Die Bundesstraße 1 schlängelt sich wie eine Kette durch das Jerichower Land. Am Rande der Chaussee stehen in regelmäßigen Abständen die sogenannten Straßenbäume: So war es bis vor 15 Jahren. Mittlerweile tun sich gewaltige Baumlücken auf, an manchen Stellen bis zu 300 Meter. Grund: Seit Jahren gibt es für die Fällung von morschen Stämmen keine Nachpflanzungen mehr. Die Begründungen der Behörden dafür sind für Autofahrer kaum nachvollziehbar.

Genthin/Burg. Eine gut getönte Sonnenbrille brauchen Autofahrer in diesen Tagen vor allem auf der Bundesstraße 1 zwischen Genthin und Burg. Schattenspendende Bäume sind in den vergangenen Jahren vor allem zwischen Wiechenberg und Hohenseeden rar geworden. An verschiedenen Straßen des Jerichower Landes sind im vergangenen Jahr 750 Bäume zur Fällung freigegeben worden, hieß es in einer der vergangenen Sitzungen des Kreistags-Umweltausschusses. Dass an vielen Stellen nicht nachgepflanzt wurde, sieht man vor allem an der Bundesstraße.

Zu den Kritikern dieser Verfahrensweise gehört Horst Leiste von der SPD. Auf seine Frage, warum an den Straßen nicht nachgepflanzt werde, antwortete seinerzeit Kreisvorstand Bernd Girke: "Es ist laut Verordnung nicht unbedingt notwendig, die an der Straße gefällten Bäume an gleicher Stelle nachzupflanzen."

Beim jüngsten Treffen desselben Ausschusses in Loburg sprach Landrat Lothar Finzelberg von einem 1000-Bäume-Rückstand im Landkreis. Seiner Meinung nach sollten die Bäume an den Straßen auch wieder nachgepflanzt werden: "Aber hinter dem Straßengraben." Diesbezüglich müsse jedoch mit den Landwirten verhandelt werden, sagte Kreisbauernverbands-Geschäftsführer Edmund Herrmann.

Die Volksstimme fragte beim Verkehrsministerium nach, warum nicht nachgepflanzt wird. Laut Sprecher Peter Mennicke seien bei Baumnachpflanzungen "Randbedingungen" zu beachten. Es gehe um Abstände zu Straßenrand und Versorgungsleitungen. Auch der Rest der Antwort aus dem Ministerium ist eher ausweichender Natur und zudem schwer verständlich.

Beispiel: "Nach einer entsprechenden/speziellen Dienstanweisung dazu sind an vorhandenen Straßen ohne auffällige Unfallhäufung Lückenbepflanzungen bei einem Mindesabstand zur Fahrbahnkante von 4,5 Metern möglich. Im Zusammenhang mit Neu-/Um- und Ausbaumaßnahmen darf eine Baumbepflanzung ohne aufwändige Vorkehrungen nach der "Richtlinie für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhalte-Systeme-RPS 2009" nur außerhalb der kritischen Abstände erfolgen ..."

Erst im hinteren Teil der ministerialen Antwort findet sich der entscheidende Satz: "Die Möglichkeiten von Straßenbaumnachpflanzungen an der B 1 zwischen Parchen und Genthin werden im Rahmen der dort begonnenen Radweg-Planung geprüft." Eben jener Satz klingt für die Menschen in Parchen und Genthin wie glatter Hohn. Denn jüngst in diesen Wochen erklärte die Landesverwaltung, dass mit einem Radweg vor 2014 nicht gerechnet werden kann.

Betreffs der immer seltener werdenden Alleen schlagen Fachleute Alarm: Viele Alleen müssen dringend fachgerecht saniert und weiterentwickelt werden. Neue Alleen müssen gepflanzt werden. Hier gibt es viel zu tun, meint beispielsweise die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße.