Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter - Langfinger haben auf dem Friedhof Burg-Ost immer Saison. Pflanzen und Blumen im Wert von mehreren Tausend Euro werden im Laufe eines Jahres auf dem Burger Friedhof gestohlen, schätzt Friedhofsgärtner André Burmester.

Burg. Zurzeit blühen Hornveilchen, Stiefmütterchen oder Primeln auf den Gräbern, nach den Eisheiligen werden Mitte Mai Eisbegonien, Geranien, Fuchsien, Kanonierblumen oder Kapkörbchen dazukommen. Manche Pflanzen blühen auf den Ruhestätten Wochen oder sogar Monate, manche nur einige Tage, denn mit der Frühjahrsbepflanzung der Gräber beginnt auf dem Friedhof die Saison der Langfinger. Auch wenn die Sommerbepflanzung ansteht, werden sie zur Stelle sein. Und dann noch einmal im Herbst, wenn vielfach Heidepflanzen auf die Gräber kommen, denn diese sind begehrt. "Auch die Tannenabdeckung für den Winter und Gestecke, die die Angehörigen am Totensonntag bringen, sind vor Dieben nicht sicher", so André Burmester. Die Firma des Gärtnermeisters, auf Friedhofsgartenbau spezialisiert, hat über 600 Gräber in Burg-Ost in Pflege. Diese Gräber sind von der Klauerei genauso betroffen wie Grabstätten, um die sich die Hinterbliebenen selbst kümmern. "Egal ob die Leute ihre Gräber selber in Ordnung halten oder uns beauftragt haben, oft sparen sich die Angehörigen das Geld vom Munde ab und darum ist Blumendiebstahl auf dem Friedhof für mich ein Frevel", sagt Burmester.

Vom Blumenklau besonders betroffen seien auf dem Friedhof Burg-Ost die Felder 7, 8, 9 und 11. Wer vermutet, dass die gestohlenen Pflanzen zum Schmücken von anderen Gräbern benutzt werden, der irrt. "Der Großteil des Diebesgutes bleibt nicht auf dem Friedhof, sondern findet einen Platz in Gärten und Vorgärten der Region", ist Burmester überzeugt.

Sind auf den Gräbern, die von André Burmester und seinen Mitarbeitern betreut werden, Blumen verschwunden, bemühen sich die Friedhofsgärtner umgehend um eine Nachpflanzung, denn fast nie werden Gräber komplett abgeräumt. Stehen etwa 30 Pflanzen auf einem Grab, ist es die Regel, dass 10 oder 15 geklaut werden, der Rest bleibt stehen. Das Nachpflanzen klappt aber nicht immer, denn mitunter stehen die Pflanzen, jahreszeitlich bedingt, nicht mehr zur Verfügung.

In einer Saison zahlt Burmester etwa 600 Euro für Pflanzen drauf, die er nach Diebstählen ersetzen muss. Rechnet man die Verluste anderer Friedhofsgärtner und die der Leute, die Gräber privat pflegen, hinzu, kommen schnell mehrere Tausend Euro Schaden zusammen.

Und gestohlen werden nicht nur Beetpflanzen. "Alles von Schnittblumen bis hin zu Bodendeckern", so André Burmester.

Von Kollegen weiß der Gärtnermeister, dass der Blumenklau auf dem Friedhof kein Burger Phänomen ist. Anderenorts verschwinden zusätzlich Grablaternen und Plastiken, die in unseren Breiten auf Gräbern nicht üblich sind.

Im Gegensatz zu anderen Diebstählen finden sich Blumendiebstähle auf dem Friedhof Burg-Ost in der Polizeistatistik kaum wieder, da sie in der Regel nicht angezeigt werden. 2010 gab es beim Burger Polizeirevier zwei entsprechende Anzeigen: ein gestohlener Blumenstrauß und eine gestohlene Blumenschale. Der zumeist geringe materielle Wert des Diebesgutes hält die Betroffenen oft davon ab, zur Polizei zu gehen, obwohl man einen Diebstahl auch telefonisch oder schriftlich anzeigen kann. Sie machen es wie André Burmester, pflanzen auf ihre Kosten nach.

Nur einmal ist es dem Gärtnermeister vor Jahren gelungen, Blumendiebe auf dem Friedhof auf frischer Tag zu ertappen. "Es waren zwei Mädchen im Alter von zehn und zwölf Jahren." Burmester glaubt aber nicht, dass es vor allem Kinder und Jugendliche sind, die auf dem Friedhof auf Diebestour gehen. "Die Schuhabdrücke auf geplünderten Gräbern stammen oft von Damenschuhen", hat der Gärtnermeister festgestellt.