Den Fuß vor dem Ortseingangsschild nur vom Gaspedal nehmen und nicht bremsen? In Menz, Vehlitz und Wahlitz mahnen die Geschwindigkeitsanzeiger ein angemessenes Tempo an. Die Stadt hat ihre Daten erstmals ausgewertet.

Gommern l Die gute Nachricht zuerst: Die meisten Kraftfahrer halten sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit, passieren die Messstellen mit maximal 55 km/h. Auf der anderen Seite wurden Raser gemessen, die mehr als 100 km/h über dem Limit lagen. An einem Sonntag waren es 163 km/h in Vehlitz, sogar 165 km/h an einem Dienstag in Menz. In Wahlitz betrug die höchste gemessene Geschwindigkeit immer noch 148 km/h.

Die erste Auswertung der Daten der im Herbst 2014 installierten Geschwindigkeitsanzeiger stellte Ines Teubner, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes, den Mitgliedern des Ordnungs- und Sozialausschusses vor.

Dass ein Auto- oder Motorradfahrer mit 132 km/h vom Wahlitzer Geschwindigkeitsmesser in Richtung Magdeburg registriert wurde, wo doch unmittelbar dahinter die scharfe Kurve der B 184 folgt, darauf machte SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Schmidt aufmerksam.

Vorschlag: Gerät an der Magdeburger Straße

Neben den Spitzengeschwindigkeiten geben die Daten auch Auskunft über das Verkehrsaufkommen, das besonders auf der B 184 riesig ist. Rund 860 000 Fahrzeuge wurden bis zur ersten Auswertung gezählt. Frauke Wambach (Die Linke) griff die Diskussion vom Runden Tisch "Perspektive Jugend" im April auf und regte einen Geschwindigkeitsanzeiger auf der Magdeburger Straße nahe des Schulzentrums an. Dass es dort keine Straßenlaternen gibt, an dem die Anzeiger wegen des benötigten Stromes montiert werden, betrachtete im Ausschuss niemand als große Hürde. Die Voraussetzungen könnten dort geschaffen werden. "Für die Sicherheit der Kinder finde ich das wichtig", sagte Frauke Wambach.

Für Prödel teilte der Ausschussvorsitzende und Ortsbürgermeister Jürgen Michalek (CDU) mit, dass ein Tempo-Info-Gerät nicht benötigt werde. Die Ortseingänge hätten entweder Kurven oder einen so schlechten Straßenzustand, dass aufs Gaspedal zu drücken keine Option sei.

In Wahlitz an Forderung nach Ampel dranbleiben

Für Wahlitz sieht Walter Schmidt durch die Daten die Forderung nach einer Fußgängerampel bestätigt. Das Argument, das zu wenige Menschen die Straße überqueren wollten, sei nicht stichhaltig. Er erinnerte an den Radweg zwischen Gommern und Wahlitz, den es lange Zeit auch nicht hatte geben sollen, weil die Strecke nicht frequentiert sei. Heute werde der Radweg sehr gut genutzt.

Zugleich machte sich Walter Schmidt Sorgen wegen der Zahl an Kraftfahrern, die mit 60 km/h oder schneller durch die Ortschaften fahren. Auch das seien Zehntausende.

Hier könnte die Polizei mit Geschwindigkeitskontrollen helfen, regte Jürgen Michalek an. Die Auswertung der Daten der Geschwindigkeitsanzeiger werde auch der Polizei zur Verfügung gestellt, informierte Ines Teubner.

Die Geschwindigkeitsanzeiger in Nedlitz und der Nordhausener Straße in Gommern, die erst später installiert wurden, sind noch nicht ausgewertet worden. Die Daten für alle Anzeiger will die Stadt künftig regelmäßig zur Verfügung stellen.