Von Wolfgang Biermann

Stendal. Seit gestern muss sich Mario S. (45) aus dem Salzlandkreis am Landgericht Stendal wegen Untreue verantworten. Völlig mittellos soll er im Dezember 2007 die Autohaus Burg Vertriebs GmbH für eine Million Euro gekauft, sich als Geschäftsführer eingesetzt und die Million der Firmenkasse entnommen haben, um sie dem Vorbesitzer und faktischen Eigner Uwe S. aus Roßdorf zu geben. Uwe S., im Juni 2010 unter anderem wegen Subventionsbetrugs, Untreue und Brandstiftung zu sieben Jahren Haft verurteilt, soll Mario S. laut Anklage als Strohmann für seine Geschäfte eingesetzt haben.

Richterin Simone Henze-von Staden signalisierte für ein "umfassendes und glaubhaftes Geständnis" eineinhalb Jahre Haft als Höchststrafe. Dazu waren zu Prozessbeginn in Absprache zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Gericht vier von fünf Anklagen eingestellt worden. Mario S., unter anderem vorbestraft wegen Betrugs und zur Tatzeit unter Bewährung stehend, legte wie vereinbart ein Geständnis ab. Mit kleinen Versicherungs- und Finanzierungs- geschäften hielt er sich bis Ende 2007 mehr schlecht als recht über Wasser. Er hatte auch schon den Offenbarungseid geleistet. Den umtriebigen Autohausbesitzer Uwe S. kannte er aus DDR-Zeiten. Beide hatten ihren Wehrdienst an der Grenze abgeleistet. Ihre Freundschaft frischten sie in Nachwendezeiten wieder auf.

Uwe S. drängte zum Kauf. Mario S. solle den Kaufpreis erst einmal der Firmenkasse entnehmen und hinterher ersetzen. Er habe "alles unterschrieben, ohne zu wissen was", so der Angeklagte. Uwe S. habe mit "Zuckerbrot und Peitsche" agiert. "Du gehst eh in den Knast. Entweder ich unterstütze deine Familie dann jährlich mit 50 000 Euro oder ich schicke dir die Italiener auf den Hals. Die finden dich, egal wo du dich versteckst", soll er gedroht und Mario S. mit kleinen Summen abgespeist haben. Am 18. Mai soll das Urteil gesprochen werden.