In Gustav-Adolf Schurs Heimatort Heyrothsberge gab es aus Anlass des 80. Geburstages der Radfahrlegende einen Empfang. Rund 50 Gratulanten waren gekommen: Freunde, Wegbegleiter, Parteigenossen, Ratsmitglieder, Feuerwehrleute, Nachbarn...

Biederitz/Heyrothsberge. So viele gute Wünsche, so viele Geschenke, so viele Gratulanten und so viele Blumen - Gustav-Adolf Schur ist in seiner Bescheidenheit überwältigt. In den letzten Tagen - sein Geburtstag war bereits am 23. Februar - wollten die Empfänge, Presseanfragen (über 30) und Besuche gar kein Ende nehmen. Doch jetzt sei er in seinem Heimatort und sagt, dass er eine solche Runde in seinem Ort zu seiner Ehrung noch nicht erlebt habe. Und er sei in voller Erwartung, was zu seinem 90. und zu seinem 100. Geburtstag passieren würde. Er verspricht, weiterhin gesund zu leben. Das sei ihm bei seinem Sportstudium ebenso eingeimpft worden wie die Tatsache, dass sich ein Sportler als Vorbild zeigen müsse, was Lebensweise, Verhalten und Statur betrifft.

Und so habe er sich die Frage gestellt, was mit all den Süßigkeiten werden solle, die er in den letzten Tagen geschenkt bekommen habe. Er werde sie auf keinen Fall essen, habe er seiner lieben Reni (Renate) klar gemacht. Vielleicht sollte ein Kindergarten davon profitieren.

Wenn Täve das Wort genommen hat, gerät er schnell ins Erzählen von Legenden und Histörchen. Er berichtet darüber, wie in den Jahren der Friedensfahrt der Sport im Mittelpunkt stand und Sportler ein bescheidenes Leben führten. Er erzählt von den wollenen Trikots der Holländer, die dermaßen eingelaufen waren, weil sie mit den Baumwoll-Trikots der Ostler mit heißem Wasser mitgewaschen worden waren. Er berichtet davon, wie sich der einstige Minister Klaus Kinkel bei den Paralympics in Sydney im kleinen Bus neben den Fahrer setzte und nach hinten fragte: Wo wollen wir denn heute hin? Ich schlage vor, zum Tennis. Das war sein Interesse. Und man fuhr zum Tennis. Bis ein paar Tage später eine junge Dame mit einstieg und Kinkel sich neben sie auf die hintere Sitzbank setzte. Da habe er vorn Platz genommen und nach hinten gefragt und vorgeschlagen, ins Velodrom zu fahren, um sich Radentscheidungen anzuschauen. "Da habe ich ihm ein Schnäppchen geschlagen", sagt Täve, lächelt in sich hinein und lässt seinen Blick beseelt über die Gästeschar streichen.