Die Bauarbeiten am Hochständerhaus in der Burger Hainstraße 12 werden Anfang Mai beendet. Dann wird das zweitälteste Gebäude der Stadt dem Heimatverein Burg und Umgebung übertragen. Es wird dann neben der Gerberei das geschichtsträchtige Ensemble an der Ihle komplettieren.

Burg. Iris Liebthal, Bereichsleiterin Hoch- und Tiefbau der Stadtverwaltung, ist zufrieden. Zum einen, weil die umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Zeitplan liegen und das Haus in wenigen Wochen fertiggestellt ist, zum anderen, weil die Firmen "echte Qualitätsarbeit geleistet haben". Denn dieser Bau passe nicht in ein herkömmliches Schema einer Sanierung. Das Gebäude wurde wieder so hergestellt, wie es einmal errichtet wurde - um 1588/89. Zu dieser Zeit wurde beispielsweise auf Lehm gesetzt, was sich heute auch bewusst widerspiegelt und an diese alte Baukunst erinnert. Immerhin gilt Lehm als natürlichster Baustoff der Menschheit und wurde nahezu allen Bauwünschen gerecht.

Und noch etwas fällt auf, wenn Besucher das Hochständerhaus besichtigen werden. Unsere Vorfahren waren nicht unbedingt groß gewachsen, die Deckenhöhe endet ungefähr bei einer Höhe von zwei Metern. "Man muss eben den Kopf einziehen, wenn man durch die Räume geht", scherzt Architekt Klaus Wegner, der die einzelnen Bauphasen mit begleitet hat und auch erleichtert ist, dass alle Arbeiten gut funktioniert haben.

Für den letzten Feinschliff sorgen derzeit die Mitarbeiter um Malermeister Günther Lehnert aus Burg. Drinnen und draußen wird die Farbe aufgetragen, wie sie vormals erkennbar war. Während ein Raum der Gerberwohnung im Obergeschoss blau ist, sticht bei einem anderen ein kräftiger Rot-Ton ins Auge. Farbenfroh muss also schon gegen Ende des Mittelalters zeitgemäß gewesen sein. "Wenn dann ganz zum Schluss die Möbelstücke ihren Platz finden, können die Gäste originalgetreu sehen, wie damals hier gelebt wurde", sagt Iris Liebthal. Im unteren Geschoss, dessen Räume offen gestaltet wurden, soll in Form einer Ausstellung an die alte Baukunst erinnert werden.

Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund 240 000 Euro. So konnte ein Stück Burger Stadtgeschichte bewahrt werden. Nicht zuletzt durch eine Förderung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE).

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