Burg/Genthin (fh) l Exorbitant teuer! So bezeichnet Caroline von Bechtolsheim die Abfallentsorgung im Landkreis. Sie vertritt eine bundesweit tätige Spezialkanzlei, die im Auftrag des Landkreises den Ist-Zustand bewertete und ein neues Abfallkonzept vorlegte. 9,6 Millionen Euro - diese Summe planen Landkreis und der Entsorger AJL in diesem Jahr für die komplette Abfallbeseitigung für 94000 Einwohner des Jerichower Landes. Das macht pro Kopf jährlich 97 Euro. Zu den Ursachen für diese hohen Kosten gehört laut Caroline von Bechtolsheim eine überdurchschnittlich hohe Restmüllmenge im Landkreis - nämlich 225 Kilo pro Einwohner und Jahr. Zum Vergleich: Der Landesdurchschnitt liegt bei 152 Kilogramm (bundesweit 173 Kilo). Noch auffälliger sind die Abweichungen von der Norm beim Bioabfall: Im Landkreis fallen jährlich pro Einwohner 174 Kilogramm an. Landesdurchschnitt sind lediglich 50 Kilo. Bechtolsheim: "Und trotzdem liegt der Bioanteil beim Restmüll bei sehr hohen 40 Kilogramm pro Kopf im Jahr." Ihre Berliner Anwaltskanzlei hat den aktuellen Zustand der Abfallentsorgung im Landkreis analysiert und ein Konzept für die Zukunft erstellt. 2017 laufen die Entsorgungsverträge mit der AJL aus, die Müllentsorgung im Landkreis wird europaweit ausgeschrieben. "Etwa ein halbes Jahr zuvor müssen wir nach dieser Ausschreibung den Auftrag an ein Unternehmen erteilen", sagte Landkreis-Vorstand Bernd Girke. Bevor es soweit ist, muss der Kreistag beschließen, nach welchem Prinzip unser Müll entsorgt werden soll. Die Berliner Anwaltskanzlei favorisiert ein sogenanntes Identsystem. Dabei würden die Verbraucher (ähnlich der Stromabrechnung) eine Grundgebühr bezahlen. Berechnet werden zudem Gebühren für die Leerung einer Tonne nur dann, wenn sie auch geleert wird. Damit können die Menschen Kosten sparen, wenn sie weniger Müll verursachen. Bernd Girke: "Dieses System ist auch Favorit des Landkreises." Ein digitaler Chip an der Tonne würde die Leerungen registrieren. Allerdings soll das bisherige System nicht sofort ruckartig umgestellt werden. Es soll eine mehrjährige Übergangszeit gelten. In dieser Zeit (ab 2017) sollen die Verbraucher den Leerungs-Rhythmus ihrer schwarzen Restmülltonne selbst bestimmen dürfen. Im Gespräch sind Intervalle von zwei, vier oder sechs Wochen. Girke: "Dies könnte sich über Aufkleber an den Tonnen realisieren lassen." Auch dabei könnten die Menschen durch weniger Leerungen Gebühren sparen. Dies wäre ein schrittweiser Übergang vom besherigen Solidarprinzip (wo jeder für alles bezahlt) zum Verursacherprinzip. Caroline von Bechtolsheim: "Ein solches Solidarprinzip wie es hier noch praktiziert wird, ist in Ländern wie Sachsen oder Thüringen rechtlich gar nicht möglich." Dort gäbe es ein sogenanntes Anreizgebot.