Im Parchauer Ortschaftsrat ist der Seedamm regelmäßig Thema. Das Gremium um Ortsbürgermeister Lutz Wernecke hat die Burger Verwaltung schon mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass die Gefahr besteht, dass der Damm eines Tages nicht mehr passierbar ist, wenn immer wieder Biber das Bauwerk teilweise untergraben.

Parchau. Regelmäßig sind Mitarbeiter des Burger Bauhofes vor Ort in Parchau, um die eingebrochenen Randbereiche des Seedamms aufzufüllen und zu befestigen. Die beiden jüngsten Reparaturstellen sind noch deutlich am helleren Sand auszumachen. Diese Stellen kennt auch Jens Roszczka, für Parchau zuständiger Mitarbeiter der Burger Stadtverwaltung. Er ist Mittler zwischen Ortschaftsrat und Rathaus, konnte in dieser Sache allerdings noch nichts weiter ausrichten, als das Problem an die Untere Naturschutzbehörde heranzutragen. Denn der Biber, der den Damm auf einer Breite von etwa fünf Metern regelmäßig attackiert, ist streng geschützt und darf nicht gejagt werden.

Für Ortsbürgermeister Lutz Wernecke muss dennoch eine Lösung gefunden werden, denn er bewertet den Hochwasserschutz höher als den Biberschutz. Der Seedamm ist die direkte Verbindung zwischen der Ortschaft und dem nahen Elbdeich. "Wir brauchen den Seedamm bei Hochwasser zur Deichverteidigung und können es nicht riskieren, dass Einsatzfahrzeuge, die vielleicht Sandsäcke zur Sicherung des Deiches geladen haben, auf dem Seedamm steckenbleiben", unterstreicht Wernecke und betont, dass der Biber in Parchau gerade bei Hochwasser immer besonders "aktiv" ist. Ja, auch das Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft kenne das Problem seit langem, habe aber bisher nichts unternommen, so der Ortsbürgermeister weiter.

Im etwa drei Kilometer langen und etwa 70 Meter breiten Parchauer See gibt es zwei Dämme: einen im Ort, den zweiten im Naherholungsgebiet. "Den Seedamm haben einst die Bauern aufgeschüttet, um schneller auf ihre elbnahen Flächen zu kommen", weiß der Ortsbürgermeister. Er kann auch berichten, dass der Weg über den Damm Ende der 1990er im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme mit Feldsteinen befestigt wurde. Außer von den Bauern wird der Seedamm heute verstärkt von Radfahrern und Spaziergängern frequentiert.

"Nach Schätzungen von Anglern und anderen Naturfreunden leben im und am Parchauer See bestimmt zehn Biber", so der Ortsbürgermeister. Das sei eindeutig zu viel. Wenn es rechtlich keine andere Möglichkeit gebe, so Wenecke, müssten eben Experten zu Rate gezogen werden, die die Biber wegfangen und woanders aussetzen.

Allerdings ist fraglich, ob man den Biber andernorts haben will. Besonders schlecht ist man im brandenburgischen Oderbruch auf den Nager zu sprechen. Dort waren im letzten Jahr 77 von 172 Deichkilometern von Bibern beschädigt worden.