Als "sehr angenehm und informativ" lobte die Kommission des 9. Landeswettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft" gestern die Vorstellung Nedlitz`. Zwei Stunden lang führten Ortsbürgermeisterin Christine Becker und ihr Team die Jury durch den Ort, der das Jerichower Land im Wettbewerb vertritt.

Nedlitz l Ortschaftsrätin Renate Radünzel trug den Ordner mit den historischen Ansichten. Vor der Gaststätte Peter Frankenfeld, der Villa oder am Kirchplatz kamen die alten Aufnahmen zum Einsatz. Die Jury-Mitglieder konnten sich beim Vergleich von Gestern und Heute ein Bild davon machen, wie sich Nedlitz entwickelt hat und sich doch treu geblieben ist.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren auch wichtige Stichpunkte von Ortsbürgermeisterin Christine Becker, als sie Nedlitz zur Begrüßung vorstellte: ein verkehrstechnisch günstig gelegenes Dorf mit 670 Einwohnern, das stolz auf seine vielen ehrenamtlich engagierten Bürger ist. "Unser Miteinander zeichnet sich durch ein hohes Maß an Ehrenamtlichkeit aus." Dass die Ortschefin damit nicht übertrieb, merkten die Frauen und Männer beim Rundgang. Wo sie auch hinkamen, fast alle Gesprächspartner übten ihre Aufgabe in der Freizeit aus.

Wie der Rundgang von der Begrüßung über die Vorstellung der einzelnen Stationen bis zur kurzen Auswertung abzulaufen hatte, war fest vorgeschrieben. Da konnte kein Ort aus der Reihe tanzen, für alle 109 galten die gleichen Bedingungen.

In Nedlitz war das Feuerwehrgerätehaus der Ausgangspunkt, das zugleich als Bürgerhaus und Gemeindebüro dient. "Wir sind technisch auf einem guten Stand", sagte Ortschaftsrat und Feuerwehrmann Marian Weimann. Neben den 27 aktiven Kameraden in der Nedlitzer Ortswehr zählt die Kinder- und Jugendabteilung derzeit acht Mitglieder. Die reiche Pokalsammlung der Nedlitzer Feuerwehrleute wurde von der Jury bestaunt, obwohl nicht explizit darauf aufmerksam gemacht wurde.

"Wir sind sehr stolz darauf, dass die Anwohner die Pflege der öffentlichen Grünflächen übernommen haben", sagte Gunnar Hildebrand. Der stellvertretende Ortsbürgermeister war mit einem Mikrofon ausgestattet und führte die Gruppe durchs Dorf. "Wie schafft man das?", erkundigte sich ein Jury-Mitglied. "Man muss die Leute einfach ansprechen." Letztlich gefalle es allen, wenn es ordentlich im Dorf aussehe. Er verwies auf den Pfarrgarten, der mit seinem alten Baumbestand zu den grünen Oasen im Ort zähle.

Anita Napiontek vom Gommeraner Bauamt stellte den Ausbau der Seitenanlagen entlang der Ortsdurchfahrt vor - inklusive der Querungshilfen, die gestern Nachmittag mehr als einmal benutzt wurden - und sprach dabei die Barrierefreiheit an, auf die geachtet worden sei.

Vorbei an den alten Schnitterhäusern, die auch nach ihrer Sanierung ihr urtümliches Aussehen behalten haben, lief die Kommission in Richtung Sportplatz. Margrit Jarzambowski nahm die Gruppe in Empfang, stellte den 1999 gegründeten SV Germania Nedlitz mit seinen vier Abteilungen und 141 Mitgliedern vor. Auf dem Rasen leuchteten die Stangen und Kegel, mit denen die Jungen und Mädchen gerade für den MALIG (Mein Alter laufe ich gern) trainieren, der am Montag zum neunten Mal in Gommern ausgetragen wird.

An Spielplatz und Hartplatz vorbei ging es in Richtung Erinnerungsstätte. "Bei der Generalprobe hatte das noch geklappt", stellten die Nedlitzer fest, als sie merkten, dass keiner den Schlüssel für das Tor dabei hatte. Aber eine Verzögerung kam gar nicht zustande. Sie zeigten den Besuchern den Brockenblick, den man von der höchsten Stelle des Ortes hat, und dann war auch schon der Schlüssel da und das Tor offen.

"Das ist unsere Arbeitskleidung", sagte Prof. Dr. Eberhard Aepler, der die Jury im Namen der in Umhängen und Hüten gekleideten Ortschronisten an der Erinnerungsstätte begrüßte. Er schilderte wichtige Eckpunkte der Nedlitzer Geschichte und den unbedingten Wunsch mit dem Mahnmal "an all die Menschen zu erinnern, die unter den Kriegen gelitten haben".

Mit einem alten Luftbild konnte Rolf Garber der Kommission sehr deutlich den Wandel von Stall- zur Grünanlage direkt gegenüber des Sportplatzes zeigen. Das private Engagement Rolf Garbers für die Fläche sei gar nicht hoch genug zu schätzen, betonte Gunnar Hildebrand. Die Amtswiese mit Rodelberg ist ebenso eine grüne Oase, die zum Verweilen einlädt.

Mit dem Bus ging es weiter zur Straußenfarm, wo sich die Jurymitglieder gern länger aufgehalten hätten, aber der Zeitplan drängte. Kita-Leiterin Silke Mohr stellte ihre Einrichtung mit den 40 Kindern und fünf Erziehern vor. Für die nächsten Jahre lägen schon diverse Anfragen vor, so dass sich die Kita um ihren Bestand keine Sorgen machen muss.

Renate Bademer gab in der Heimatstube einen Überblick über die einzelnen Gruppen und ihre Aufgaben, sich die Dauer- und Sonderausstellung (zum Spielzeug) anzuschauen, blieb jedoch keine Zeit.

"Wenn wir was an der Kirche machen, haben wir die Nedlitzer hinter uns", sagte Dr. Peter Weber als Vorsitzender des Fördervereins Kirche St. Nikolaus Nedlitz. Er erklärte die bauliche Rettung des Gotteshauses und die Ausstellung zu Tod und Begräbniskultur sowie die Nedlitzer Mumien, die sich inzwischen schon mehr als 2000 Besucher angesehen haben.

Letztlich schafften die Nedlitzer eine Punktlandung. Nach genau zwei Stunden beendete Christine Becker mit einem Dankeschön an alle Beteiligten den Rundgang. Und Johannes Wesselmann sprach für die Jury von einem "sehr angenehmen und informativen" Aufenthalt in Nedlitz, einem Dorf mit Zukunft. "Daran haben wir keinen Zweifel."

Wie Nedlitz allerdings abschneiden wird, ob eine Chance besteht, das Jerichower Land und Sachsen-Anhalt beim Bundeswettbewerb zu vertreten, dazu konnte er gestern Nachmittag noch nichts sagen. Die Auflösung gibt es am 29. August in Diesdorf.

   

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