Der Campingplatz Niegripper See mausert sich. Das Saisondomizil vieler, vor allem Magdeburger Dauercamper wird zunehmend auch von Rad- und Bootstouristen entdeckt. Elberadweg und Kanal lassen grüßen. Betreiber Andreas Paßlack stellt sich darauf ein. Noch vor einigen Jahren stand der Platz vor dem Aus.

Niegripp l "Es ist wichtig, wenn die Leute jedes Jahr wiederkommen, weil sie sich wohlfühlen, und dazu immer noch einige neue dazu." Andreas Paßlack schmunzelt, während er dies sagt. Seit 2011 ist er Eigentümer und Betreiber des Campingplatzes am Niegripper See. "Damals lag er am Boden."

Zum Campingplatz kam der Burger Unternehmer ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde. "Es war eine Schnappsidee", erinnert er sich. "Mit einem Freund und Geschäftspartner waren wir mit dem Boot auf dem See unterwegs, da kamen wir drauf." Das ist nun schon vier Jahre her. Inzwischen ist Paßlacks Frau mit eingestiegen. Sie hat Tourismus studiert. Das passt.

Der See, aus einem Kiesloch entstanden, und der sechs Hektar große Campingplatz haben etwas. Es ist überschaubar, naturbelassen. Es geht familiär zu. "Wo gibt es das noch, dass ich mit meinem Campingwagen mit Blick aufs Wasser stehen kann?", sagt Paßlack. Wer hierher kommt, weiß genau dies zu schätzen.

Bis zu 17 Meter ist der See tief, auf der Campingplatzseite um die drei bis fünf Meter. "23, 24 Grad Wassertemperatur schaffen wir so im Sommer", schätzt Paßlack. "Jetzt sind es etwa 17, gefühlt wahrscheinlich weniger."

Etwa 80 der 100 Dauercampingplätze hat Paßlack an einen Camperverein verpachtet. 35 weitere Plätze hält er für Touristen bereit, die vorbeikommen. Vom nahen Elberadelweg findet zunehmend Kundschaft ihren Weg hierher. "Australier waren hier, Neuseeländer, Koreaner. Die fahren alle die Elbe hoch und runter." Paßlack freut es.

Und da ist die Wasserfront. Paßlack hat einen Bereich mit Bootsanlegeplätze eingerichtet. Die Nachfrage wächst. Am Sonnabend hat er wieder mehrere Anfragen. Über den Elbe-Havel-Kanal kommen immer mehr Touristen, die Liegeplätze suchen. "Von den Nachfragen her könnte ich den ganzen Uferbereich ausbauen. Dann würde aber die Natur verschwinden. Das wollen wir nicht", sagt Paßlack. Dennoch wird er im Herbst den bestehenden Anleger doch noch etwas erweitern. "Wir achten darauf, dass es ruhig bleibt."

Was auf dem Campingplatz finanziell reinkommt, fließt auch wieder hinein. In den letzten Monaten hat Paßlack erstmal die sanitären Anlagen mit Duschen, Toiletten, Waschmaschinen und Küche von grundauf erneuert. 150 000 Euro hat der Neubau gekostet. Beim Probelauf über Herrentag und Wochenende lief alles glatt. Heute um 16 Uhr wird offizielle Einweihung sein.

Ein weiterer Gewinn für den Platz und den See wird sein, dass demnächst die großen Überleitungsstrommasten verschwinden werden. Im Juni sollen die Leitungen gekappt werden. Später fallen die Masten. Sie durchschneiden das gesamte Gebiet und überspannen den See. Vor drei Jahren gab es auf dem See einen tödlichen Unfall. Ein Bootsführer starb, weil er mit seinem neuen Boot, das höhere Masten hatte, die tiefhängenden Hochspannungsleitung nicht bedachte und dagegen kam. Paßlack ist noch heute tief betroffen.

"Es ist gut, dass die Leitungen verschwinden", sagt er. Es klingt fast so, als würde er sich wünschen, sie wären schon weggewesen, bevor dieses Unglück damals passierte.

Zum Campingplatz, der in der Regel von Ostern bis weit in den September hinein geöffnet ist, gehört ein Badestrand, er ist unbewacht, es gibt keinen Rettungsschwimmer. Eintritt wird nicht kassiert. Im Mai 2013 haben sein Bruder Stephan und er fünf Kinder hier vor dem Ertrinken gerettet. Sie hatten sich unerlaubt ein Tretboot genommen. Es war defekt. Sie kenterten über 30 Meter draußen auf dem See. Paßlacks holten die Kinder unter Gefahr fürs eigene Leben aus dem Wasser. In der Hektik danach verschwanden die Kinder. Paßlack: "Wir haben nie wieder etwas von ihnen gehört."