Nach vier Jahren majestätischen Daseins endet die Amtszeit der Genthiner Kartoffelkönigin Ivonne Renner im September im Rahmen des gleichnamigen Volksfestes. Im Gespräch mit Volksstimme-Redakteur Falk Heidel bilanziert die 42-jährige Einzelhandelskauffrau ihre Zeit als Königin Ivonne I.

Volksstimme: Wie ist das nach vier Jahren, schlagen zwei Herzen in Ihrer Brust, ein königliches und ein bürgerliches?

Ivonne Renner: Nein. Auch mit Krone und Scherpe ist es mir wichtig, absolut natürlich zu bleiben. Egal ob Kleid oder Jeans, ich bin wie ich bin. Damit bin ich auch immer gut gefahren. Zumal ich beispielsweise auch bei Interviews nie Sprache oder Stimme verstellt habe. Ich glaube, Natürlichkeit ist ehrlich. Genau deshalb habe ich bei der Kartoffelracke-WM in Dretzel den Blaumann angezogen und die Erdäpfel aus dem Boden geholt. Ich komme halt vom Lande, das kann ruhig jeder merken.

Volksstimme: Sind Sie in Kindheitstagen als Prinzessin zum Fasching gegangen, haben Sie wie viele Mädchen von einer Krone geträumt?

Ivonne Renner: Ganz im Gegenteil. Glanz und Gloria war mir fern, stattdessen lagen mir alle Tiere dieser Welt am Herzen. Am liebsten hätte ich ganz Roßdorf in ein riesiges Tierasyl verwandelt, um alle Kreaturen dieser Welt zu beschützen. Zum Fasching bin ich meist als Mickey Mouse gegangen, in einem Kostüm, das meine Schwester entworfen hatte.

Volksstimme: Was werden Sie als Oma später Ihren Enkeln von der königlichen Amtszeit erzählen?

Ivonne Renner: Ich werde schwärmen von all den Menschen, die ich bei den vielen Terminen kennenlernen durfte. Ich werde berichten von Veranstaltungen in der idyllischen Harzer Region. Und von spannenden, interessanten Volksfesten in den kleinen Orten unseres Landes. In den Dörfern habe ich mich immer am wohlsten gefühlt, weil die Menschen dort in den Gesprächen sehr viel aufgeschlossener sind. Oft auch dankbarer für kleine Gesten sind.

Volksstimme: Was war Ihr verrücktestes Erlebnis?

Ivonne Renner:Das war bei einemVolksfest in Treuenbrietzen. Wir haben in einer kurzen Pause hinter der Bühne Kartoffelpuffer gegessen, als mich ein niedlicher kleiner Dackel ganz unbemerkt mit einem Baum verwechselte.

Volksstimme: Und das furchtbarste Erlebnis?

Ivonne Renner:Sowohl beim Erntefest in Stegelitz als auch beim Jahrtausend-Umzug in Tangermünde - es regnete in Strömen. Kleid so schwer wie Blei, die Friseur hinüber, nur die Stimmung bleibt im grünen Bereich.

Volksstimme: Was wird aus Ihrem königlichen Kartoffelkleid?

Ivonne Renner:Das bekommt daheim auf dem Ständer einen Ehrenplatz. Es ist übrigens im Entwurf meinem Hochzeitskleid nachempfunden.

Volksstimme: Was raten Sie Ihrer Nachfolgerin?

Ivonne Renner: Natürlich bleiben, nicht verstellen. Auswendig gelernte Texte nützen nix. Auf der Bühne gehört Lampenfieber dazu. Zudem schadet es nichts, wenn man beim Kartoffel- oder Spargel schälen flinke Finger hat. Solche Vergleiche stehen öfter an.