Grundlegend ändern wird sich das Abfallent- sorgungs-System unseres Landkreises ab 2017. Wie in den meisten anderen Regionen wird es ein Chipsystem geben (Volksstimme berichtete Donnerstag), bei dem die Menschen außer eine Grundgebühr nur die Tonnen bezahlen, die tatsächlich geleert werden.

Burg/Genthin l Nach unserer Berichterstattung "Ungerecht. Unflexibel. Überteuert" vom Donnerstag gab es eine intensive Leserdiskussion. Viele Anrufer begrüßen die geplante Einführung eines gerechteren Chipsystems. Andere ärgern sich, dass sie offensichtlich über viele Jahre hinweg zu hohe Müllgebühren bezahlt haben.

Evelin Fabricius, Wahlitz:

Wir sind ein 2-Personen-Haushalt und trennen natürlich den Müll wie es sich gehört, dann ergibt sich natürlich für die Restmülltonne bei uns manchmal zwei Drittel Luft, die wir aber wie jeder andere, dessen Tonne bis zum Rand gefüllt ist, voll bezahlen.

Da fände ich das geplante System mit dem Chip ganz prima. Was den Grünschnitt betrifft, dazu muss mal gesagt werden, dass viele Hausmeister- und Gartenbaufirmen Grünschnitt genau wie wir Kleinverbraucher auf dem Grünschnittplatz unentgeltlich abladen. Da bin ich der Meinung, das müsste mehr kontrolliert werden, diese Firmen haben dafür zu bezahlen. Es kann doch nicht sein, dass das alles auf den Schultern der Kleingärtner ausgetragen wird.

Der Kleingärtner hat darunter zu leiden, viele ältere Menschen können ihren wenigen Grünschnitt nicht mal eben mit dem Auto in eine entfernte Annahmestelle bringen.

Ein anderes Problem ist die gelbe Tonne, die ist in vielen Fällen nicht ausreichend, da liegen dann wieder Säcke daneben. Der vierwöchige Zeitabstand für deren Abholung ist zu groß.

Jutta Sohl, Burg:

Da gibt es doch tatsächlich Politiker, die sich im Umweltausschuss die Frage stellen, warum das Grünschnittaufkommen innerhalb von vier Jahren um das Fünffache gestiegen ist. Tatsache ist, vor vier Jahren wurde das Verbrennen von Grünschnitt durch den damaligen Landrat Lothar Finzelberg verboten, selbiger tönte, den Grünschnitt an kostenlosen Sammelplätzen oder über kostenlose Grünschnittcontainer zu entsorgen. Seit dem 16. April sind die kostenlosen Grünschnittcontainer durch den jetzigen Landrat ersatzlos gestrichen. In Stendal wird das neue Abrechnungssystem bereits praktiziert, aber dort dürfen Gartenfreunde die nichtkompostierbaren Grünschnittabfälle verbrennen und haben die Möglichkeit, kostenlos Grünschnitt in Sammelstellen und bereitgestellten Containern zu entsorgen. Also, warum nicht im Jerichower Land?

Manfred Hochmuth, Parey:

In Sachsen haben die Mülltonnen einen Barcode und der wird beim Abholen eingelesen, bezahlt wird also nur was anfällt. Für private Grundstücke ist dies optimal. Wir wohnen aber in einer Mietwohnung, unsere Müllkübel sind für alle zugänglich. Diese Tonnen müssten mit dem neuen System abgesperrt werden. Unser Wohngebiet bewohnen vor allem ältere Mieter, da ist mir aufgefallen: 6-jährige Kinder können zwischen gelb, blau, braun und schwarz selektieren, die Leute mit der 0 hinter der 6 offensichtlich nicht. Soeben hat ein Mitmieter eine komplette Schubkarre Grünzeug in der schwarzen Tonne entsorgt. Er meinte: wohin denn sonst?

Kartoffelkraut wird seit Jahrhunderten auf dem Feld verbrannt. In unserer ländlichen Region sollte man das Verbrennen von Gartenabfällen in einem definierten Zeitraum gestatten.

Gudrun Grosch, Genthin:

Wir sind entsetzt, dass die Grünschnittplätze geschlossen werden sollen. Viele Anwohner hier in Genthin Süd befürchten, dass dann diese Abfälle im Wald entsorgt werden. Problem der Grünschnittplätze ist, dass sie von gewerblichen Nutzern missbraucht werden. Diese Plätze müssten also kontrolliert werden, gern auch mit festen Zeiten zur Anfuhr. Die braunen Tonnen reichen für den gesamten Bioabfall nicht aus.

Dietmar Wegemann, Körbelitz:

Ich habe vor einigen Tagen wieder eine halbleere schwarze Tonne rausgestellt. Aber ich bezahle eine ganze. Es wird Zeit, dass das Chipsystem endlich eingeführt wird. Damit werden die Menschen über die Gebühren erzogen, ihr Altglas tatsächlich in der entsprechenden Tonne zu entsorgen. Mich ärgert, dass ich für Grünschnitt bezahle, obwohl ich keinen habe. Diese Plätze sollten abgeschafft werden.

Kerstin Stellmacher, Burg:

Herr Bernicke fragte im Ausschuss, warum die Grünschnittmenge so drastisch gestiegen ist. Diese Frage kann ich beantworten: Herr Finzelberg hat uns 2011 die Gartenfeuer sehr kurzfristig verboten. Deshalb die Steigerung. Da reicht die Biotonne nicht mehr aus. Für die Grünschnittentsorgung muss eine kostenlose Entsorgungs-Möglichkeit gefunden werden, entweder Gartenfeuer oder Grünschnittplätze.

Christel Seidel, Burg:

Jeder soll den Müll bezahlen, den er verursacht. Die Grünschnittplätze gehören abgeschafft. Es kann doch nicht so schwer sein, den Bioabfall in die braune Tonne zu werfen.

Annemarie Ruddies, Burg:

Das derzeitige System ist ungerecht. Ich habe keinen Grünschnitt und keinen Sperrmüll, muss aber trotzdem dafür bezahlen. Wer seine Tonnen korrekt bestückt, kann sehr viel Geld sparen.

Barbara Bester, Burg:

Ich plädiere für die Umstellung auf das neue Chipsystem. Allerdings würde mich interessieren, wie das dann in Neubaugebieten geregelt wird. Die Grünschnittplätze müssen auch weiterhin erhalten bleiben, jedoch muss die Anfuhr kontrolliert werden.

Heinz Herbst, Möckern:

Wer Müll verursacht, muss dafür zahlen. Viele Menschen und Initiativen plädieren seit Jahren für das Verursacherprinzip, inklusive Unterschriftenlisten. Doch beim Landkreis ist ein solches Ansinnen immer ziemlich arrogant abgewiesen worden. Es ist doch unfassbar, dass unsere Abfallgebühren innerhalb weniger Jahre um fast 100 Prozent gestiegen sind. Die Grünschnittplätze sollten verbleiben, müssen aber kontrolliert werden. Die Biotonnen reichen oft nicht aus.

Gerhard Eichner, Güsen:

Wir haben 2008 eine Liste mit 600 Unterschriften vorgelegt, sind aber von Herrn Girke vertröstet worden. Mit dieser Liste haben wir in etwa das gefordert, was jetzt endlich durchgesetzt werden soll. Es ist eine riesengroße Schweinerei, dass wir jahrelang zu viel Geld bezahlt haben. Eine Bürgerinitiative hat sich vor Jahren im Kreistag über zu hohe Gebühren beschwert, sie ist vom damaligen Landrat verhöhnt worden. Die Einwohner des Landkreises sind jahrelang betrogen worden.

Gerhard Groneberg, Schartau:

Alle wissen, dass unser Entsorgungssystem überteuert ist. Alle wissen, dass die Grünschnittplätze auch von Firmen und Kommunen zu Lasten der Allgemeinheit genutzt werden. Und trotzdem braucht der Landkreis eine teure Anwaltskanzlei, die genau zu diesem Ergebnis kommt. Wie oft hat Herr Girke in den vergangenen Jahren diese überteuerten Verträge verteidigt? Wir erfahren, dass wir fast das höchste Müllaufkommen in Sachsen-Anhalt haben. Aber woher kommen diese Zahlen? Wer wiegt unseren Müll? Sind es Schätzungen oder Hochrechnungen? Wer profitiert denn von einem vermeidlich hohen Abfallaufkommen. Jahrelang haben die Menschen für leere Tonnen teure Rechnungen bezahlt.