Der 9. Mai ist der gewöhnlichste Tag des Jahres. Zumindest statistisch gesehen. Und genau darum ist das der Stichtag, an dem der Zensus 2011 in Deutschland durchgeführt wird. Für die Volkszählung wurden im Jerichower Land drei Erhebungsstellen eingerichtet. Befragt werden alle Hausbesitzer und im Schnitt zehn Prozent der Haushalte.

Burg/Möckern. 2011 ist das Jahr der Volkszählung. Angeordnet ist die für Deutschland durch die Europäische Union. Die Daten, die bei der Befragung ermittelt werden, sollen unter anderem als Grundlage für neue Gesetze dienen, die das europäische Parlament erlässt. Für die Umsetzung des so genannten Zensus 2011 sind das Statistische Bundesamt, die Landesämter und die Kommunen zuständig. Letztere haben dafür Erhebungsstellen in Burg, Genthin und Möckern eingerichtet.

In Burg leitet diese Alexander Wapenhans. Der 31-Jährige arbeitet in der Stadtverwaltung an der Einführung der doppelten Buchführung der Konten. Von daher ist er mit Zahlen vertraut. Die Erfassungsstelle ist für den Stadtmitarbeiter aber Neuland, wie für die zwei weiteren Mitarbeiter, die von der Stadt an die Erfassungsstelle bis zum April 2012 entliehen sind. "Die letzte Volkszählung gab es 1981, also noch zu DDR-Zeiten", erklärt Wapenhans. Auf Erfahrungswerte könne man daher nicht zurückgreifen. Alle notwendigen Materialien, vom Fragebogen bis zum Computerprogramm, bekommen die Erfassungsstellen vom Statistischen Landes- beziehungsweise vom Bundesamt.

Drei Teile umfasst der Zensus 2011: die Gebäude- und Wohnungszählung, die Haushaltebefragung und die Erhebung an Anschriften mit Sonderbereichen. Der erste Teil betrifft alle Hausbesitzer. "Ende vergangenen Jahres wurden dazu erste Briefe an die Besitzer versandt, die über die Zählung informieren", erklärt Wapenhans. Es ist der umfangreichste Teil des Zensus 2011. Deutschlandweit werden schätzungsweise 19 Millionen Gebäude mit Wohnraum und 39 Millionen Wohnungen erhoben. Das übernimmt das Bundesamt. Zum Stichtag 9. Mai werden die Erhebungsunterlagen versandt, die jeder in Papierform oder im Internet innerhalb von 14 Tagen ausfüllen muss.

Die Hauptaufgabe für die Erfassungsstellen im Landkreis wird die Haushaltebefragung sein. Dafür werden noch Interviewer gesucht (siehe Infokasten). "Vorgegeben ist je 100 Befragte ein Interviewer", erklärt Wapenhans. Für die Erfassungsstelle Burg, die neben der Stadt mit den Ortsteilen auch die Gemeinden Biederitz und Möser umfasst, werden ab dem 9. Mai etwa 5100 Menschen befragt. Die Auswahl der Haushalte erfolgt computergestützt nach Zufall, um die Repräsentativität zu gewährleisten. Wapenhans möchte auf Nummer sicher gehen. Darum sucht er zusätzlich zu den 50 Interviewern, die er bisher ausgewählt hat, weitere 20 Befrager.

Haushaltebefragung läuft im Mai und Juni

Auch in Möckern gibt es noch Bedarf an Interviewern. "Wir werden weit mehr als die durchschnittlichen zehn Prozent der Haushalte befragen", erklärt Hauptamtsleiter Holger Maier, der mit einer Halbtagskraft die Erfassungsstelle in der Einheitsgemeinde betreibt. Etwa 7000 Menschen werden befragt und damit 28 Prozent der Haushalte. Für Wörmlitz und Möckern werden je 1 Interviewer, für Nedlitz und Menz 3 bis 4, für Dannigkow 4 und für Gommern 14 Befrager gesucht.

Aufgabe der Interviewer ist es, alle im ausgewählten Haushalt lebenden Personen zu befragen. Dazu gibt es einen Fragebogen, der auch im Internet ausgefüllt werden kann. Es werden Fragen nach der Person, dem Beruf, der Schulbildung und der Religionszugehörigkeit gestellt.

Anreiz für die Interviewer soll die Entlohnung bieten. Füllt der Befrager den Bogen gemeinsam mit den Ausgewählten aus, erhält er je Stück 7,50 Euro. Gibt der Interviewte den Fragebogen selbst in der Erfassungsstelle ab oder füllt ihn im Internet aus, gibt es immer noch 2,50 Euro. "Bis 175 Euro Verdienst sind steuerfrei", so Wapenhans. Im April werden die Interviewer für ihre Aufgabe geschult.

Im Mai und Juni laufen die Befragungen, deren Termine im einzelnen zwischen den Fragenden und den Befragten vereinbart werden. "Wer den Interviewer nicht in die Wohnung lassen will, füllt den Fragebogen allein oder im Internet aus", zeigt Wapenhans die Möglichkeiten auf.

Dritter Teil des Zensus 2011 ist die Erhebung von Sonderanschriften. Dahinter verbergen sich Justizvollzugsanstalten, Behinderten-, Obdachlosen-, Alten-, Pflege- und Studentenwohnheime sowie Internate. Die Erfassungsstellen organisieren auch dafür die Befragung, die jedoch durch die Einrichtungen selbst durchgeführt werden.

Die Teilnahme an der Volkszählung ist ein Muss. Das ist in einem eigens erlassenen Gesetz festgeschrieben. "Wir setzen natürlich auf die Freiwilligkeit", sagt Wapenhans. Als letztes Druckmittel könnte aber auch Zwangshaft drohen. "Darauf wollen wir es aber nicht ankommen lassen."

Alle Fragebögen sind personalisiert. Das lässt die Frage nach Datenschutz aufkommen. "Alle an der Datenerhebung Beteiligten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet", so Wapenhans. Die Daten werden auch nicht an Dritte wie zum Beispiel die Jobcenter weitergegeben. "Wir brauchen ehrliche Antworten der Befragten und dafür garantiert der Gesetzgeber den Schutz der Privatsphäre", so Wapenhans.

Nach der Volkszählung werden die Erfassungsstellen die Daten an das Landes- und das Bundesamt für die Auswertung weiterleiten. "Und wir werden uns mit den Mahnverfahren derjenigen beschäftigen, die eine Teilnahme verweigert haben", so Wapenhans.