Auf einer Einwohnerversammlung in Gerwisch beantworteten Fachleute Fragen zur geplanten DSL-Versorgung im Ort. Gerwischer Bürger wurden aufmerksam, als bekannt wurde, dass das beauftragte Telekommunikationsunternehmen einen Sendemast in Wohnungsnähe errichten will.

Gerwisch. Vor der eigentlichen Einwohnerversammlung hatte eine außerordentliche Sitzung des Ortschaftsrates stattgefunden, die auf Antrag der SPD-Fraktion von Ortsbürgermeisterin Karla Michalski zum gleichen Thema einberufen worden war. Gerwischer Bürger hatten sich zudem mit einem offenen Brief an die Ortschaftsräte gewandt. Sie fühlten sich überrumpelt von der plötzlichen Notwendigkeit eines Sendeturms und wollten Aufklärung.

Die Ratssitzung und eine anschließende Bürgerversammlung bieten dazu Gelegenheit. Denn der Geschäftsführer der Magdeburger Firma MDDSL Mitteldeutsche Gesellschaft für Kommunikation, Andreas Riedel, Kundenbereichschef Carsten Stave und Prof. Dr. Dieter Schwarzenauer vom Förderkreis Breitband der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt stehen zur Aufklärung bereit.

Vor allem sind offenbar die Bedenken der Bürger gegenüber der Funktechnologie auszuräumen. Funk ist Strahlung und Strahlung ist gesundheitsschädigend, heißt es allgemein.

Beim Richtfunk reicht geringe Leistung

Dazu macht Andreas Riedel sinnbildliche Ausführungen. Bei der in der Gemeinde Biederitz und somit auch im Ortsteil Gerwisch angewandten Technologie handelt es sich um Richtfunk, also um eine punktgenaue Übermittlung von Signalen. Eine Glühlampe, macht Andreas Riedel vergleichend deutlich, strahlt in alle Richtungen ab. Wird das Licht gebündelt, also zu einem Strahl konzentriert, strahlt es auf nur einen Punkt und sogar - bei gleicher Leistung - noch kräftiger.

Aufgrund der Bündelung kann auch beim Richtfunk mit einer sehr geringen Leistung gearbeitet werden. Sie garantiert aber trotzdem hohe Datenmengentransfers an den heimischen Computern.

Die Übertragung von einem Punkt zum anderen erfolgt bei der angewandten Technologie mit einer Leistung von nur 0,05 Watt.

Zum Vergleich hat die Riedel andere "Strahler" aufgelistet. Der DVB-T-Turm in Magdeburg für das digitale Fernsehen sendet mit 50 000 Watt, der Mikrowellenherd zu Hause hat 900 Watt, das Handy sendet mit 2 Watt (am Ohr), die WLAN-Anlage in der Wohnung funktioniert mit 0,1 oder 1 Watt und der linzensierte Richtfunk darf mit 0,1 Watt senden. Die Sendeleistung des Richtfunks fürs DSL ist mit 0,05 Watt also verschwindend klein.

Selbst Umweltaktivisten des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland hätten zehn Meter neben einer Sendeantenne keine Strahlung mehr gemessen.

Über allem wacht außerdem die Bundesnetzagentur, sagt Andreas Riedel. Alles müsse beantragt werden, und alles werde von der Bundesnetzagentur auch überprüft und kontrolliert. Auch in Gerwisch gäbe es eine dazu erforderliche Messstelle.

Allerdings hat der Richtfunk auch ein Nachteil: Der sendende und der empfangende Punkt müssen "Sichtkontakt" haben. Zwischen den beiden Punkten baut sich im Betrieb ein so genannter Beam auf, der die Form eines Zeppelins hat. Sein Durchmesser beträgt 1,4 Meter, seine Entfernung von der Erdoberfläche fünf Meter. An den "Zeppelin"-Spitzen befindet sich der Sender beziehungsweise der Empfänger.

Der Umstand des Kontaktes lässt bei der Wahl der Standorte von Sender und Empfänger nur wenig Spielraum zu. Der Sender für Gerwisch steht in Woltersdorf. Dort soll ein 21 Meter hoher Turm gebaut werden. Dieser empfängt seine Signale aus Magdeburg. In Gerwisch macht sich zum Empfang ein sechs Meter hoher Pfeiler notwendig.

Anlagen weit von der Bebauung weg

Der solle aber so weit wie möglich von der Bebauung stehen, fordern die Anlieger. Geplant war seine Aufstellung an der Straße zwischen Gerwisch und Woltersdorf auf Höhe der Sporthalle.

Karen Ellermann ist dies zu nahe an der Bebauung. Sie fragt nach, ob Aufstellalternativen in Erwägung gezogen worden sind. Die gäbe es durchaus, hieß es. Zum einen noch dichter an der Sporthalle, oder gar an der Giebelseite der Sporthalle. Die Gemeindeverwaltung solle unverzüglich prüfen, ob das technisch möglich sei. Die Halle sei Gemeindeeigentum und auch das Gelände, auf dem sie steht. Hier sollte es also keine Probleme geben.

Andreas Riedel wirft ein, dass man dann einen längeren Weg bis zum Kabelverzweiger schachten müsse, was die Kosten erhöhe. Ein Meter Erdarbeiten würden 41 Euro kosten und das Vorhaben sei finanziell budgetiert.

Apropos schachten: Es werden im Ort keine durchgängigen Gräben aufgegraben. Die Leitungsverlegung erfolgt überwiegend unterirdisch im Spülverfahren.

Mit der Lösung, die Antenne an der Sporthalle anzubringen, zeigen sich die Anlieger der Woltersdorfer Straße zufrieden. Die Anlagen werden nicht höher als 30 bis 60 Zentimeter sein, wird versichert.

Unbeantwortet bleibt die Frage von Imker Falko Marquard, welche Auswirkungen der Richtfunk auf Bienen habe. Man meint, keine.

In Gerwisch liegen über 200 Anträge aus schnelles Internet vor, so die MDDSL.