Parchau/Burg. Am 9. Juni soll der Burger Stadtrat die "Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzeptes als Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) mit den Schwerpunkten städtebaulicher Rahmenplan Burg-Altstadt und Entwicklungskonzept für das Stadtumbaugebiet West" beschließen.

Der Parchauer Ortschaftsrat war am Montag das erste Gremium, das das umfangreiche Papier behandelte und letztlich zustimmte. Aber nicht ohne Kritik.

Nicole Hildebrand vom Fachbereich Stadtentwicklung machte den Ortsräten deutlich, dass das Stadtentwicklungskonzept auch die Ortsteile tangiert, obgleich die große Herausforderung für die Zukunft sei, mit dem permanenten Einwohnerschwund in der Kernstadt umzugehen. Die Einwohnerzahl der Kernstadt Burg werde sich von aktuell knapp 20000 auf 14000 bis 15000 in Jahr 2025 verringern.

Dann wird der Wohnungs-überhang, ausgehend von der aktuellen Zahl, zwischen 3200 und 3700 betragen. Mindestens 2000 Wohnungen müssen bis 2025 abgerissen werden, fordert das Stadtentwicklungskonzept.

In den Ortsteilen wird die demografische Entwicklung nicht so dramatisch eintreten. Parchau wird 2025 etwa 50 Einwohner weniger als zurzeit haben und dann immer noch ein Dorf mit mehr als 1000 Einwohnern sein. Fest steht aber auch, dass die Dörfer rund um die Stadt immer mehr zu Schlafdörfern werden. "Wie können wir uns in Parchau, wenn überhaupt, noch entwickeln?" Auf diese Frage der Ortschaftsräte kenne das Stadtentwicklungskonzept, so Nicole Hildebrand, nur eine Antwort: Tourismus.

Parchau liegt bekanntlich am bedeutenden Elberadweg. Doch die Mitglieder des Ortschaftsrates sind sich einig: "Tourismusförderung kommt bei uns bisher nicht an."

Am Tisch des Ortschaftsrates geht in diesem Moment eine Broschüre rum. Sie trägt den Titel "Offizielles Elberadweg-Handbuch 2011". Für Parchau ist dort weder eine Gaststätte noch eine Übernachtungsmöglichkeit angegeben. Und damit nicht genug. Touristen werden regelrecht abgeschreckt: "Schlechter Streckenzustand auf dem Deich" und "Einschränkungen bei der Deichbefahrung durch zeitweise Schafbeweidung" heißt es für den Streckenabschnitt des Radweges, auf dem auch Parchau liegt.

"Dabei haben wir auf unserer Elbseite die viel schönere Landschaft", unterstreicht Elvira Angermann. "Schöne Landschaft - schlechter Weg", bringt es Ortsbürgermeister Lutz Wernecke auf den Punkt. Die Probleme des schlechten Weges oder der Schafhutung seien bereits vor Jahren erkannt worden, so Wernecke. "Aber diese Fehler werden nicht abgestellt", beklagt der Ortsbürgermeister.

Elvira Angermann schlug vor, dass sich Vertreter des Ortschaftsrates und der Stadt Burg einmal mit dem Schäfer an einen Tisch setzen. "Es muss doch möglich sein, dass der Weg nicht mit eingekoppelt wird", so das Ortschaftsratsmitglied.

Das Stadtentwicklungskonzept wird in dieser und in der nächsten Woche in allen Ortschaftsräten sowie in den Ausschüssen des Stadtrates behandelt.

Für die Erarbeitung des Konzeptes, das Grundlage der künftigen Stadtentwicklung sein soll, wurden unter anderem 500 Burger Haushalte befragt.

Und es gab im Vorfeld sechs "Lenkungsrunden" mit Verwaltung, Wohnungsunternehmen, Stadtwerken, Wasserverband, Parteienvertretern.