Von Tobias Dachenhausen

Burg. Sechs Jahre musste man früher freiwillig bei der Feuerwehr oder beim Technischen Hilfswerk (THW) tätig sein, um nicht zur Bundeswehr zu müssen. Seit der Verkürzung der Wehrdienstzeit auf sechs Monate waren es nur noch vier Jahre. Mit dem Aussetzen der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 entfällt parallel die Möglichkeit der Dienstverpflichtung von Wehrpflichtigen für den Zivil- und Katastrophenschutz. Der Landkreis Jerichower Land bangt um den Nachwuchs, der künftig dem Ehrenamt womöglich fernbleibt.

"Wir müssen uns wirklich Sorgen machen", begann Lutz-Georg Berkling, ehrenamtlicher Leiter des Katastrophenschutzstabes, seine Rede bei der Info-Veranstaltung in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Burg. Viele Helfer, ob Feuerwehr, DRK oder THW, waren anwesend, aber nur zehn von insgesamt 75 verpflichteten Jugendlichen, die momentan im Jerichower Land für den Katastrophenschutz tätig sind. "Wir haben mit Sicherheit nicht die Zahl erreicht, die wir erhofft haben. Die Veranstaltung hätten wir aber auch nur für einen Interessierten gemacht", sagte Erhard Böhm vom Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz. "Wenn wir von euch einen überzeugen können, weiterhin im Ehrenamt tätig zu bleiben, haben wir schon viel erreicht", richtete er das Wort an die anwesenden Jugendlichen. "Mit dem Dienst als Helfer im Katastrophenschutz entwickelt sich oft eine lebenslange persönliche Aufgabe und ein befriedigendes Hobby in einer sehr kameradschaftlichen Atmosphäre", warb Böhm für das Ehrenamt.

Der folgende Vortrag zeigte die verschiedenen Fachbereiche des Katastrophenschutzes, präsentierte Bilder von Übungen und Einsätzen und erklärte Fahrzeuge und Einsatztechnik. "Die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen läuft gut. Die Arbeit des Katastrophenschutzes ist einfach wichtig. Das Beispiel Hordorf hat gezeigt, dass die Ereignisse nicht weit weg sein müssen", sagte Böhm.

An Schulen herantreten

Auch Kreisbrandmeister Walter Metscher appellierte daran, vor allem qualifiziertes Personal möglichst lange zu halten und ein Auge auf den Nachwuchs zu werfen. Der oft genannte Grund, dass die Situation mit dem Arbeitgeber nicht geklärt ist, sieht er hingegen nicht als Problem. "Für einen Einsatz bekommt man eine Freistellung, und der Arbeitgeber kann sich dann den Verdienstausfall vom Landkreis wieder holen", erklärte der Kreisbrandmeister.

Nach und nach will man auch an die Schulen herantreten, um dort noch intensiver für den Dienst zu werben. "Die Kinder- und Jugendfeuerwehren laufen ganz gut, aber der Anteil, der dann eben weitermacht, ist sehr gering", sagte Berkling und fügte an: "Die Last bei Einsätzen ist nur auf wenige Schultern verteilt, auf diese kann man sich dann zwar verlassen, aber dennoch brauchen wir hier mehr Personal."