Mit einer Festveranstaltung wurde in der vergangenen Woche das 20-jährige Bestehen des Gesteinsgartens Gommern gefeiert. Mehr als 250 Steine sind auf der Ausstellungsfläche am Kulk zu sehen.

Gommern l Eine "verrückte Idee" sei der Gesteinsgarten Gommern anfangs gewesen, blickte Vereinsvorsitzender Klaus Schulze zu Beginn der Festveranstaltung im Robinienhof zurück. "Vor 20 Jahren war nicht abzusehen gewesen, dass sich der Gesteinsgarten mal so ausbreitet." Wie viele Steine es genau am Kulk zu entdecken gibt, weiß im Moment keiner so richtig. Der Verein hat niemanden mehr, der darüber Buch führt, und alle Versuche des Vorsitzenden, die Strecke abzulaufen und selbst nachzuzählen, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt, wie Klaus Schulze berichtete: "Immer trifft man jemanden und dann kommt man nicht zum Ende".

Der Quarzit, der am Freitagabend zu Beginn der Festveranstaltung feierlich eingeweiht wurde, könnte ungefähr Stein Nummer 255 oder 256 sein. Der Stein aus einer Braunkohlelagerstätte ist Hans Klauß gewidmet. "Der hätte ihm bestimmt gefallen", sagte Klaus Schulze über den inzwischen verstorbenen Mitstreiter, der großen Anteil am Gesteinsgarten hat. "Wir haben Hans sehr, sehr viel zu verdanken." Er habe den Großteil der Steine herangeschafft.

Die Festveranstaltung nutzte der Vereinsvorsitzende, um sich bei allen, die zum Erfolg des Gesteinsgartens beigetragen haben, zu bedanken. Ob es Firmen sind, die beim (aufwendigen) Transport der Steine helfen. Oder Geldgeber, die den Verein unterstützen.

Wie bei allen Dingen im Leben liegen auch beim Gesteinsgartenverein Freude und Kummer dicht beieinander.

So kann sich der Verein bei seinen Veranstaltungen nie über eine mangelnde Resonanz beklagen, aber unter den Mitgliedern fehlt der Nachwuchs. "Es zeichnet sich nicht ab, dass wir eine jüngere Generation finden, die für den Gesteinsgarten Verantwortung übernimmt", sagte Klaus Schulze.

Dabei sei bei Kindern die Begeisterung für Steine riesig, wandte sich Landrat Steffen Burchhardt in seinem Grußwort an die Vereinsmitglieder und erzählte von seinen kleinen Söhnen, für die jeder Stein, der etwas besonderes habe, ein Edelstein sei.

Die größte Gesteinssammlung unter freiem Himmel in Deutschland, vielleicht sogar in Europa hebe die touristische Bedeutung der Stadt, betonte Bürgermeister Jens Hünerbein, der das Ensemble am Kulk lobte und eine "Arche Fürstengrab" analog zur "Arche Nebra" ins Gespräch brachte, denn: "Visionen braucht man immer".

Jens Hünerbein sprach die Bedeutung des VEB ZRAW und des Kombinats Erdöl/Erdgas für Gommern an. "Ohne den Industriezweig zu DDR-Zeiten wären wir heute ein Wohn- und Schlafdorf wie Biederitz oder Möser vor den Toren Magdeburgs." Da der Stadtchef mit seiner Verwechslung von Basalt und Bauxit vor einem Fachpublikum eine Wissenslücke offenbarte, meldete er sich freiwillig an, den Landrat bei seinem geführten Rundgang durch den Gesteinsgarten zu begleiten. Die Führung hatte sich Steffen Burchhardt für einen seiner nächsten Aufenthalte in Gommern gewünscht.

Dr. Klaus Erler aus Berlin rundete mit seinem kurzweiligen Vortrag über seine Exkursion nach Bolivien die Festveranstaltung ab.

Für den Experten war die kräftezehrende Reise (allein 25 Stunden Flugzeit, Höhenlage, ungewohnte Ernährung, Kälte) in das Bergbauland ein besonderes Erlebnis: "Einige Mineralien auf der Welt gibt es nur in Bolivien und von einigen gibt es nur dort die beste Qualität", schilderte er. Seine Zuhörer fühlten sich bestens unterhalten, wenn er erzählte, dass man statt Blumen als Gastgeschenk lieber zwei Stangen Dynamit mitbringe, dass jedes Bergwerk eine Kammer mit einem Teufel habe, dem Gaben dargeboten werden, damit in der Grube nichts passiere und dass man bei den Steinfunden besser nicht raffe. "Schließlich muss man damit von Bolivien noch bis nach Hause fliegen."

Der nächste Stein für den Gesteinsgarten - ein Phylit, dessen Miniaturausgabe unter den Besuchern herumgegeben wurde - steht übrigens für den Abstransport bereit.

Bilder