Von Anja Keßler

Jerichow. Der von der Gewerkschaft verdi für gestern angekündigte Warnstreik in Jerichow hat nicht vor Ort stattgefunden. Die Gewerkschaft war nach eigenen Angaben mit 30 Kollegen der AWO fair.leben zunächst nach Bernburg (Salzlandkreis) und danach nach Halle gefahren.

In Bernburg übergaben die verdi-Vertreter einen Brief an Landrat Ulrich Gerstner. Der Salzlandkreis will die kreiseigene Krankenhaus-Holding privatisieren. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die AWO, die sich sicher am Bieterverfahren beteiligen wird, keine Tarifgehälter zahlt", erklärte Gewerkschaftssekretär und verdi-Verhandlungsführer Thomas Mühlenberg. Mit der AWO-Krankenhausbetriebsgesellschaft gibt es seit 2009 einen Tarifabschluss. In Halle betreibt die AWO ein Psychiatriezentrum.

Seit Sommer 2010 führt die AWO fair.leben, ein Tochterunternehmen der Krankenhausbetriebsgesellschaft mit Heimbetrieben in Jerichow und in Groß Ammensleben (Bördekreis), Tarifverhandlungen. Bereits im März hatte es einen vierstündigen Warnstreik in Jerichow gegeben. Anlass für den erneuten Warnstreik gestern war ein aus Gewerkschaftssicht unzureichendes Arbeitgeberangebot.

Die Geschäftsführung von AWO fair.leben hatte einen Tarifabschluss nach der gültigen Entgelttabelle im Fachkrankenhaus Jerichow zum 1. Mai 2011 geboten. "Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 150 Euro", erklärt Geschäftsführer Thomas Zenker. Außerdem wurden für 2012 und 2013 je zweiprozentige Gehaltssteigerungen angeboten. verdi fordert ein Plus von sechs Prozent sowie die rückwirkende Einführung der Entgelttabelle zum 1. Januar.