Der Brandschutz für die Ortschaft Friedensau steht erneut auf der Kippe und damit prinzipiell auch die Betriebsgenehmigung für die Hochschule und das Seniorenheim. Denn der kommissarisch eingesetzte Schopsdorfer Wehrleiter Dirk Bischoff hat zum 30. April seinen Rücktritt erklärt. Laut Stadtbürgermeister Frank von Holly ist jedoch auch weiterhin der Brandschutz für den Ort gewährleistet. Eine Neuregelung soll schnellstmöglich gefunden werden.

Friedensau. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Freiwillige Feuerwehr Friedensau mag damit zwar bald wieder führungslos zu sein, aber der Ort deshalb nicht automatisch Wehr-los. Denn die nun eintretende Problematik kennt man hier schon. Bereits im Sommer 2010 spitzte sich die Situation in der Friedensauer Freiwilligen Feuerwehr zu, als der bis dahin amtierende Wehrleiter Dietmar Päschel den Ort und die Wehr verließ.

Schon damals war die Feuerwehr dünn besetzt, einen entsprechend ausgebildeten Kameraden, der die Leitung hätte übernehmen können, gab es zu dem Zeitpunkt nicht.

Daraufhin bemühte sich die Stadt Möckern, die verpflichtet ist, eine Feuerwehr vorzuhalten, neue Mitglieder für die Friedensauer Wehr zu gewinnen. Doch die Bereitschaft und das Potential der Einwohnerschaft im Ort waren nur gering. Der Grund: In Friedensau lebt ein hoher Anteil von Senioren und Studenten, die kaum länger an der Hochschule studieren als ein Feuerwehrgrundlehrgang dauert. Umso mehr sahen Stadtwehrleitung und Stadtbürgermeister die wenigen geeigneten Bürger in Friedensau in der Pflicht zum Ehrenamt.

Zu wenig Freiwillige für das Ehrenamt

Möckerns Bürgermeister Frank von Holly nennt etwa den ehemaligen Kanzler der Theologischen Hochschule, Roland Nickel, der sich trotz reichlich anderer Aufgaben bereit erklärte, in die Feuerwehr einzutreten, als Not am Mann war. Ein solches Verhalten ließen andere Amtsträger in Friedensau leider bisher vermissen, deutete Frank von Holly an. Um die Sicherheit im Ort dennoch zu gewährleisten, wurde Dirk Bischoff aus Schopsdorf vom Möckeraner Stadtwehrleiter als kommissarischer Wehrleiter der Feuerwehr Friedensau eingesetzt. Im Falle einer Alarmierung wurde darüber hinaus veranlasst, dass immer auch die Kameraden aus Möckern und dem benachbarten Grabow mit ausrücken. Denn Friedensau alleine war schon länger nicht einsatzfähig, bestätigte von Holly.

Er ist überrascht über den nun angekündigten Rücktritt des kommissarischen Wehrleiters: "Solche Probleme waren mir nicht bekannt", erklärte das Stadtoberhaupt gegenüber der Volksstimme.

Wenngleich es offensichtlich war, dass der von Dietmar Päschel in dessen Abschiedsrede geforderte Ruck, der durch Friedensau gehen müsste, ausblieb. "Es gab weder genügend Eintritte noch ein Engagement bei Stadt, Ortschaft und den Friedensauer Einrichtungen, das der Situation angemessen gewesen wäre", heißt es hinter vorgehaltener Hand in dem christlich geprägten Ort mitten im Wald.

Eine Löschgruppe besteht eigentlich aus neun Kameraden, eine Feuerwehr sollte mindestens 18 Leute zählen. Einige Studenten unterstu¨tzen derzeit die Feuerwehr, sie können aber nicht das Ru¨ckgrat der Wehr sein. Die Grundausbildung zum Feuerwehrmann im ehrenamtlichen Dienst umfasst 40 Stunden im Jahr. Die Ausbildung wird meist an den Wochenenden absolviert.

Aufgrund des großen Gefahrenpotentials in Friedensau mit einer hohen Personendichte, großen Gebäuden der Hochschule und des Seniorenheimes sowie einem dichten Waldbestand (Waldbrand- und Astbruchgefahr) besteht akuter Handlungsbedarf.

An diesem Wochenende findet auf dem Friedensauer Zeltplatz wieder das Osterlager der Pfadfinder statt. Es wird mit etwa 200 überwiegend jungen Teilnehmern gerechnet, erklärte Möckerns Stadtchef Frank von Holly. "Das Zeltlager wird nicht abgesagt, aber wir treffen Vorkehrungen, dass beim Osterfeuer ein Löschfahrzeug bereits vor Ort sein wird."