Befand sich das Studio des Geheimnis umwobenen Freiheitssenders und Soldatensenders aus DDR-Zeiten im Burger Funkamt am Brehm? Eine Frage, die seit sieben Jahren in Reesen verbrieft beantwortet wird. Das kleine Kellermuseum über die Geschichte der Funkanlage mit seinen unübersehbaren Sendetürmen richtete der ehemalige Funktechniker Hans Henning ein und kann sich mit der Zeit über Zuspruch von Besuchern nicht beklagen.

Reesen. Um die Minischau betrachten und erleben zu können, muss der Besucher in den Keller des Henningschen Hauses hinabsteigen. In zwei Räumen ist sie aufgeteilt. Im ersten hängen fein säuberlich aufgereiht Fotos aus den Jahrzehnten der Existenz des Funkamtes. Behördlich exakt hieß es Rundfunkübertragungsstelle Burg und stand in Verantwortung der Deutschen Post.

Die Ausstellung zeigt, was mit den verschiedenen Bauten und Räumlichkeiten erreicht werden sollte. Auffallend ein Mammut-Bilderrahmen, hinter dessen Scheibe eine große Pappscheibe aufgehoben wird. Gut zu lesen, dass sich auf ihr sieben Monteure mit Bleistift namentlich verewigt haben, datiert aus dem Jahr 1953, dem ersten Jahr des Sendebetriebes.

"Das war ein Wahnsinnsfund. Das Pappstück gehörte zur isolierenden Fußbodenschicht in einem der Funksäle. Beim Abbau 1994 wurde die Pappe entdeckt und hat seitdem einen Ehrenplatz in meinem Museum", erzählt Hans Henning. Er war über Jahre Funktechniker im Funkamt.

Seine Beweggründe, einige Quadratmeter seines Hauses einer Ausstellung zu opfern, hören sich so an: "Die Funkmasten prägen seit den 50er Jahren die Silhouette Burgs. Wenn wir heute nicht sichern, was sie einst und auch noch jetzt darstellen, ist ihre Bedeutung für die Nachwelt nicht mehr nachvollziehbar!" Deshalb plant er, die Schau zu erweitern.

Bisher funktionierte der Besucherzustrom ohne Werbeaufwand. "Wenn ich frage, wie die Gäste von meinem Museum erfahren haben, stellt es sich fast immer heraus, dass Mund-zu-Mund-Propaganda hilft", sagt er. Ein wenig hätten seine Visitenkarten nachgeholfen, die er Besuchern zusteckt und die in deren Heimatorten für die nächsten Neugierigen sorgen.

Bis zum heutigen Tag fanden sich bei Hans Henning Reisende aus Sachsen, Niedersachsen, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ein. Für April hat sich eine Gruppe aus Wolfsburg angesagt. Im Gästebuch finden sich Eintragungen von Gästen aus Leipzig, Wernigerode und Bremen. Ihre Herkunft ist vielschichtig. Es sind Funkamateure, "einfache" Interessenten, dienende und nicht mehr dienende Militärs oder Vereine, wie Ende März die Arbeitsgruppe Militärgeschichte des Burger Heimatvereins.

Wer sich frühzeitig anmeldet, erhält die Chance, neben dem Kellermuseum auch die Gebäude des ehemaligen Funkamtes zu besichtigen. Die Säle und Zimmer sind leer geräumt. Was zu sehen ist, sind verwaiste Fundamente, wo einstmals tonnenschwere Sendetechnik stand, fast noch gut bestückte und damals unter Verschluss stehende Schlüsselbretter und den einen oder anderen wertlosen Aktenschrank. Hans Henning: "Bis 1994 hatten wir vollen Sendebetrieb. Dann war Feierabend." Die umfangreiche Technik samt beeindruckender Schiffsdieselmotoren zur Eigenversorgung mit Strom wurden verschrottet. 2006 wurde zudem ein Sendemast gekappt.

"Gesendet werden kann aber immer noch von unserem Gelände mit gleichfalls leistungsfähiger Sendetechnik, aber räumlich weitaus kleiner. Die Container finden sich in der Nähe der Masten. Größere Räumlichkeiten braucht es nicht mehr", schildert Henning.

Was interessiert die Besucher besonders? Um Antworten ist Hans Henning als wandelndes Funkamtlexikon nie verlegen. "An erster Stelle steht die Auskunft nach den ominösen Freiheits- und Soldatensendern. Das nicht nur von Ex-DDR-Bürgern, sondern auch von Besuchern aus den alten Bundesländer", erzählt er.

Er stellt immer klar, dass sich im Brehm nie die Studios befanden, sondern in Berlin und Umgebung, wie in einem Bootshaus in Berlin-Grünau. Die beiden Programme waren Produkte des Kalten Krieges. Der Freiheitssender wurde installiert als Reaktion auf das KPD-Verbot in Westdeutschland. Das Paar verstummte, als in den 1970er Jahren ein Tauwetter zwischen Ost und West einsetzte. "Fakt ist, dass beide Programme von hier aus nur ausgestrahlt wurden, und zwar auf der Frequenz des Wolga-Senders der Sowjetarmee, der von hier ebenfalls seinen funktechnischen Ausgangspunkt und tagsüber freie Kapazitäten hatte", stellt der ehemalige Funktechniker vor.

Bei dem Rundgang oder im Museum kommt stets zur Sprache, warum überhaupt das Funkamt mit seinen rot-weißen schlanken Metallriesen in Brehm entstand. "Durch Reparationszahlungen an die Sowjetunion verfügte die junge DDR über keine nennenswerte Sendekapazität zum Betreiben der Rundfunkprogramme. Das mit den Jahren auf 79 Hektar angewachsene Areal schwimmt praktisch auf Wasser des Urstromtals der Elbe. Ideale Voraussetzung, um Funkwellen weithin ausstrahlen zu können. Unsere Reichweite endete zeitweise an den äußersten Grenzen Europas", beschreibt Henning. 1952 wurde der Grundstein gelegt - am 21. Dezember 1953 ging Burg auf Sendung, am Geburtstag von Josef Stalin.