Die Niegripper wollen, dass nach acht Jahren endlich wieder eine Straße im Ort ausgebaut wird: die Feldstraße. Eine Prioritätenliste aus der Stadtverwaltung zu Investitionen sieht keinen Spielraum bis zur Landesgartenschau 2018. Gibt es eine Chance über das Stark V-Landesprogramm?

Niegripp/Burg l "Seit 20 Jahren kämpfe ich um den Ausbau der Feldstraße. Da sterbe ich wohl drüber hinweg." Anwohner Werner Pitschmann ist erstaunlich ruhig, aber sauer. Der heftige Regenguss am frühen Dienstagabend hat die Misere der Feldstraße in Niegripp offenbart, just zu dem Zeitpunkt, als die SPD-Stadtratsfraktion ihre auswärtige Sitzung mit dem Ortschaftsrat in Niegripp und einem Ortsrundgang begonnen hatte. Es ging nur mit dem Auto und einzelnen Ausstiegen, etwa an Kita und Schule und in der Feldstraße.

Über mehrere hundert Meter steht die Buckelpiste unter Wasser, mit Inseln dazwischen. Ein Graben, der das Wasser ableiten soll, ist kaum noch da oder das Wasser staut sich. Bei Pitschmanns droht, das Wasser aufs Grundstück zu laufen. Das passiert immer mal wieder. "Einmal lief der Keller voll. Die Feuerwehr musste das Auspumpen abbrechen, weil sonst das Haus drohte nach unten wegzusacken", berichtet Pitschmann.

"Wenigstens die Feldstraße muss kommen", fordert Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa für seine Niegripper. Seit acht Jahren ist am Straßennetz im Ort nichts passiert. Die Straße ist wichtiger Zubringer zur Hauptstraße. Elf Straßen in Niegripp sind nicht gemacht, das ist die Hälfte aller Straßen.

"Die Prioritätenliste der Stadt ist erbärmlich", feuert der Niegripper Stadtrat Ulf Möbius eine Breitseite ab. Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) zuckt zusammen. Die Stadtkasse ist klamm. "Das Land sagt uns, wir sollen uns auf die Laga fokussieren. Ohne Fördermittel geht da gar nichts." Vier Laga-Projekte bis 2018 stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Dann kommt die Feldstraße. Der Bauausschuss hat den Vorschlag der Verwaltung jetzt das erste Mal gesehen.

SPD-Fraktionschef Heiko Jerkowski wiegt mit dem Kopf. "Da muss was passieren, was kann man machen?" Die Fraktion will die Feldstraße - wenn möglich, macht er deutlich.

Rehbaum sagt zu, über das Stark V-Programm auszuloten, ob für die Feldstraße was machbar ist und wann.

"Ohne eine Planung brauchen wir den Bürgern nicht kommen", betont Möbius. 90 Prozent der Straßenkosten werden die Anwohner tragen müssen. Bei mehreren hundert Meter Straße wird das happig.

"Niegripp ist der Ort mit dem größten Potenzial", sagt Summa. "Wir wollen Menschen hierherziehen. Das ist gut für Burg. Ohne Infrastruktur geht das aber nicht."

In Niegripp sei einiges geschehen, hält Rehbaum dagegen. Die sanierte Turnhalle, jetzt soll der Kita-Ersatzbau kommen. Im Juni wird der Antrag auf Förderung dazu eingereicht, kündigte Rehbaum an.

"Vor sechs Jahren war ich das erste Mal als Rat hier, da sah die Kita schon schlecht aus", sagt Stadtrat Otto Voigt aus Reesen. "Die Kita muss eure oberste Priorität sein."

"Ist sie, ist sie", nicken die Niegripper energisch.