Rückschlüsse über das Grundwasserverhalten in der Stadt Gommern wurden bislang nur über einen Pegel im Bereich Möckern gezogen. Dass es sinnvoller sein könnte, die Grundwasser-Beobachtungen der Gommeraner Bürger zu sammeln und den Experten zur Verfügung zu stellen, meint der Gommeraner Reiner Vonend. Der beim ehemaligen VEB ZRAW zuständige Mann für die Trinkwasserversorgung hat seine Beobachtungen und die anderer bereits der Stadtverwaltung vorgelegt.

Gommern. Vor Jahren hatte Reiner Vonend gemeinsam mit Dr. Gerhard Hünerbein Beobachtungen zur Höhe der Stadt Gommern über dem Meeresspiegel dokumentiert und so verdeutlicht, welche Bereiche im Falle eines Hochwassers gefährdet sind und welche nicht.Aus ihrer Arbeit reifte die Erkenntnis, dass künftig keiner mehr auf die Idee kommt, bei Hochwasser das ausreichend hoch liegende Fachkrankenhaus Vogelsang zu evakuieren.

Die jüngsten Bestrebungen des Gommeraners konzentrieren sich auf eine Flut, die die Ehlestadt von "unten" bedroht: das steigende Grundwasser. Hierzu stellte der frühere Wirtschaftsförderer der Stadt Überlegungen an, was das Grundwasser "früher" und "heute" betrifft. Aus Beobachtungen vieler Grundstücksbesitzer in Gommern ließe sich möglicherweise ein konkreteres Bild zeichnen, als es die Ableitungen des "Möckeraner Pegels" bisher erlauben.

Möckern-Pegel muss für Gommern nicht gelten

Dieser Vorschlag Vonends, die Beobachtungen der Bürger zu sammeln und von Experten auf Landesebene wissenschaftlich bewerten zu lassen, deckt sich mit dem inzwischen auch von der Landesregierung erfolgten Aufruf. Das Land hat inzwischen Arbeitsgruppen gebildet, die sich der Grundwasser-Problematik widmen sollen (Volksstimme berichtete). Auch listet Reiner Vonend Fakten zum früheren Umgang mit dem Trinkwasser in der Ehlestadt auf. Seine Bemerkungen legte der ambitionierte Gommeraner nun dem Bürgermeister der Stadt Gommern, Wolfgang Rauls, vor.

Es gibt in Möckern eine Grundwassermessstelle, von deren Werten Rückschlüsse auf die Pegel in Gommern gezogen werden. Nach Einschätzung Vonends ist dies problematisch, "da zwischen Dornburg, Gommern und Nedlitz möglicherweise völlig unterschiedliche geologische und hydrologische Gegebenheiten zu verzeichnen sind". Diese Einschätzung wurde auch im Stadtrat Gommern geteilt, als es um das Thema ging.

85 Zentimeter mehr im Naherholungsgebiet

In einem Schreiben führt Reiner Vonend etwa auf, dass im Bereich der Seen im Naherholungsgebiet allein in der Zeit von Sommer 2010 bis Januar 2011 um etwa 85 Zentimeter gestiegen sei. Beim Bau von privaten Abwasseranlagen in der Karl-Marx-Straße in der Gommeraner Innenstadt waren im Jahr 1992 noch Grundwasserstände von drei Metern gemessen worden, inzwischen steht das Wasser 54 Zentimeter unter der Grundstücksoberkante.

Aufschlussreiche Zahlen gibt es auch aus dem Bereich der Gommeraner Gartensparte "Weinberg", die nur etwa 500 Meter entfernt von der ehemaligen Wasserentnahmestelle des VEB ZRAW liegt (siehe Kasten). Hier führte der langjährige Sparten-Vorsitzende Armin Pohl eine sporadische aber sehr interessante Statistik. Er notierte für seinen Garten bereits seit dem Jahr 1968 einen absoluten Anstieg des Grundwasser-Pegels um 1,55 Meter.

Solche Erkenntnisse sollen nun gesammelt werden. "Vielleicht haben weitere Bürger in Gommern solche Aufzeichnungen geführt", regt Reiner Vonend an.