Nicole Westphal und Klaus-Dieter Engel sind die neuen Könige der Burger Schützengilde. Beide haben das Königsschießen vor einer Woche in der Waldhalle mit Kleinkalibergewehren gewonnen und sind am Freitag in der Stadthalle standesgemäß proklamiert worden.

Burg l Liebespärchen bekommen zur Silberhochzeit eine große Sahnetorte - Schützen freuen sich nach 25 Jahren über Urkunden, Pokale, Dudelsackmusik und majestätische Scheiben für die Hauswand. Im Gegensatz zu den Hochzeitsleuten veranstalten die Schützen keine Feier, sondern feiern zwei Tage lang ein Fest mit dem Schützenball in der Stadthalle als Höhepunkt.

Ein 25-jähriges Jubiläum ist natürlich auch Anlass für einen Rückblick. Vorsitzende Swinda Eggert erinnerte an die Wiedergründung des Vereins am 28. Mai 1990: "30 Leute aus Burg haben die Schützengilde aus der Taufe gehoben."

Zu ihnen gehörte Otto Tamler. Der 74-jährige pensionierte Lehrer war im selben Jahr auch erster Schützenkönig mit dem Luftgewehr. Am Freitag sagte er zur Volksstimme: "Das alles kann man in unserer Chronik nachlesen, die ich gemeinsam mit Swinda Eggert zum 20-jährigen Bestehen der Gilde zusammengestellt habe." Darin steht, dass Reimund Meyer der erste Vorsitzende war.

Zu den vielen Auszeichnungen an seiner Uniformjacke gehört ein Abzeichen des Landesverbands für 50 Jahre Schießsport.

Sowohl Eggert als auch Tamler haben die ersten Jahre des Vereins in den 90ern nicht nur miterlebt, sondern mitgestaltet. Eggert erzählt vom ersten Königsschießen 1990, "das noch ohne Schützenball stattfand". Der erste Ball folgte 1991 im leerstehenden Hermann-Matern-Haus (heute Stadthalle). Eggert sagte: "Wir waren eine kleine Truppe, aber der Anfang war gemacht."

Ein Jahr später feierte die Gilde bereits ein vier Tage langes Schützenfest im Flickschupark: "Der Wirt hatte 54 Fässer Bier ausgeschenkt." Danach entwickelte sich der Verein prächtig, zählte zeitweise 120 Mitglieder (heute sind es 50). Die Burger richteten in den 90er Jahren mehrere Schießsport-Landesmeisterschaften aus, mit mehr als 500 Teilnehmern. Zu den Jahreshöhepunkten zählte seinerzeit der Kaiserball in Dortmund: "Dort lernten wir unsere schottischen Freunde kennen." Konkret handelt es sich um die Reading Scottish Pipe Band, die seit vielen Jahren die Burger Umzüge musikalisch begleitet. Ein Ständchen gaben sie unter anderem auch den Menschen in den Seniorenheimen Marienweg und Bethanienstraße.

Nicht so gern erinnern sich die Burger Schützen an das Jahr 1995, als die Gilde das Bürgerhaus Waldesruh an der Forststraße gekauft hatte. Zunächst hatte die Mitglieder sehr viel Fleiß und Engagement in das Grundstück investiert. Doch danach entwickelte sich die Wirtschaft zu einem finanziellen Desaster. Eggert: "Das hat uns viele Mitglieder gekostet. Wir hatten sehr viel Pech mit den Pächtern." Erst vor acht Jahren hat der Verein dieses Kapitel mit dem Verkauf beenden können.

Runde 18 Jahre ist es her, dass die Bogenschützen zur Gilde stießen. Nicht nur Swinda Eggert meint: "Ohne sie wäre unser Vereinsleben in dieser Form undenkbar." Auch die Bogenschützen haben ihre Könige ermittelt, sie heißen Dina Köppe und Peter Zimmermann (zum fünften mal in Folge).

Während die Schützen wie andere volkstümliche Vereine mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, hat Otto Tamler in Burg ganz andere Zeiten erlebt. In den 60er Jahren arbeitete der Musiklehrer an der Comeniusschule (heute Teil des Gymnasiums). Nachmittags leitete er die Arbeitsgemeinschaft Schießsport: "Ich konnte mich vor Mitgliedern kaum retten, musste sogar eine zweite Trainingsgruppe ins Leben rufen." Das alles passierte unter dem Dach der Gesellschaft für Sport und Technik, kurz GST. Tamler: "Jahresbeitrag vier Euro." Weniger ums Geld ging es für die Schützengilde am Sonnabend. Das Fest startete mit dem Empfang der Stadt in der Stadthalle. Vizebürgermeister Jens Vogler: "Der Verein kann stolz sein auf seine Mitglieder und auf seine moderne Schießsportanlage." Und: "Der Schießsport ist keine Ballerei, sondern schult Konzentration, Disziplin, Fairness und Geschick." Nach dem Eintrag ins goldene Buch der Stadt startete am frühen Nachmittag der große Umzug zum Vereinsgelände an der Forststraße. Neben dem Burger Spielmannszug war das Schalmeienorchester Parey dabei.

Bei einem Gästeschießen mit KK-Gewehren, Bogen, Armbrust und Luftdruckwaffen hatten sich viele Besucher ausprobiert. Sehenswert waren auch die Vorführungen des benachbarten Hundesportvereins.

   

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