In Gerwisch ist die Tradition fortgesetzt worden, jeden Straßenneubau mit einem Straßenfest zu feiern. Am Freitagnachmittag versammelten sich Einwohner, Anlieger, Baufirmen, Planer, Verwaltungsmitarbeiter und viele weitere Gäste zur offiziellen Einweihung des Deichverteidigungsweges an der Potztrine.

Gerwisch. Was lässt sich Ortsbürgermeisterin Karla Michalski aus diesem Anlass nun wieder einfallen?, machte die Frage kurz vor dem offiziellen Einweihungstermin unter den Gästen die Runde. Jeder weiß, dass die langjährige Ortschefin immer mit einem passenden Outfit erscheint. Und heute?

Da kommt mit lautem Hupen der kleiner Lkw der Gemeinde den Biederitzer Weg hoch, fährt auf den Festplatz vor, und hinten auf der Pritsche sitzt Karla Michalski mit Schutzhelm, gelben Stiefeln, Warnweste, Handlampe und Luftballon - eine Deichläuferin.

Sie begrüßt die Gäste und bedankt sich zuerst mit herzlichen Worten bei den vielen fleißigen Helfern, die in den angespannten Tagen des Winterhochwassers als Deichläufer ihre Freizeit zum Schutz der Gerwischer Bevölkerung geopfert haben. So wie sie hätten die Männer ausgesehen, die Luftballons wurden in die Erde gesteckt, um Sickerstellen im Deich zu markieren.

Ihr Dank galt auch den Verantwortlichen der Magdeburger Stadtwerke und des Gerwischer Klärwerkes, die mit der kostenlosen Bereitstellung leistungsfähiger Pumpen den Kampf gegen die Fluten unterstützt hatten.

Der neue Deichverteidigungsweg sei für Gerwisch von immenser Bedeutung. Denn nun könne man mit der Technik besser vor Ort kommen. Der Schutz der Bürger und ihres Hab und Gutes sei eine Aufgabe der Daseinsfürsorge, merkte die Ortsbürgermeisterin an, die mit Blick auf die dramatischen Ereignisse in Japan darauf verweist, dass Naturkatastrophen auch kleineren Umfangs die Menschen in Not und Sorge treiben könne.

Deshalb sei der Deichbau und der Schutz vor Hochwasser in Gerwisch wichtig. Der Ortschaftsrat und sie werden auch weiter die Zusicherung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft im Blick behalten, den Deich an der Potztrine in den Jahren 2015 bis 2017 zu ertüchtigen oder neu zu errichten.

Essen und Trinken bezahlen Sponsoren

Den Bauleuten, Planern, Beschaffern von Fördergeld und den Ausrichtern und Sponsoren des Einweihungsfestes dankt Karla Michalski ausdrücklich. Nein, es sei in Gerwisch nicht so, dass die Politiker Geld ausgeben für Essen und Trinken. Die bauausführende Firma hat für das Wildschwein gesorgt, aus dem der Kombüsekoch das deftige Gulasch gezaubert hat. Der Chef hat das Wildschwein mit eigener Hand geschossen, streicht sie heraus. Den Kuchen spendeten Anlieger und Gerwischer Bürger. Dass die Ortsbürgermeisterin auch einen köstlichen, kalorienreichen Mohnkuchen beigesteuert hat, bleibt unerwähnt. Die Getränke habe das Planungsbüro spendiert.

Die Gäste bedanken sich mit einem herzlichen Applaus.

Gemeindebürgermeister Kay Gericke beschreibt das Bauvorhaben, das nun offiziell seiner Bestimmung übergeben wird. Der Beschluss zur Erneuerung und Ertüchtigung des Deichverteidigungsweges ist durch die Gerwischer Ortschaftsräte am 24. März 2010 gefasst und vom Einheitsgemeinderat Anfang April bestätigt worden. Für die Planung zeichnet das Ingenieurbüro Lange & Jürries verantwortlich. Der Antrag auf Fördermittel im Rahmen des Gesetzes zu Umsetzung von Zukunftsinvestitionen der Kommunen und Länder ist bereits im Herbst 2009 gestellt worden. Ein Schild am Beginn des neuen Deichverteidigungsweges zeugt von den Geldgebern.

Für die Anlieger ist im September 2010 eine Informationsveranstaltung durch die Gemeinde und das Planungsbüro durchgeführt worden, um sie wegen ihrer Zufahrten in das Bauvorhaben einzubinden. Die Firma Werner Bau aus Magdeburg hatte das Ausschreibungsverfahren für sich entschieden und war mit den Bauarbeiten beauftragt worden, die im Herbst begannen und unter einem ungünstigen Wetterstern standen. Mitte Dezember erfolgte die Bauabnahme.

Der neue Deichverteidigungsweg ist rund 300 Meter lang und drei Meter breit. Er trägt eine bituminöse Fahrbahn. Die Bau- und Planungskosten liegen bei rund 95 000 Euro. Die Höhe der Fördergelder beziffert Bürgermeister Kay Gericke mit 40 608 Euro.

Nachdem Torsten Frischbier vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz demonstriert hatte, wie mit Sandsäcken eine Deichverstärkung errichtet werden kann, nehmen die Gäste der Einweihungsfeier den neuen Deichverteidigungsweg unter die Füße. Nach ihrer Rückkehr auf den Festplatz werden sie sich bei dampfendem Wildschweingulasch und Glühwein aufwärmen.