Eigentlich soll der Verbund marego das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln für die Kunden in der Region Magdeburg erleichtern. Drei Damen aus Möckern und Loburg erlebten da eine böse Überraschung.

Möckern/Magdeburg. "Ich muss mir jetzt mal Luft machen." Doris Fuchs nutzte das tägliche Angebot der Volksstimme, am Lesertelefon über Erfreuliches, aber eben auch Unerfreuliches zu sprechen. "Ich bin am 4. April mit dem Zug nach Magdeburg gefahren und habe dafür ein marego-Ticket gelöst, weil ich auch in der Stadt mit der Straßenbahn fahren wollte", erzählt die 74-jährige aus Möckern. Am Nachmittag wollte die rüstige Rentnerin die Heimreise antreten.

Am Hauptbahnhof in Magdeburg erfuhr Doris Fuchs, dass zur gewünschten Abfahrtszeit ein Bus den Regionalzug nach Loburg, den sie nutzten wollte, ersetzt. Ihr Weg führte sie also zum Busbahnhof in der Nähe. Mit dem gültigen marego-Ticket in der Hand wollte Doris Fuchs einsteigen. Und durfte es nicht.

"Die Fahrerin verwehrte mir die Mitfahrt", ist die Möckeranerin auch eine Woche nach dem Vorfall noch erzürnt. Sie hatte zwar ein gültiges Ticket, aber es war nicht entwertet. Die Busfahrerin begründete ihre Weigerung, die Kundin und zwei weitere ältere Damen, die nach Loburg fahren wollten, mitzunehmen, folgendermaßen: Der Bus fährt als Schienenersatzverkehr. Die Tickets müssten am Bahnsteig, wo der sonst fahrende Zug hält, entwertet werden. Im Bus könne sie das nicht machen.

Der Bus sollte 16.20 Uhr abfahren, die Diskussion fand nur wenige Minuten vorher statt. "Ich hätte es niemals in der Zeit zum Bahnsteig und wieder zurück zum Bus geschafft", erklärt Doris Fuchs. Auch ihr Angebot, dass die Fahrerin das marego-Ticket einreißen und damit "entwerten" könne, nahm die Frau nicht an. Am Busbahnhof in Magdeburg selbst steht kein Entwerter für Tickets. Schlussendlich fuhr der Bus ohne die drei älteren Frauen ab. Die Damen mussten eine Stunde warten, dann fuhr der nächste Zug in Richtung Loburg vom Bahnsteig ab, wo die marego-Kundinnen ihre Tickets dann vorschriftsmäßig entwertet hatten.

Nachdem die Volksstimme von dem Vorfall erfahren hatte, schaltete sich die Redaktion ein und fragte bei marego nach. Die Presseverantwortliche Jana Maaß ging der Sache nach: "Es tut uns sehr leid, dass dieser Fehler passiert ist." Tatsächlich seien die Busfahrer angewiesen, grundsätzlich alle marego-Kunden mitzunehmen, die ein entsprechendes Ticket vorweisen können.

Im konkreten Fall liege der Fehler beim Verbundpartner Deutsche Bahn. "Das Unternehmen stellt selbst die Busse für den Schienenersatzverkehr", so Jana Maaß. Die angemieteten Fahrzeuge haben jedoch keine installierten Entwerter. Jetzt sollen noch einmal alle Busfahrer informiert werden, marego-Kunden nicht stehen zu lassen. Zusätzlich arbeite der Verbund an einer schnellen Lösung: "Wir werden die Busse beziehungsweise die Fahrer in den nächsten Tagen mit Zangen ausstatten, damit die Tickets vor Ort entwertet werden können", erklärt die Pressesprecherin.

Und eine Entschuldigung an Doris Fuchs gab es auch: marego-Sprecherin Jana Maaß rief am Dienstagnachmittag in Möckern an und bot als Wiedergutmachung fünf Euro. "Ich werde das Geld annehmen, aber eine marego-Karte kaufe ich dafür nicht." Gestern stieg die rüstige Rentnerin für ihren Weg nach Magdeburg nicht in den Zug, sondern ins eigene Auto. Und das, obwohl sie die Parkplatzsuche in der Landeshauptstadt als lästig empfindet.

Das Angebot von marego an Doris Fuchs ist eine Einzelfallentscheidung, erklärt Sprecherin Jana Maaß. "Wir setzen uns mit unserem Partner, in diesem Fall der Deutschen Bahn, in Verbindung und klären, wie wir dem unzufriedenen Kunden helfen können." Für Doris Fuchs kommt das jedoch zu spät. Nicht nur der Vorfall verleidet ihr das Nutzen des Verbundes: "Einfacher finde ich das System nicht. Schon allein das richtige Ticket nach Magdeburg am Automaten zu finden, ist eine Wissenschaft für sich", findet die Möckeranerin, die sich regelmäßig auf den Weg in die Landeshauptstadt macht.