Anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes wurde in Burg jetzt eine Gedenktafel eingeweiht, die an die kampflose Übergabe der Stadt an die Rote Armee erinnert, was aufrechten Bürgern zu verdanken ist.

Burg l Die Ereignisse vor 70 Jahren waren im Vorfeld von einer Gruppe geschichtsinteressierter Burger, Dieter Rönisch, Hans-Georg Dräger, Roland Stauf und Heinz Jericho, noch einmal genau recherchiert worden.

Vom 2. bis zum 5. Mai 1945 trafen sich besorgte Bürger, die ein unnötiges Blutvergießen und die sinnlose Zerstörung der Stadt Burg in den letzten Kriegstagen verhindern wollten. Dabei handelte es sich mehrheitlich um Männer, die vor 1933 dem Burger Stadtparlament angehört hatten, sowohl aus dem bürgerlichen Lager als auch aus den Reihen der von den Nazis verfolgten Sozialdemokraten und Kommunisten. Während die Heimatforscher zehn Personen auflisten, die in den letzten Kriegstagen ein hohes persönliches Risiko auf sich genommen haben, zählt die CDU-/FDP-Fraktion des Stadtrates sogar 23 verdienstvolle Männer, die das kampflose Kriegsende vor 70 Jahren in Burg organisierten.

Die verantwortungsvollen Bürger ließen durch den Landrat den Nazi-Oberbürgermeister Lebenstedt absetzen und setzten einen kommissarischen Oberbürgermeister mit Beiräten ein, man löste den Volkssturm auf, verbot den Wehrwolf, beseitigte die Panzersperren und sorgte so dafür, dass es beim Einmarsch der Roten Armee in die Stadt zu keinerlei Widerstand kam.

Die Einweihung der Erinnerungstafel fand nun am Montag statt. Ein Platz für die Edelstahltafel mit Inschrift, die in ein Betonfundament eingelassen ist, konnte innerhalb einer kleinen Grünanlage auf der Ecke Zerbster Chaussee/Bürgermarkstraße gefunden werden. Ein historischer Ort, denn, so Rönisch, dort, vor der damaligen Gaststätte "Zur Sonne", hatte es am 4. Mai gegen 17 Uhr einen ersten Kontakt mit der Roten Armee gegeben. Rönisch: "Georg Schindler, der in der Nähe wohnte und bei der illegalen Beratung zwei Tage zuvor dabei war, begrüßte die Besatzung eines Aufklärungsfahrzeugs der Roten Armee. Auf diese Situation hatten sich die Kommunisten August Heisinger und Willi Steiger vorbereitet. Sie holten die beiden sowjetischen Gefangenen, die sie seit Wochen versteckt gehalten hatten, und fuhren mit ihnen in einem beschlagnahmten Pkw dem sich in Richtung Grabow wieder zurückziehenden Fahrzeug der Roten Armee hinterher. Sie erreichten die sowjetischen Truppen bei Reesdorf und konnten mit Hilfe ihrer beiden russischen Dolmetscher ihr Anliegen, die Stadt Burg kampflos zu übergeben, vortragen."

Unter den Gästen am Montag war auch Hedi Jäger, die 1945 als 19-Jährige den Einmarsch der Roten Armee am 5. Mai in Burg miterlebte. "Die Soldaten kamen durch die Grabower Straße", erinnert sich die fast 90-jährige Zeitzeugin.

Neben vielen Mitgliedern des Burger Stadtrates und Interessierten nahmen an der Enthüllung der Gedenktafel auch Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und der Landtagesabgeordnete Harry Czeke (Die Linke) teil.

Die Einweihung der Gedenktafel erfüllte besonders Christina Kuhlwilm, Elisabeth Lorenz und Bodo Eisbein mit Genugtuung, die als Familienangehörige der ehrbaren Männer der ersten Maitage des Jahres 1945 eingeladen waren.

   

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