Wie ist es um den Tourismus im Norden Sachsen-Anhalts bestellt? Während sich die Altmark immer mehr zum Magneten entwickelt, in diesem Jahr sogar mehrfach Ort für touristische Tagungen sein wird, gibt es gerade im Bezug auf die Radwege im Jerichower Land herbe Kritik.

Tangermünde/Genthin/Burg. Der Tourismus im Norden Sachsen-Anhalts ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Vor allem die Altmark profitiert von dieser Branche. Davon zeugen nicht nur die Zahlen, die Mandy Hodum, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes, für 2010 vorstellte.

Ein Beispiel dafür ist unter anderem Tangermünde. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Übernachtungsmöglichkeiten hier vervielfacht. Neben dem Hotel Schloss Tangermünde, das Schritt für Schritt erweitert wurde, locken seit September vergangenen Jahres auch die Exempel-Schlafstuben in die Stadt an der Elbe. Diese beiden Hotels gehören zu den insgesamt 125 Beherbergungsbetrieben ab neun Betten in der gesamten Altmark, in denen insgesamt 4522 Schlafgelegenheiten zur Verfügung stehen. So sagt es zumindest die Statistik des Jahres 2010 aus.

"Auslastung der touristischen Betten bei nur 17 Prozent"

Im Jerichower Land sind es laut Statistik 51 Betriebe mit 2640 Schlafgelegenheiten. Während die Auslastung hier im vergangenen Jahr bei 17,6 Prozent lag, ist dieser Wert für die Altmark mit 23,9 Prozent, für den Landkreis Stendal sogar mit 24 Prozent angegeben.

Neben vielen Tagestouristen sind es vor allem die Elberadler, die in und um Tangermünde Station machen, Tendenz steigend. Für jene, die den Norden Sachsen-Anhalts entdecken möchten, sind die Touristinformationen oft der erste Anlaufpunkt.

Vom Deutschen Tourismusverband zertifizierte Stellen gibt es im gesamten Landkreis Stendal nur drei (zwei in Tangermünde und die in Stendal). Im Jerichower Land ist es die Touristinformation in Genthin, die ganz aktuell im April ihre i-Marke für weitere drei Jahre verteidigte. Im gesamten Bereich des Magdeburger Tourismusverbandes Elbe-Börde-Heide, zu dem auch das Jerichower Land gehört, gibt es nur fünf zertifizierte Touristinformationen.

"Radwege? Es fühlt sich niemand dafür zuständig"

Gern würde die Geschäftsführerin des Magdeburger Tourismusverbandes Elbe-Börde-Heide, Irene Mihlan, mehr Informationen über die Besucherentwicklung in der Region Jerichower Land geben. "Doch der Landkreis Jerichower Land ist schon seit vielen Jahren nicht mehr Mitglied in unserem Verband", sagt sie. Das sei einmalig für Sachsen-Anhalt und nicht förderlich für die Arbeit, zumal die Region ja auch von der Werbung profitiere, die der Verband selbstverständlich auch für diesen Bereich betreibe.

Weitere Kritik übte sie am Zustand der Radwege östlich der Elbe. Was von Einheimischen und vielen Touristen seit etlichen Jahren bemängelt wird, brennt auch den Tourismusfachleuten auf der Seele. "Es fühlt sich aber niemand dafür zuständig", so Irene Milahn. Die schlechten Radwege seien ein großes Ärgernis. Gerade jetzt, da es in Zerben das Angebot einer Bildungsreise zum Thema Effi Briest oder die Effi-Tour gibt. Das von der Gemeinde sanierte Schloss hat sich zu einem wahren Aus- flugstipp gemausert. Irene Milahn: "Das Schild, das wir bereits haben anfertigen lassen und das vom Elberadweg nach Zerben weist, werden wir jedoch nicht aufstellen." Es sei nicht verantwortbar, die Radfahrer über so schlechte Weg zu leiten.

Dagegen steht die Altmark in diesem Jahr mehrfach im Mittelpunkt für Tourismusinteressierte. Im Mai führt eine Pressereise Journalisten durch die Region. Im Juli findet ein internationaler Erfahrungsaustausch zum Elberadweg in Tangermünde statt. Der Tourismustag des Landes Sachsen-Anhalt lockt im November etwa 100 Teilnehmer in den Norden. Eine Entscheidung für den Standort ist noch nicht gefallen. Hinzu kommt, dass Vertreter von Naturschutzstiftungen aller Bundesländer im Juni auf Einladung der Stiftung, Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Tangermünde tagen werden.