Die Verkehrswacht Jerichower Land in Burg zeigte am Sonnabend, was sie im Angebot hat und leisten kann, auch kreisweit. Sorgenfrei ist der Verein nicht.

Burg l "Mit der Brille haben Sie einen Blick wie bei vier Bier. Das entspricht 0,8 Promille", erklärt Klaus-Dieter Behr. Der Verkehrswächter erläutert, wie "Rauschbrillen", die ein verzerrtes Sehen, wie es nach Alkoholgenuss auftritt, nachempfinden. "Bei so einer zierlichen Person dürften vier Bier noch mehr als 0,8 Promille sein", sagt Behr in Richtung Waltraud Wolff. Die SPD-Bundestagsabgeordnete hatte sich dem Test unterzogen und staunte nicht schlecht. "Da sehe ich ja gar nichts mehr."

Bei einer Rauschbrille, die 1,5 Promille simuliert, also etwa das Wohlbefinden nach dem Genuss von zwölf Bier, war dann kaum noch etwas klar zu erkennen oder richtig doppelt zu sehen. Und dann noch Auto- oder Fahrradfahren?

"Wir gehen mit dem Angebot vorrangig in die Schulen, schon 6., 7. Klasse", erläutert Klaus-Dieter Behr. "Die Kinder sollen sehen, wie sich Alkoholgenuss auswirkt. Da haben sie noch keine oder ganz wenig Erfahrung mit Alkohol. Gut ein Drittel der Kinder erreichen wir." Behr hat eine klare Position: "Alkohol gehört nicht in den Straßenverkehr. Vor allem Radfahrer sind gefährdet, für die müssten auf jeden Fall null Promille gelten."

Die Verkehrswacht Jerichower Land hatte zum Tag der Verkehrssicherheit am Sonnabend alles aufgefahren, was sie zu bieten hat. Fahrsimulator, Verkehrsgarten und vieles mehr wurden gern genutzt. "Natürlich würden wir uns immer über mehr Resonanz freuen", sagt Verkehrswacht-Chef Joachim Borghans, der sich über zahlreiche Unterstützung, auch aus der Wirtschaft und von der Polizei, freute. "Vielleicht gehen wir mit unserem Angebot auch mal in die Burger Innenstadt."

Sorgenfrei ist die Verkehrswacht nicht. "Die Politik verkennt den Stellenwert unserer Arbeit", haben er und seine Mitstreiter ausgemacht. Die Finanzierung bröckelt. Das 1996 vor Burg an der B 1 in Richtung Detershagen entstandene Gelände kostet im Jahr Betriebskosten im unteren fünfstelligen Euro-Bereich. Etwa 15 Mitarbeiter, über 1-Euro-Job und Bundesfreiwilligendienst, hat die Verkehrswacht. Die Fahrradcodierung liegt jetzt komplett in ihren Händen. Die Polizei hat sich aus Kostengründen zurückgezogen.

Hauptbetätigungsfeld ist und bleibt die Verkehrssicherheit. "Wir bieten den Grundschulen wie auch Schulen in Kreisträgerschaft einiges an", erläutert Borghans. "Doch ein richtig aufgezogenes Projekt zum sicheren Schulweg hat acht Stationen. Da brauche ich um die 12 Leute."

Zum Nulltarif geht das alles nicht. Die Verkehrswacht bietet einen solchen Aktionstag den Schulen im Kreis für vier Euro je Schüler an. Kostendeckend müssten es elf Euro sein. In Jerichow und Möckern, weiß Borghans aus eigener Erfahrung, erhielt seine Verkehrswacht eine Absage. Die Schulen dort nahmen Angebote von Verkehrswachten aus Stendal und Zerbst an. "Wie die das kostenlos stemmen können, ist mir ein Rätsel."

"Wir haben einen guten Qualitätsstandard. Den wollen wir halten, er ist nötig. Aber er lässt sich nicht über Mitgliedsbeiträge finanzieren", macht Borghans-Stellvertreter Gerhard Ritz deutlich. Er ist hoffnungsvoll, mit dem Landkreis ins Gespräch kommen zu können. Vor einigen Jahren gab der Kreis noch 5000 Euro im Jahr.

"In Burg haben wir mit der Stadt eine Vereinbarung zu dieser Finanzierung", sagt Joachim Borghans. Das wünscht er sich auch mit den anderen Gemeinden.

Auftrag und Arbeit der Verkehrswacht, gerade in Bezug auf die Schulkinder, hält Waltraud Wolff für wichtig. Sie will die Suche nach Lösungswegen nach Kräften unterstützen. Aber sie hat auch einen Rat. "Fordern Sie nicht, aber suchen Sie das Gespräch, mit dem Kreis, mit den Gemeinden. Gehen Sie in die Gremien und Ausschüsse."

   

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