Burg. Aus einem schwarzen Auto fragt Andreas Heilemann den Schüler Hannes Wagener nach dem Weg zum Bäcker, dieser schreit, rennt weg, sucht nach Hilfe. "Richtig reagiert", lobt Heilemann. Situationen, in denen fremde Menschen Kinder ansprechen, gibt es viel zu häufig und oft wissen die Schüler nicht, wie sie sich zu verhalten haben. Die oben geschilderte Situation war nur eine Simulation des Kinder & Jugend Sicherheits Teams (KiJu-Team) mit Kindern der Pestalozzi-Grundschule, um eben jenes richtige Verhalten zu üben. "Erst wenn die Kinder die Situation einmal praktisch erfahren haben, fällt es ihnen leichter, sich in einem möglichen Ernstfall daran zu erinnern, um dann nicht in eine Art Schockstarre zu verfallen", weiß Andreas Heilemann", Regionalleiter des KiJu-Teams.

Für die 36 Kinder der 1. bis 4. Klasse der Grundschule standen in der vergangenen Woche vier Tage mit je zwei Stunden mit dem KiJu-Team zur Verfügung. Dabei wurden die Themen Gewalt, räuberische Erpressung und Missbrauch behandelt. Das richtige Verhalten mit praktischen Übungen wurde geübt und verinnerlicht. "Was muss ich machen? Wie soll ich mich verhalten? Was ist richtig, was ist falsch? Auf diese Fragen versuchen wir Antworten zu liefern, um die Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken", erklärt der Regionalleiter.

Bereits im dritten Jahr ist das KiJu-Team in der Pestalozzi-Grundschule zu Gast und die Nachfrage ist weiter steigend. "Übergriffe auf Kinder sind in den Medien immer wieder zu finden und da ist es natürlich im Interesse der Eltern, dass ihre Kinder für eben jene Situationen geschult sind", erklärt Heilemann. Seit 2006 ist das KiJu-Team in Sachsen-Anhalt mit verschiedenen Projekten unterwegs. 5000 Kinder wurden bereits geschult. "Alle Mitarbeiter haben eine pädagogische Ausbildung, die Inhalte werden auf die Altersgruppen zugeschnitten, so dass auch die Kinder mit viel Spaß bei der Sache sind", erzählt Heilemann.

Die eingangs geschilderte Simulation war Bestandteil der Abschlussprüfung des viertägigen Programms. Alle Kinder mussten sich mit der Situation auseinandersetzen, dass sie von Fremden angesprochen oder sogar körperlich angegriffen werden. Dann hilft nur ein kräftiger Tritt gegen das Schienbein und weglaufen und das mit "voller Pulle", so Heilemann. Wichtig ist, dass die Kinder dann vom Auto weg nicht in Richtung des Hecks rennen, um bei einer möglichen Verfolgung den Fremden zu zwingen, erst um die Autotür laufen zu müssen. "Es sind oft Kleinigkeiten, die viel bewirken können", weiß der Regionalleiter und fügt hinzu: "Es ist besser einmal öfter wegzulaufen, als einmal zu wenig."