Links und rechts unserer Landstraßen ist derzeit eine Farbe dominierend: das Gelb der Rapsblüten. Nicht nur den Autofahrern scheint es so, als ob die Rapsfelder in jedem Jahr etwas größer werden. Der Eindruck ist korrekt, wie Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen. Demnach ist die Winterraps-Anbaufläche in Sachsen-Anhalt in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gewachsen.

Burg/Genthin. "Wenn ich mit dem Auto auf den Landstraßen des Kreises unterwegs bin, sehe ich selten Getreide, aber riesige gelbe Rapsteppiche", sagte Helga Borius aus der Kreisstadt kürzlich am Volksstimme-Lesertelefon. Sie fragt: Verdrängt der Rapsüberfluss das wichtige Brot- und Futtergetreide?

Das gelbblühende Kraut auf unseren Feldern ist Winterraps, es wird bis zu 1,20 Meter hoch. "Es ersetzt keineswegs den Weizen oder Mais", sagt Christian Apprecht vom Landesbauernverband. Aber: "Tatsächlich sind die Raps-Anbauflächen hierzulande größer geworden, weil die Landwirte den Pflanzenanbau am Markt orientieren." Bedeutet: Auf unseren Äckern wachsen Pflanzen und Früchte, die sich auch verkaufen lassen." Apprecht: "Auf 170 000 Hektar wird in Sachsen-Anhalt Raps angebaut, vor zehn Jahren waren es 110 000. Aber nicht zu Lasten von Getreide, sondern beispielsweise von Futtererbsen oder Ackerbohnen, die am Markt kaum noch gefragt sind." Seine Aussage bestätigen Zahlen des Statistischen Landesamts. Demnach hat sich beispielsweise die Anbaufläche von Silomais in zehn Jahren auf knapp 100 000 Hektar verdoppelt.

Aus der Rapssaat wird in erster Linie Rapsöl gewonnen, das als Speiseöl und Futtermittel, aber auch als Kraftstoff genutzt wird. Stichworte sind Biodiesel und das jüngst in die Schlagzeilen gekommene E10. Zudem wird Rapsöl in der Industrie verwendet und dient als Grundstoff für Materialien wie Farben, Bio-Kunststoffe, Kaltschaum, Weichmacher, Tenside und Schmierstoffe.

Für die Landwirte hat Raps noch weitere Vorteile: Die Pflanze ist nicht so anfällig gegen extreme Wetterlagen und Schädlingsbefall. Apprecht zufolge muss aber niemand eine Monokultur befürchten: "Die Bauern achten auf eine gesunde Mischung der Fruchtfolge, weil alles andere dem Ackerboden extrem schaden würde."

Allerdings rechnet der Bauernverband in diesem Jahr mit einem Drittel Ernteeinbuße beim Raps. Apprecht: "Die Pflanze hat den Winter nicht gut verkraftet, steht zu dünn. Statt 10 Seitentriebe sind nur 5 bis 6 ausgebildet."

Geerntet wird der Raps ab Ende Juli per Mähdrescher.