpuhl (54 Prozent), Reesdorf (67 Prozent), Wallwitz (58 Prozent) und Ziepel (50 Prozent). Die SPD konnte nur in Biederitz (39 Prozent) und Möser (41 Prozent) nennenswert punkten. Die CDU war 1990 stark in Grabow (44 Prozent), Gübs (48 Prozent), Hohenwarthe (42 Prozent), Krüssau (43 Prozent), Lostau (58 Prozent), Menz (48 Prozent), Niegripp (47 Prozent), Parchau (39 Prozent) und Wahlitz (46 Prozent). In die Gemeinderäte des Kreises Burg zogen 1990 aber auch Kandidaten ein, die die evangelische Kirchengemeinde, die Feuerwehr oder der Sportverein aufgestellt hatte.

Last but not least wurde am 6. Mai 1990 auch der neue Kreistag des Kreises Burg gewählt. Auf 13 Listen waren die Kandidaten von Parteien, Bewegungen und Organisationen bei der Kreistagswahl angetreten. Wahlsieger wurde die CDU mit knapp 33 Prozent der Stimmen und 20 Sitzen (von 60). Einer dieser CDU-Abgeordneten im neuen Kreistag war der Bauingenieur Wolfgang März, der einen Monat später vom Kreistag zum Landrat gewählt wurde. CDU, SPD, Neues Forum, Bund Freier Demokraten und Bauernpartei bildeten im ersten Burger Kreistag nach der Wende eine große Koalition.

März sah nach der Wahl zum Landrat seine Aufgabe darin, die Umstellung von der Plan auf die Marktwirtschaft umgehend, aber geordnet zu vollziehen. Neue Arbeitsplätze im Handwerk und im Mittelstand sollten so entstehen. Gewerberäume und -flächen mussten gesucht und gefunden werden. Die A 2 sollte als Standortvorteil erkannt und genutzt werden. Die Wirtschaftsförderung des Landkreises brachte dann 1991 die ersten Neuansiedlungen im Burger Industrie- und Gewerbepark auf den Weg.

   

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